Gemälde über die ‚ordo orbis‘ gefunden

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Gemälde über die ‚ordo orbis‘ gefunden

Dank eines jüngst aufgetretenen Fundes in den alterwürdigen Räumlichkeiten auf Burg Zankenblatt können wir heuer der hesindegefälligen Leserschaft ein kleines künstlerisches Kleinod präsentieren, welches den gewaltigen Namen ‚ordo orbis – Die Ordnung der Welt‘ trägt und von einem unbekannten Künstler geschaffen wurde. Datiert ist dieses Gemälde, es handelt sich um Öl auf Leinwand, auf etwa 879 BF. Freundlicherweise gestattet der glückliche Besitzer des Gemäldes, Erlan von Zankenblatt Baron zu Syrrenholt, eine Abschrift anzufertigen und zu vervielfältigen.

Der leider unbekannte Illustrator war ein ausgezeichneter Kenner der magie-philosophischen Thematik und sicherlich arkanen Standes. Dies zeigt sich unter Anderem in der eindringlichen Darstellung des Daimonenbaumes, welch kein klerikaler Künstler in solcher schmerzhaften Deutlichkeit dargestellt hätte. Dennoch scheint es, als ob das Werk mitnichten einem arkanen Fachpublikum zuträglich sein sollte, sondern im Hauptaugenmerk ein breitgefächertes, bürgerliches Podium zum Ziel hatte. Es erweckt den Eindruck, als sei es eine Auftragsarbeit eines recht wohlhabenden Mäzens, der mit der Erarbeitung des ,ordo orbis’ vielleicht seine Logenkollegae beeindrucken wollte. Der amtierende Baron zu Syrrenholt läßt derzeit noch Nachforschungen diesbezüglich durchführen.

Für die Darstellung der verschiedenen Sphären beruft sich der Maler auf das legendäre Werk ‚Die Offenbarung des Nayrakis‘. Dies scheint hingegen eine bewußte Prahlerei des Künstler zu sein, ist doch allgemein bekannt, daß eben jenes Buch nur den wenigsten Auserlesenen zur Lektüre zur Verfügung steht. Andererseits mußte der Künstler über einiges Wissen über das Weltbild gemäß der Sieben-Sphären-Theorie vorweisen können, ohne das er nicht die bisweilen detaillierten Ausschmückungen anfertigen hätte können.

Sphairologia © Ch. Jeub

Doch insbesondere diese Genauigkeiten sind es, die den Unterschied zwischen einem wissenschaftlichen Lehrbild und einer unterhaltsamen Illustration ausmachen. Obzwar die grundlegenden Elemente aufgegriffen wurden, sind diese doch eher aus künstlerischer als aus wissenschaftlicher Sicht heraus dargestellt. Es sind viele Versinnbildlichungen gewählt, die es dem gemeinen, unbedarften Betrachter ermöglichen, das Gesehene besser zu begreifen, zu verstehen und zu behalten. So wird das Nirgendmeer ganz im Sinne der klerikalen Vorgaben als Wellenlinie symbolisiert. Auch die Mauern Alverans und der Wall zu den Niederhöllen als ununterbrochener Gebirgszug sind nicht zu verkennen. Um die diesseitige Welt zu symbolisieren wurde die Kaiserkrone des Raulschen Reiches, überstrahlt durch den Götterfürsten, herangezogen. Ein eindeutiges Zeichen für die fehlende Objektivität des Auftragskünstlers. Als mahnende, gar beängstigende Einzelheiten fanden neben dem bereits eingangs erwähnten Daimonenbaum auch Rethon, die Seelenwaage in Borons Hallen, sowie die Seelenmühle als Ort unendlicher Qualen Einzug in das Gemälde. Insbesondere hier zeigt der Künstler in dramatischer Weise die Folgen eines lasterhaften Lebens, werden doch diese gefallenen Seelen durch die Seelenmühle hindurch gemahlen und zu unheiligem schattenhaften Daimonengezücht verkommen.

Doch über all diesen beängstigenden Symbolen erstrahlt die Zitadelle Alveran hoch auf einem steilen Berggipfel im Glanze des nahen Götterfürsten. Dieser ist ebenso wie die übrigen 11e in der bekannten Symbolik der Kirchen dargestellt und bewacht das Große Himmelstor Melliador. Im Rücken des Götterfürsten erkennt man die mystische Große Bresche, die den Wall zerteilt. Seitlich entdeckt das geschulte Auge hier das Symbol des Namenlosen, der in diese Leere gekettet ist. Die Darstellung der Göttersymbole dominiert die Bildaufteilung. Dies ist ein weiteres Indiz für eine abgeschwächt arkane und eher klerikale Sichtweise der Sphärologia. In wie weit es jedoch die betreffenden Kirchen erfreuen mag, die Symbole diverser Halbgötter zwar in Reichweite ihrer jeweiligen Eltern dennoch aber nicht in Alveran sondern in der sechsten Sphäre, die da geheißen wird Sterne und Kraft, positioniert zu sehen, vermag man nur ahnen.

Um dem Betrachter, der ja, wie bereits angesprochen, eher nicht dem arkanen Zweig der Wissenschaften zuzuweisen ist, nicht weiter zu verwirren scheint der unbekannte Künstler bewußt auf die etwas diffizileren Aspekte der Sphärologia verzichtet zu haben. So fehlen jegliche Hinweise auf das Vorhandensein von Nebenwelten, Globulen in den Fachsprache geheißen, oder gar Verbindungswege der einzelnen Ebenen zu einander. Doch über dieses Manko kann, ob der herrlichen Gesamtdarstellung, mit gutem Gewissen hinweggesehen werden.

Das Gemälde stellt eine Gradwanderung dar zwischen wissenschaftlich korrekt auf der einen und gemein verständlich auf der anderen Seite, so daß auch ein grundlegender Fehler im Bereich der sechsten Limbusebene, die den Kosmos von den Niederhöllen scheidet, akzeptabel bleibt. Denn hier hat der Künstler, bewußt oder nicht, sein Gemälde rein nach dem bekannten, realen Horizont aufgebaut, so daß die Sterne nur durch eine dünne Linie von den gräßlichen Daimonen getrennt erscheint, während der Wall selber als ununterbrochene Gebirgskette die Länder der Götter von den Sternen teilt. Es liegt also ein Fehler in der Reihenfolge der verschiedenen Ebenen vor. Doch auch dies scheint dem reinen Bildgenuß keinen Abbruch zu tun.

Fortan wird das Gemälde nach vorsichtiger Aufarbeitung und Restaurierung die Wand der baronlichen Bibliothek auf Burg Zankenblatt zieren, wo es sicherlich den ein oder anderen Gast mit seiner aussagekräftigen Schlichtheit beeindrucken wird.

Für den Herold Bosper Tannhauser

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Texte der Hauptreihe:
K7. Gemälde über die ‚ordo orbis‘ gefunden
Autor: C. Jeub