Dreister Überfall auf Burg Boronshof

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Jetzt, da die strenge Herrschaft Firuns über die Greifenfurter Lande langsam zu Ende geht, erwachte daselbst auch der Boronshof im Dergelstein‘schen zu eifrigem Leben. Nicht nur der alljährliche Frühjahrsputz war es, der hier das Gesinde umtrieb, nein man erwartete auch Gäste. Selbstverständlich verlangte Junker Helmbrecht da, dass sich das Gut von seiner besten Seite zeigte. So wurde also gewischt und gefegt, die Vorratskammer überprüft und Nachschub herangeschaffl, auf dass für die Ankömmlinge alles bereit sei. Keine große Gesellschaft war es, die da in den letzten Tagen des Phex auf dem Gutshof eintraf, und auch wenn sich Seine Wohlgeboren bemühte, seinen Gästen den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen, so war der Anlass dieses Treibens doch ein ernster.

Denn jetzt, nachdem die Wege wieder passierbar waren, war es an der Zeit, den seltsamen Geschehnissen nachzugehen, die sich bis in den Winter hinein im Altherzwald, ereignet hatten. Durch den Forst, der sich längs der Grenze der Baronien Dergelstein und Schnayttach erstreckt und von den Einheimischen auch Aldehjerte geheißen wird, sollte eigentlich eine Straße gebahnt werden, doch die Baustelle liegt noch immer verlassen da. Und wie der Leser sich vielleicht erinnert, ist daran nicht nur das Wetter schuld. Der Waffenmeister der Baronie Schnayttach, Gernot von Rothenborn, war es, der als erster auf dem Gute eintraf. Der Ritter weilte nicht das erste Mal zu Besuch bei dem Junker von Boronshof, vielmehr trafen sich die beiden Freunde ,schon des öfteren und nicht nur, um den Spuren des tobrischen Edlen nachzugehen, der seit einem Götterlauf als Raubritter ebenfalls vom Aldehjerte aus sein Unwesen treibt. Anders war dies mit dem zweiten Gast, der einen Tag später mit kleinem Gefolge auf dem Boronshof ankam. Ein seltsames Bild gaben die drei Personen ab, die da durch das Tor ritten. Dem ersten war der Krieger in jedem Zoll seiner gut zwei Schritt hohen, athletischen Erscheinung anzusehen, als er von einem gewaltigen schwarzen Tralloper Riesen stieg, um Seine Wohlgeboren zu begrüßen. Neben ihm wirkten seine Begleiter beinahe wie Zwerge - und wie etwas schmächtige dazu. Bei dem zweiten handelte es sich um einen Magier, was aber nicht auf den ersten Blick zu erkennen war, da er wie auch die beiden anderen Ordenstracht trug, weiß mit einem auf die Brust gestickten Wappen, das einen roten Löwen und ein ebensolches Einhorn zeigt, die sich gegenüberstehen. Der dritte der Ankömmlinge, der auf einem bepackten Pferd ritt, mochte gerade sein fünfzehntes Lebensjahr vollendet haben, bei ihm handelte es sich um den Knappen des ersteren. Der geneigte Leser wird nun vielleicht schon erraten haben, wer sich da auf dem Gute einfand.

Eine Delegation des Orden vom Heiligen Zom der Göttin Rondra unter Führung des Wächters Galacher ben Drou, des höchsten Vertreters des Ordens in Greifenfurt höchstselbst, Jener war gekommen, um « Informationen über die Ereignisse zu erhalten, die zum Stopp des Straßenbaus führten und mit dem Junker von Boronshof und dem Ritter von Rothenborn das weitere gemeinsame Vorgehen abzustimmen.

Es war am zweiten Tag der Zusammenkunft, die Herrschaften hatten sich gerade zur Beratung niedergelassen, als ein Bauer am Tore des Gutes Einlass begehrte. Er wünsche umgehend mit dem hohen Herren zu sprechen, er wisse etwas, das zwölf Dukaten wert sei. Mehr war aus dem Kerl nicht herauszubekommen, doch das genügte auch. Denn zwölf Goldstücke, das war die Summe, die Seine Wohlgeboren für denjenigen ausgesetzt hatte, der ihm das Versteck des tobrischen Räubers im Altherz verraten würde. Also wagte es einer der Büttel, die Beratung zu stören, um seinem Herrn die Nachricht zu überbringen. Als dieser die Botschaft hörte, ließ er den Mann sofort hereinbringen um ihn über das Versteck der Räuber zu befragen.

Der Tobrier, an seinem breiten Dialekt war er unschwer als solcher zu erkennen, erzählte, dass er die Bande unweit der südlichen Grenze des Gutes endeckte. Er sei gerade auf dem Rückweg von einem dortigen Waldbauem gewesen, als er das Pack sah. Mehr konnte er gar nicht sagen, denn schon unterbrach mein Herr ihn: "Offensichtlich haben die Schufte den Wald verlassen, um sich hier irgendwo in den Hinterhalt zu legen oder gar erneut einzelne Bauernhöfe zu überfallen. Dem gilt es zuvorzukommen! Auch wenn dies nicht der eigentliche Zweck unseres Treffens ist, so hoffe ich doch auf Eure Unterstützung Edler Herr Ben Drou, wenn wir uns jetzt auf den Weg machen. Wer weiß, vielleicht hat dieser Schurke ja die Ereignisse auf der Baustelle verschuldet, auch wenn ich das, zugegebenermaßen, für wenig wahrscheinlich halte."

Die Antwort des Rondrianers kam sofort: "Da ich Euer Gast bin, werde ich mich nicht ausschließen, zumal es die Pflicht jedes wahren Anhängers der Göttin ist, Unschuldige zu beschützen." "So lasset uns denn keine Zeit verlieren!" drängte Seine Wohlgeboren zum Aufbruch. Da weder die Gardisten Ihrer Hochgeboren Gunilde von Dergelstein, die auf dem Gute untergebracht waren, noch der tobrische Bauer über Pferde verfügten, dauerte es trotzdem einige Stunden, ehe unser Trupp die südliche Gutsgrenze und bald auch den Rand einiger Ausläufer des Altherz erreichte. Dort waren tatsächlich Spuren von sicher einem guten Dutzend Leuten zu finden, die dort gelagert hatten, danach aber unverkennbar wieder in Richtung Wald gezogen waren. "Äh...", verlegen räusperte sich der Tobrier. "Edler Herr, die Leute hier sagen, der Wald ist verflucht. Wem Ihr so freundlich wäret, mir die zwölf Dukaten,... ich meine, nun braucht Ihr mich ja nicht mehr und wenn Seine Wohlgeboren mir erlauben würde, ich würde mich gerne auf den Heimweg machen..."

"Gut, die eine Hälfte des Geldes soll er haben. Die andere bekommt er, wenn wir den Schurken gestellt haben. Sag er nur, wo ich ilm finde."

"Im Alten Dorf, dort wo wir alle wohnen. Vielen Dank, Euer Wohlgeboren, und die Götter ınögen Euch geleiten." Mit gierigem Blick nahm er die Goldstücke in Empfang, um sich dann so schnell wie irgend möglich aus dem Wald davon zu machen. "Komisch, den habe ich hier noch nie gesehen", murmelte einer der Gardisten neben mir, der vom Gut stammte.

"Kein Wunder, wer von uns kennt schon diese tobrischen Schafe", lachte sein Kamerad, wohlweislich nicht zu laut, denn auch Ritter Gernot von Rothenbom stammt ursprünglich aus tobrischen Landen. Wir waren noch nicht allzuweit in den Wald eingedrungen, als die Spur auf einmal eine scharfe Biegung machte - und plötzlich fast genau in dieselbe Richtung führte, aus der sie einstmals gekommen war.

"Bei Rondral", rief Wächter Galacher Ben Drou aus, und im selben Augenblick war auch uns anderen klar, was das zu bedeuten hatte. "Die Kerle sind zum Boronshof Ihr kommt so schnell wie möglich hinterher!" wandte sich Helmbrecht an die Unberittenen. Dann sprengte er zusammen mit dem Edlen von Rothenborn hinter dem Wächter des Ordens vom Heiligen Zorn der Göttin Rondra her, der bereits, ohne ein weiteres Wort zu sagen, gefolgt von seinen Ordensbrüdem, sein Pferd in Galopp gesetzt hatte.

Die Meilen bis zum Gut schienen immer länger zu werden, doch endlich kamen die wohlvertrauten Mauem in Sicht. Alles schien noch so, wie wir es verlassen hatten. lch war im Verlaufe der Hatz, genauso wie Adept Löwenzahn, ein Stück zurückgefallen, und als ich das Tor durchquerte, waren die anderen bereits im Gutshaus verschwunden. An die Tür desselben aber war mit einem Dolch ein Kanten Brot und ein Fetzen Pergament geheftet, auf dem folgende Worte standen: "Es tut mir leid, dass ich Euch in Eurer Abwesenheit beehren musste, allein, Ihr hättet mich sonst wohl nicht so freigiebig bewirtet. Nach dem Winter aber brauchte ich etwas Proviant. Das Brot lasse ich Euch hier, damit Ihr nicht etwa Hungers sterben müsst."

Eine Unterschrifi fehlte, doch auch so war klar, von wem das Schreiben stammte. In diesem Moment kamen Junker Helmbrecht von Boronshof, Seine Wohlgeboren von Rothenbom und Wächter Ben Drou wieder aus dem Haus, gefolgt von den andem Ordensmitgliedem sowie Knecht und Magd des Junkers, die gefesselt in ihrer Kammer gefunden worden waren. Ich habe Seine Wohlgeboren noch nie so wütend gesehen: "Sogar Jasmina hat der Kerl mitgenommen. ln den tiefsten Niederhöllen soll er schmorenl" Auf den ungläubigen Blick des Magisters - eine Frau hatte er auf Boronshof noch nicht zu Gesicht bekommen - erklärte ich ihm leise: "Seine Hellebarde, ein Andenken an die Zeit im kaiserlichen Heer."

Die Stimme des Junkers klang wie Stahl, der über Stein kratzt, als er sagte: "Das war zu viel. Diesen Streich wird er mir büßen. Ich werde dafiir sorgen, dass dieser Götterverlassene keine ruhige Minute mehr hat! " Dann wandte er sich an seine beiden Gäste: "Für eine Verfolgung ist es jetzt leider zu spät. So lasst uns zuerst die Baustelle der Staße besuchen, wie wir beschlossen haben. Wenn es Ihnen recht ist brechen wir morgen früh auf. Doch wenn ich zurück bin, beginnt die Jagd!"

Das Abendessen fiel an diesem Abend recht karg aus, denn viel war es nicht, was der Knecht im Dorf noch bekommen hatte. Die Speisekammern hatte der Räuber genauso leergeräumt, wie er alles Wertvolle mitgenommen hatte, was in den Räumen zu finden gewesen war. Mit dem Aufgang der Praiosscheibe machte sich der kleine Trupp am nächsten Morgen auf den Weg, um die Ursache für die rätselhaften Ereignisse zu finden, die den Straßenbau durch den Altherz so plötzlich unterbrochen hatten.

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Texte der Hauptreihe:
K34. Dreister Überfall auf Burg Boronshof
12. Fir 1023 BF
Dreister Überfall auf Burg Boronshof
Sage vom Liebchen-Wasser

Kapitel 34

Diebe auf Abwegen
Autor: MM