Feuer auf den Wassern

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Im Gedenken an das Massaker auf der Breite

Über all den Schrecken, die in den letzten Götterläufen aus dem Osten über das Reich hereingebrochen sind, ist vielen schon gar nicht mehr bewusst, dass es auch eine Zeit gab, in der eine Gefahr aus dem Norden gen Gareth zog. Der Orkkrieg ist in Greifenfurt jedoch niemals in Vergessenheit geraten und damit dies auch im Rest des Mittelreiches nicht geschieht, feiern die Märker diesen Götterlauf die Befreiung Greifenfurts, die sich nunmehr bereits zum göttergefälligen zwölften Mal jährt.

Als Beginn der Feierlichkeiten wurde der 15. Firun gewählt – im Gedenken an das Inferno auf der Breite. Ein Augenzeuge von damals berichtet: „Ich weiß das noch ganz genau, wie das damals so war, ja ganz genau weiß ich das. Es ging uns nämlich ganz schön dreckig damals. Erst kamen diese haarigen Ungeheuer und dann dieser Marcian. Wer das nicht mitgemacht hat, der weiß nicht, was Hunger ist. Die Rationen waren so schmal, dass man die Ratten von den Straßen fangen musste um halbwegs bei Kräften zu bleiben, aber ich schweife ab. Jedenfalls kann man sich vorstellen, dass wir überglücklich waren als dieser Admiral Sanin mit seiner Flotte zu uns nach Greifenfurt hochgeschippert kam. Man, das waren drei tolle Tage, ich glaube ich habe niemals so gutes Hähnchen gegessen wie damals und überall roch es nach frischem Brot, aber das wollte ich ja eigentlich auch gar nicht erzählen. Jedenfalls kam dann der 15. Firun, der Tag, an dem wir mit den Kähnen aus der Stadt rausgebracht werden sollten. Ich war weiter vorne auf einem der Schiffe und das war mein Glück. Wir hatten keine Segel gesetzt und trieben mit der Strömung langsam an den arg angeschlagenen Stadtmauern vorbei. Ein bisschen wehleidig war mir schon, als ich da so auf die kümmerlichen Reste meiner Stadt zurückblickte. Dann schrie plötzlich jemand auf und ich fuhr herum. Aus dem Schnee fuhren Gestalten, erst einige dann immer mehr. Es waren diese räudigen Orks die sich im Schnee verborgen hatten um irgendeine Teufelei auf uns loszulassen. Sie zündeten Pfeile an und schossen. Zuerst dachte ich, die wären alle betrunken, denn die schossen aufs Wasser, aber dann blieben mir die Sinne weg. Das Wasser begann zu brennen. Zuerst war es nur eine kleine Flammeninsel, aber dann stieg immer mehr Feuer aus dem Wasser auf und erfasste im Nu das erste Schiff. Die Seile fingen Feuer und stürzten auf das Deck. Überall schrieen die Leute vor Entsetzen, aber die Orks schossen weiter und bald darauf war die Breite ein einziges Feuermeer. Efferd steh uns bei betete ich während ich schon die Hitze der Flammen durch die eiskalte Luft spüren konnte...“

Es ist bis heute ein ungeklärtes Rätsel, wie es den Orks damals gelungen ist an solch ungeheure Mengen von Hylailer Feuer zu gelangen, denn nichts anderes kann jenes Feuer verursacht haben. Zehn Schiffe mit Greifenfurter Bürgern brannten an diesem Tag aus, Hunderte Menschen starben in den Flammen oder ertranken in den eiskalten Wassern der Breite.

Um diese Toten zu ehren fand am 15. Firun ein Gedenkgottesdienst unter Obhut der Praioskirche im Hafen Greifenfurts statt. Durch ein Ehrenspalier der Markgräflichen Garde brachten die Bürger kleine Holzschiffchen mit brennenden Kerzen zur Breite. Allen voran schritt erhobenen Hauptes Baron Argaen Düsterfluss von Orkenwall, der beliebte Veteran aus dem Orkkrieg. Behutsam, damit das kleine Flämmchen nicht ausgehe, ließ er sein Bötchen zu Wasser. Mehr und mehr Greifenfurter folgten bis schließlich ein flackernder Zug von über hundert Schiffchen die Breite hinabschaukelte, ein schwacher Abglanz des daimonischen Feuers von vor zwölf Jahren; dieses aber den Göttern wohlgefällig zum Angedenken an die Toten.

Praiomon Caitmar von Dergelstein, der oberste Praiosgeweihte der Mark, hielt anschließend mit der Unterstützung eines Borongeweihten einen Zwölfgötterdienst zu Ehren der Verstorbenen. Praiomon persönlich übernahm die für seine Verhältnisse ungewöhnlich rührende Ansprache, die manch einem gar die Tränen in die Augen steigen ließ. Er gemahnte alle, sich ständig neu die Gefahr durch den Orken bewusst zu machen, auf das solche Ereignisse wie vor zwölf Jahren weder in Greifenfurt noch in einer der anderen Provinzen jemals wieder geschehen möge. Zum Schluss wies er noch auf die in diesem Götterlauf anstehenden Feierlichkeiten hin und lud alle ein, gemeinsam mit den Märkern die Befreiung Greifenfurts zu feiern.