Die doppelte Werbung

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Stadt Greifenfurt, 5. ING 32 Hal - Beim feierlichen Höhenpunkt zum Abschluß des Turniers, der festlichen Tafel, hielten gleich zwei Edle, Prinz Edelbrecht von Eberstamm und der Greifenfurter Baron und Held aus dem Orkkrieg Argaen Düsterfluss von Orkenwall, um die Hand Ihrer Erlaucht Irmenella von Wertlingen, Markgräfin von Greifenfurt an.

Was war das für eine festliche Tafel, für ein krönendes Fest! Lange hat Greifenfurt nicht mehr solchen Glanz erlebt oder selbst zeigen können. Allein zu dem Turnier waren schon die edelsten Häupter angereist, um ihre Kräfte zu messen, und nun waren die Sieger und all die Adligen um die große Tafel der Markgräfin versammelt, die im Hof der Residenz bei strahlendsten Frühlingswetter aufgebaut worden war. Aus allen Fenstern hingen die Fahnen der Mark, der Stadt und auch des Hauses von Wertlingen; die Straßen auf dem Weg zur Residenz waren überspannt mit blauen und gelben Bändern, die auch von den Bäumen herab lustig flatterten. Überall hörte man Musik, Lachen, sah bunte Gaukler ihre Kunststücke vollführen, es war ein wahrhaft schöner Tag.

Das untere Ende der Tafel, die Plätze der Edlen und Ritter sowie der Gelehrten und einfachen Geweihten, war schon gut besetzt, während der hohe Adel in Grüppchen beisammen stand und parlierte. Doch schon erschallten von oben die Fanfaren: Das war das Zeichen, dass man seinen Platz aufsuchen sollte. Gleich öffnete sich das mächtige Portal der Residenz und unter dem Willkommensgruß des Herolds schritten die wackeren Streiter und Gewinner des Turniers auf das Festbankett zu und nahmen ihre Plätze ein, geordnet nach errungenem Sieg, was manch einfachen Adligen für diesen einen Tag vor Edle höheren Standes stellte, da ja die Sieger des Turniers mit Titeln glänzen konnten, die für diesen Tag zweifelsohne die höhere Bedeutung hatten. Endlich, die Pracht schimmernder Rüstungen und farbenfroher Gewänder hatte kein Ende nehmen wollen, trat die Markgräfin in den Reigen, angetan mit bauschigem Kleid von Safranfarbe und einem dunkelrotem Mieder, welches den Praiosuntergang geradezu vorwegnahm.

Eine letzte Fanfare, dann setzten sich die Edlen und unter der perlenden Musik eines kleinen Kammerorchesters ließ der Küchenmeister erlesenste Speisen auftragen, während der Kellermeister erlesenste Weine kredenzen ließ und ordentliches Märker Bräu auftischte.

Kaum hatte man sich am Naschwerk gütlich getan, welches – so vermeinten zumindest einige der geladenen Gäste zu beschwören – aus den Händen eines nebachotischen Meisterzuckerbäckers stammte, den die Markgräfin just zu diesem Behufe engagiert hatte, da sprang Ihro Liebden Prinz Edelbrecht elegant von seinem Stuhle auf und umrundete die Tafel, hatte er doch als Sieger der Buhurt direkt zur Rechten der Markgräfin gesessen. Freudenrufe seiner Begleiter, ausgesuchter Koscher Ritter brandeten auf, von einem Teil der Greifenfurter Edlen misstrauisch beäugt und, wie die leise Stimme des Barons von Dunkelsfarn denn doch wohlvernehmlich über die Tafel raunte, „von kindlichem Gebaren, welches der mangelnden Etikette diesen Volkes gut ansteht, weiß man doch um die Geschichten, die sich im Dergelsteinschen zugetragen haben“.

Dessen unbeirrt bahnte sich der Fürstensohn aus edelstem Koscher Hause seinen Weg durch die Menge um auf die andere Seite der hufeisenförmigen Tafel zu gelangen. Endlich, das missbilligende Gemurmel aus den Reihen des Greifenfurter Adels hatte bereits begonnen, die Hochrufe der Koscher zu ersticken, trat der Koscher Prinz durch die offenen Flügel der Tafel und näherte sich der Stirnseite, Zoll um Zoll ein Edelmann, umgeben von den Lichtblitzen, die Schwert und Rüstzier schlugen, ein gut gelauntes Grinsen im Gesicht und von einer Eleganz, wie sie in den Wiesen der Mark allenthalben Kindern und Jungfrauen zugesprochen wird. Doch die Augen verrieten um die hohe Absicht des Koschers und das Beugen des Knies vor der Markgräfin war mehr denn ein Spiel, ja weit mehr als etikettierte Verbeugung. Hier stand ein Mann, der um nicht weniger denn das Liebste anhielt, welches die Herrin Rahja ihm bereithielt. Lange verharrte er in Demutspose, bis ihn die sanfte Stimme der Markgräfin erlöste, ja aufrichtete. Seine Augen sprühten Funken und wer die Gräfin ansah, der konnte erkennen, dass diese Funken es waren, die sich geradewegs in ihr Herz bohrten.

Im Blick der Einen war der Blick des Anderen gefangen und im Gleichklang der Herzen schien Satinav selbst gedankenverloren das Steuer des Zeitenschiffes vergessen zu haben.

Endlich zog sich ein Hauch von Röte über das Gesicht der Markgräfin und sie sah verlegen zum Antlitz Sumus, während der edle Recke aus dem Kosch die Stimme hob und sein Anliegen der ihm geneigten Frau ausbreitete.

Während der Prinz noch auf Antwort harrte, strebte das Gemurmel von Seiten der Fraktion unter den Greifenfurtern einem Höhepunkt entgegen. Als der Baron von Finsterrode seinem Freund, Argaen Düsterfluß von Orkenwall ermunternd auf den Rücken klopfte, unterstützt von den Baronen von Nebelstein und Finsterkamm, empörte sich die Baronin von Dergelstein mit überschlagener Stimme, was von Seiten des Koscher Lagers bei nicht nur einem Ritter für ein plötzliches Grinsen sorgte. Während der Baron von Quastenbroich erregt mit dem Baron von Greifenhorst, dem Edlen von Schmalfurt und dem Edlen von Pechackern disputierte, was denn diesen Eklat ausgelöst haben mochte, erhob sich schließlich der Orkenwaller Baron, Sieger vieler Schlachten und unumstrittener Held Greifenfurts. Langsam umrundete nun auch er die Tafel und kniete sich, von den Schmerzen zahlreicher Verletzungen kaum berührt, neben den weit jüngeren Rivalen aus edlem Hause.

An der Tafel war es mittlerweile boronstill geworden. Die Kanzlerin der Mark, die ihrer Herrin zugeeilt war, bewegte tonlos die Lippen und schien der Markgräfin Beistand zuzuraunen, dieweil die Markgräfin selber das Geschehen mit statuenhaftem Gesicht verfolgte, als sei ein Albdruck wahrgeworden.

„Herrin.“ Die Stimme des Orkenwallers war klar wie ein Gebirgsbach, wenngleich von einem rauen Unterton begleitet. „Es liegt mir fern, das Anliegen Ihrer Liebden Edelbrecht von Eberstamm in Frage zu stellen, noch deuchte es mir, eben diesem in Stellung oder Titel gleichzukommen. Gleichwohl bitte ich Euch, mein Gesuch ernsthaft zu überdenken und zu prüfen.

Gleich Euch war auch ich bereits einmal verheiratet und meiner Gattin ein liebender und treu sorgender Ehemann, mein Sohn sei hier ein beredtes Zeugnis.“ Der Blick des Mannes schweifte über die Köpfe der Anwesenden hinweg auf einen jungen Mann von vielleicht gerade einmal sechzehn Götterläufen, welcher in Knappengewändern in den Farben der Kanzlerin hinter deren Stuhl gestanden und diese bedient hatte. Gleichwohl der Blick des Vaters gütig und von Liebe durchdrungen, zeichnete das Gesicht des Sohnes fast so etwas wie Entsetzen. Kurz besann sich der Kämpe, dann wendete er sich wieder seiner Lehnsherrin zu und fuhr fort: „Nun, da Ihr gedenkt, Eure Hand wieder zum Traviabund zu reichen, möchte ich nicht hinter dem Prinz aus dem Kosch zurückstehen und Euch meine, wenngleich schwielige und von höfischem Leben nicht verwöhnte, so doch greifenfurtsche Hand anzuempfehlen, auf das ihr Euch nicht allzu weit umsehen müsst“, der Blick des Alten fiel auf den im Hintergrunde stehenden Marschall der Mark „und dem heimatlichen Boden verbunden bleibt. Mag sein, dass ich weder mit Titel, noch mit Reichtum oder Jugend aufwarten kann, doch ich stehe für die Tugenden der Mark: Aufrichtigkeit, Treue, Stetigkeit und nicht zuletzt Mut und Demut.“

Der Tumult, der sich den Worten des hageren Mannes anschloss, ließ die Fensterscheiben der markgräflichen Residenz erzittern. Über den tobenden Stimmen der Edlen beider Regionen hielt sich nur das Drohen der Dergelsteinerin und der Bass eines Koscher Ritters, welche wohl beide noch die ein oder andere Rechnung offen hatten. Einzig der Dunkelsfarner saß unbeweglich an seinem Platz, den Kopf in die Hände gestützt und die Schultern merklich bebend.

Die Markgräfin indes sah sich von ihren engsten Ratgebern umgeben. Sowohl die Kanzlerin als auch Praiomon von Dergelstein, der Geweihte des Praois, überschütteten sie mit Vorschlägen, was zu tun sei. doch die junge Frau schüttelte beständig den Kopf und gab dann einem Bediensteten ein Zeichen, Signal zu geben, bevor sich die Stimmung in Handgreiflichkeiten manifestieren könne. Lange brauchte es, bis wieder Ruhe eingekehrt war. Inmitten der Gewitterwolke streitender Adliger aber knieten die beiden Sendboten der Rahja mit unbewegtem Gesicht und frohem Mute.

Die Stimme der Markgräfin zitterte, während sie sich bemühte, die dunkle Wolke der Anfeindungen, welche auf der Tafel schwebte, zu durchdringen: „Edle Herren, geehrte Gäste. Es erfreut mein Herz, dass das Wohl der Mark und die Sorge um meine Vermählung – und nicht zuletzt die Liebe – zwei so ehrwürdige Persönlichkeiten hier an dieser Tafel und vor den Lehnsleuten der Mark versammelt. Gleichwohl kann und werde ich nicht hier und jetzt, an einem Tage, der der Feier der Zwölfe und nicht meiner Person dienen soll, Rede und Antwort stehen.“ Eine erhobene Hand wischte das aufbrandende Gemurmel aus den Reihen der Anhänger Edelbrechts weg. „Andererseits weiß ich, dass Ihr, Prinz Edelbrecht, nun schon lange und geduldig auf einen Augenblick wartet, Euren Antrag vor meine Person zu bringen, durfte ich doch bereits vor einer geraumen Zeit Eure Falkenritter bei mir begrüßen. So will ich auch die Wartezeit auf eine Antwort so gering als möglich halten.

Dies sei hiermit kund und zu wissen getan: Ich, Irmenella von Wertlingen akzeptiere die Angebote, welche mir von Seiten des Koscher Prinzen Edelbrecht von Eberstamm und des Greifenfurter Edlen Argaen Düsterfluß von Orkenwall zugetragen wurden und werde sie auch und gerade in Hinblick auf das Wohl der Mark und ihrer Bewohner prüfen. In zwölf mal zwölf Stunden soll hierob die Antwort erfolgen, auf dass die Mark noch lange bestehe und auch Eure Kinder und Kindeskinder im Frieden einer guten Herrschaft leben können. Doch bis dahin lasst uns die Feier fortsetzen; nicht meine Person, sondern die Sieger des Zwölfgöttergefälligen Turniers sollen von nun an die Aufmerksamkeit aller genießen. Ein Hoch auf die Sieger von Greifenfurt!“

Und wie sie erhoben auch alle Anwesenden den Becher und prosteten einander zu.

Zwei Anmerkungen seien noch erlaubt. Zum einen soll es noch am Abend der Feier zu einer Entzweiung zwischen dem Baron von Orkenwall und seinem Sohn, Rondradan von Orkenwall gekommen sein. Der Junge, der zur Zeit als Knappe der Meisterin der Mark seinen Dienst tut, warf dem Baron in einem unbestätigt gebliebenen Gespräch vor, das Andenken der Mutter und der Herrin Travia zu beschmutzen, wenn er sich aus machtpolitischen Gründen um die Hand der Markgräfin bemühe. Vom Vater daraufhin geohrfeigt, soll sich der Sohn von seinem Vater losgesagt haben.

Zum anderen ließ die Markgräfin am sechsten Tage nach der Feier bekannt geben, dass die Markgräfin Irmenella von Wertlingen in einen Traviabund mit Edelbrecht von Eberstamm eingewilligt habe und man die Traviafeierlichkeiten am Abend des zweiten Traviamondes im Rahmen des Erntedankfestes abhalten werde. Wer die Zeremonie gestaltet, konnte zum Redaktionsschluss nicht festgestellt werden.