Garetischer Rechenmeister weist horasischen Herausforderer in einem spektakulären Duell in seine Schranken

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Wie unlängst bekannt wurde, kam es in der kleinen Stadt Syrrenholt zu einem Ereignis, das unter den Vertretern der elitären Gilde der Rechenmeister für großes Aufsehen sorgte. Es heißt, ein bis dato als unlösbar geltendes Problem der höheren Mathematik falle fortan der Vergangenheit anheim. Der allwissenden Göttin selbst zum Wohlgefallen, ist es dem bis heuer recht unscheinbaren Baumeister und Magus des Erzes Cormac ui Dunvallo gelungen eine Fragestellung zu lösen, die bereits Paciolis von Bosparan in seiner ‚Summa de Arithmetica e Geometrica‘ als eine der namenlosen Fragestellungen gebrandmarkt hatte, die „der Gelehrtenschaft als verhängnisvoller Fluch auferlegt sei und der aberhunderte von weisen Köpfe erlegen und bei der Lösung des Problems zerbrochen und dem Irrsinn anheimgefallen seien“.

Nun, wie kam es, daß abermals dieses namenlose Problem in aller Munde ward gewesen.

Auslöser der jüngsten Geschehnisse war ein Flugblatt, welches man in den garetischen Lande all über all finden konnte. Auf jenem Schriftstück wurde eingangs erwähnter Baumeister als Aufschneider und Tunichtgut defamiert und seine Arbeit als die eines zunftlosen Pfuschers tituliert. Solcherart Defamierungen scheint es indes unter den Weisen und gelehrten Zirkeln des öfteren zu geben. Sie enden meist mit einem Wettstreit, in dem beide Kontrahenten öffentlich ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen. Gut bekannt sind vor allem Zauberduelle, welche auch gern gesehen beim einfachen Volke sind.

So kam es denn auch bei besagter Schmähschrift.
Wappen des Cormac ui Dunvallos
Der Verfasser und damit Herausforderer war der horasische Rechenmeister Messer Aligieri di Monzanza. Jener ist ein über das Reich der Horas hinaus gehend berühmter Meister der Arithmetik und Geometrie. Aber auch als Baumeister und Architekt hat er sich einen Namen gemacht. Daher, und ob seiner arroganten Art, schien er äußerst pikiert gewesen zu sein, daß er nicht zum Bau des garetischen Siegestempels herangezogen worden war. Alleine die öffentliche Bloßstellung einer der am Tempelbau beteiligten Baumeister schien ihm der rechte Weg zu sein, doch noch die begehrte Stellung bei jenem Jahrhundertprojekt zu erlangen. Als Opfer hatte er sich nun den Magus ui Dunvallo erkoren, der als einer der Letzten in die Riege der Bauleiter berufen worden war.

Im Sinne der Berufsehre und entsprechend den Sitten und Regeln trafen sich nun beide Kombattanten auf dem Brig-Lo-Platz zu Gareth, um der staunenden Passantenmenge einen heißen Disput zu liefern, der sich weit weniger in mathematischen Details verlor als viel mehr in volksnaher Polemik. Das unbedarfte Publikum quittierte die willkommene Abwechslung mit johlendem Handgeklapper. Nach mehr denn drei Stunden Hetztiraden und sinnloser Phrasendrescherei einigte man sich auf jeweils göttergefällige 12 Fragen, die man sich gegenseitig stellen wollte. Für die Lösung der Aufgaben stand den beiden Rechenmeistern von da an eine Zeit von drei mal dreißig Tagen zu. Dann wollte man sich erneut der Öffentlichkeit stellen und seine Ergebnisse vorzeigen. Sprachs und ward abgemacht. Die Aufgabenzettel wurden ausgetauscht, - diese waren von beiden Kontrahenten bereits im Vorfeld erstellt worden, da sich solcherart Wettstreit, wie bereits angemerkt, eines immer gleichen Schemas bedient – und die beiden Rechenmeister verschwanden in ihren Studierzimmern.

Bereits nach kurzer Zeit zeigte sich, daß der gerissene Horasier seinen Gegner in heimtückischer Manier überlistet hatte, in dem er ein unausgesprochenes Tabu brach und alle 12 Aufgaben, die er Meister ui Dunvallo überreicht hatte, im Sinne des namenlosen Rechenproblems gestellt waren. Dieses gewissenlose Handeln zeugt zwar nicht von moralischer Stärke, wohl aber von verbissenem Ehrgeiz.

Nun mußte sich also der hintergangene ui Dunvallo auf die gefahrvolle Reise machen und sich den namenlosen Mächten stellen, die diese Fragestellung umgaben. Alleine das Einsehen der allwissenden Göttin scheint ihn vor dem Schicksal seiner glücklosen Vorgänger bewahrt zu haben, da er, bereits am Rande des Wahnsinns stehend, schließlich in einem lucida intervalla den Glanz Alverans vernahm und sich ihm die Lösung der Rechenaufgabe aus den fernen Gefilden seinem Verstande offenbarte. Voller inbrünstiger Demut nahm er das Geschenk entgegen, und siehe da, alle 12 namenlosen Fragen warden gelöst und zu jeder Rechnung gab es nunmehr ein unbestreitbares Ergebnis.

Als es zur erneuten Zusammenkunft der beiden Rechenmeister kam, hatte sich bereits mehr Volk vor der Tribüne versammelt. Auch einige Gelehrte der Akademien warden darunter zu sehen. Voller Siegesgewißheit legte der Horasier, der angetan wie ein eitler Pfau daherschritt, die Lösungen gar von 11 der 12 gestellten Aufgaben vor und erwartete nun den Offenbarungseid seines Kollegen. Jener jedoch sprach vorneweg die hinterpfotzige Arglist seines Gegners an und die unmoralische Gelassenheit, mit der er die Feder solcherart Machwerk hat schreiben lassen. Zuversichtlich lauschte der Horasier den ruhig vorgetragenen Anschuldigungen ui Dunvallos, mit der Gewißheit, als Sieger aus dem Wettstreit hervorzugehen und ferner in die Riege der Dombauleute aufgenommen zu werden. Doch wie schaute er da, als sich ui Dunvallo ansetzte die Lösungen zu jeder der 12 Aufgaben vorzutragen, die allesamt als richtig beschienen sind. Die anwesenden Gelehrten schauten nicht schlecht, und schnell ward der tolldreiste di Monzanza vergessen. Viel wichtiger war doch die Erkenntnis, daß eine mehrere Jahrhunderte als unlösbare geltende mathematische Frage fortan dem Geiste des Gelehrten offen stand. Der sichtlich stolze aber dennoch bescheiden wirkende Magus wies vorerst alle Nachfragen zurück und verwies auf sein Buch, welches er beabsichtigte zu schreiben. Dorten können alle Interessierten alsbald nachlesen, wie es sich mit dem Lösungsalgorithmus verhielte. Er selbst werde das erste Exemplar nach seiner Fertigstellung der garetischen Hesindekirche darbringen in Anbetracht des alveranischen Beistands, der ihm zuteil geworden war.

Nun bleibt also abzuwarten, mit welchem Genius dies Buch aufzuwarten gedenkt.

Was die Schwierigkeit der Fragestellung anbelangt, so vermag ich lediglich einen mir verworren erscheinenden Satz zu rezitieren, der bis itzo den Koryphäen der Arithmetik kalte Schauer verursacht hatte: ‚Ein Kubus und einige seiner Seiten sind gleich einer Zahl.‘

Letzten Gerüchten zufolge habe sich Meister ui Dunvallo von der aktiven Teilnahme am Bau des Siegestempels vorübergehend beurlauben lassen, um sich vollauf dem Verfassen seines Buches zu widmen. Seine Gnaden Praiodan von Luring habe dies mit inniger Freude bedacht und unterstütze das Fortbleiben des Magiers vom heiligen Tempelbauprojekt. Sein Kommentar dazu: ‚Die Errichtung der Latrinenanlage ist derzeit noch von zweitrangiger Bedeutung. Daher halten wir es für vertretbar, wenn sich der Magus einstweilen nicht mehr auf der Baustelle herumtreibt.‘

Bosper Tannhauser, reisender Berichterstatter

(irdische Anmerkung: In Anlehnung an des Buch ‚Der Rechenmeister‘ von Dieter Jörgensen)