Ein traurig Spectaculum auf Haagenstein

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Wie die »schöne Yilmaz« dem Kerker entkam, wie Burg Haagenstein in Aufruhr geriet, wie der »bucklige Jorgen« gerichtet wart und von dem verschwundenen Praiosgeweihten.

HASENFELD/GREIFENFURT Am ersten Tage des Praios des neuen Jahres – das wir das Jahr 31 unseres verschollenen Kaisers nennen – sollte zwei schlimme Schlagetots und Galgenvögel ihre gerechte Strafe finden: Die »schöne Yilmaz« und der »bucklige Jorgen«, die beide gefangen worden waren durch das mutige Einschreiten der Baronin Yadvige von Hasenfeld (der Herold berichtete in seiner letzten Ausgabe). Bereits Ende Rahja waren Tribüne und Richtblock aufgestellt, der Henker aus Eslamsroden angereist, die Marktschreier und Händler mit allem versorgt, was sie am ersten Tage des Jahres auf dem Burgplatz in Hasenfeld verscherbeln wollten. Alles geschah so rechtzeitig, damit kein rechtgläubiger Bürger und keine fromme Bürgerin etwa in der Zeit der Sternenleere, die dem Götzen ohne Namen gehört, irgendein Geschäft verrichten oder einen Schritt vor die sichere Türe tun müßte.

Der Blutige Habicht © BB

Doch wie anders kam es auch diesmal, als ein braver Mensch sich in seinem Plane zurechtgelegt hat! Die Schwäche der Burg und der Baronin ausnutzend, vermehrte der Blutige Habicht seinen Ruch mit einer ketzerischen Tat! Höret, wie es konnte geschehen: Die Truppen aus Wehrheim, die in Hasenfeld die Bande des Blutigen Habicht jagte, befand sich im sicheren Quartier an der Gemarkung gen Quastenbroich. Frau Yadvige lag darnieder mit einer bösen Wunde in ihrer Kammer. Die Büttel hatten sich argend verkrochen in den tiefsten Stuben der Burg. Die Bürger hatten Tore und Läden verschlossen wegen dessen, was umgeht zwischen den Jahren. Alles in Hasenfeld – Frauen, Männer und Kinder; Alte und Junge; Menschen, Zwerge und Andervolk; Hafner, Wagner, Küfer und Schneider – ließ ehrfürchtige Gebete von den Lippen tropfen, um damit die Gnade der Zwölfe zu erwerben, als die Bande des Blutigen Habichts in der Stadt erschien. Lange schon wähnten die Schwarzseher und Übelredner, der berüchtigte Anführer der Mordbrenner sei mit dem namenlosen im Bunde, doch nun scheint’s Gewißheit zu sein! Denn wer sonst würde seine lautere Seele an diesen Tagen auf die Gasse hetzen?

Ganz offen und höhnend höflich klopfte er an das Burgtor, daß darinnen den Wächtern die Nackenhaare zu berge standen. Gemächlich und mit der Hilfe seiner Spießgesellen legten der Mordbruder Leitern an die Burgmauern, gemeinsam erklommen sie die Zinnen, spazierten in den Burghof – und keiner der Büttel getraute sich, seine Nase ins Freie zu stecken! Im Backhaus zwangen sie die Bäckersleut’, ihnen den Kerker zu weisen (als wollten sie sich freiwillig dareinsetzen); und stiegen voll Übermut in die Burg. Erst herinnen, rauften sich die Büttel zusammen und lieferten sich in den Kammern und Gängen kleine Scharmützel mit der Bande des Blutigen Habichts, doch drangen dieselben nahezu ungehindert in die Gewölbe der Haagenstein vor und befreiten zuerst die schöne Yilmaz. Nun aber hatte die tapfere Baronin ihrer Frauen und Männer gesammelt und versperrte den Strauchdieben den Weg nach draußen. Bruder Finyan, der Geweihte der Travia und Hüter des Hauses, flehte die Göttin des Herdfeuers um ihren Beistand an – der so nötig war in diesem Augenblick, an diesem Ort, an diesen Tagen! Doch wie bitter traf des Blutigen Habichts Hohngerede den braven Geweihten: »Heh Lumpensack! Meinst wohl, wir wollen Gastung nehmen an Deinem Herd? Laß’ bleiben, Gänserich, wir gehen stracks zur Tür hinaus und brauchen Dein Geschnatter nicht! Uns reicht schon das Salbadern des Praiospfaffen.« Sprach’s und schlug sich durch die rückwärtigen Gewölbe bis zur Kleinen Ausfallpforte, durch die er, seine Bande und die schöne Yilmaz entschwanden. Es folgte ihnen niemand.

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Zwei Tage später machten die Herolde das neuerliche Verbrechen des Blutigen Habicht auf dem Burgplatz bekannt, und nicht ohne gewisse Anzüglichkeit konstatierten die Hasenfelder, daß der gefürchtete Räuberhauptmann zwar seine Buhle gerettet, den buckligen Jorgen aber im Kerker gelassen hat. So wurde denn unter den gestrengen Augen der genarrten Baronin der Bucklige Jorgen durch den Strang vom Leben zum Tode befördert. Die Krämer und Händler und all das Gauklervolk konnten trotz alledem ihr Geschäft machen, und die Leuten waren’s soweit zufrieden. Das Spectaculum freilich war weniger ausgelassen, als es sich die siegesgewissen Hasenfelder vorgestellt hatten ...

Was bleibt? Zu Hasenfeld ist heuer das Jahr nicht wie sonst eröffnet worden, und das liegt keineswegs nur an der Hinrichtung. Vor allem nämlich entbehrt der Ort seines Praiosgeweihten, der sonst immer Predigten geschmettert hat, denn Roderich von Goyern befindet sich nach wie vor in der Hand der Übelwichte. Ihren Unterschlupf sollen sie vorerst in den Wäldern im nördlichen Quastenbroich gefunden haben. Doch werden sie sich gewiß alsbald wieder in den wilderen Norden der Markgrafschaft absetzen. Baronin Yadvige hat auf den Blutigen Habicht ein Kopfgeld von 50 Goldstücken ausgelobt, und wer die schöne Yilmaz herbeischafft, wird immerhin mit 20 Dukaten belohnt.

Sibelian Precker

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Szenariovorschlag: Einer wackeren Heldengruppe, die es sich zutraut, auf geheimen Wegen und im Waldesdunkel der Mark Greifenfurt auf den Spuren der Bande des Blutigen Habicht zu bleiben, mag es vielleicht gelingen, die Praiosgeweihten Roderich von Goyern aus der Hand der Strauchdiebe zu befreien. Doch Vorsicht ist geboten, denn der Blutige Habicht ist vielleicht wirklich mit dem namenlosen im Bunde, kennt sich zudem im Dickicht der Mark so gut aus wie kaum ein zweiter. Zudem kann der wackere Held auch kaum auf die Hilfe der Einheimischen rechnen – zu groß ist die Angst vor der Rache des Rechtlosen. Im übrigen könnte es auch sein, daß diese Rache nunmehr der Baronin Yadvige gilt, und vielleicht gelingt es einer (anderen) Heldengruppe ja, einen Anschlag auf sie zu vereiteln?!