Der Koscher Prinz in Pilzhain

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Greifenfurt

Nur wenige Praiosläufe waren im Mond des himmlischen Raben, dem Herren Boron untertan, angebrochen und des Herrn Praios gleißende Sonnenscheibe wanderte schon recht tief am weiten Himmelszelt. Dennoch warf sie den einen oder anderen wärmenden Sonnenstrahl über das Land, fast schon als letzter Gruß vor dem rasch dräuenden Winter.

Unter den fleißigen Landleuten der Mark aber kennzeichnet jener Mond den Beginn einer Jahreszeit von allerlei Reparaturen innerhalb des Hofes und der Fertigung handwerklicher Produkte wie dem Weben von Woll- oder Leinenstoffen, Lederwerk und ähnlichem. Ein mancher Bauersmann, ob frei oder leibeigen, bringt darob Pflug und Egge in Ordnung oder repariert die Holzschäfte seiner Werkzeuge.

Dieser Götterlauf war jedoch etwas anders als die letzten Götterläufe, denn es schlängelte sich eine ritterliche Brautfahrt aus dem nahen Fürstentume Kosch durch die Ländereien der Mark und niemand anderes als der zweite Prinz der Koscher Lande schickte sich an um die Hand unserer geliebten Markgräfin zu werben.

Zuweilen fand seine Liebden und sein Gefolge traviagefällige Gastung auf den Burgen eines Adligen, doch allzu oft geschah dies nicht aus Freude, sondern aus Respekt vor dem Gebot der heiligen Gänsemutter. Etwas betrübt zog der Prinz darob durch die Mark, aber es mochte dennoch das ein oder andere freundliche Kaminfeuer auf ihn warten.

Dem Brautzug voraus ritten einige der Falkenritter und treuen Koscher Ritter des Prinzen auf der Suche nach einer geeigneten Raststatt für die kommenden Wintermonde. Hehre Namen waren da im Gefolge des Brautwerbers Edelbrecht vom Eberstamm zu finden, allen voran Graf Jallik von und zu Wengenholm, Herr über die gleichnamige Grafschaft, Hernobert von Falkenhag, des Fürstentums hoher Herold, Kordan von Blaublüten-Sighelms Halm, der Baron von Geistmark, und Angbart von Eberstamm-Auersbrück. Aber auch einige jüngere Ritter wie Junker Globerich von Bockzwingel, der Hausritter des Wengenholmer Grafen, Lucrann von Auersbrück oder Fräulein Feronessa von Nadoret ä.H. ritten mit gen Greifenfurt.

Trotz alledem zogen sich dunkle, düstere Wolken über der Brautwerbung zusammen, denn es mochte keinem der ausgeschickten Ritter gelingen eine feste Unterkunft für den Prinzen zu finden. Nicht allein genug, dass man zu Greifenfurt erfuhr, die Markgräfin weile derzeit nicht in ihrer Residenz sondern auf dem Konvente des garetischen Adels zu Puleth. Dort werde weiland die Kapelle für die Herrin Rondra im Siegestempel geweiht und es gelte dorten sowohl den Göttern als auch Königin Rohaja von Gareth Respekt und Ehrfurcht zu zollen.

Der Dreistigkeit zuviel war jedoch, dass der Haushofmeister ihrer Erlaucht, Bardo von Schroffenstein, den versammelten Brautfahrern entgegnete, nur die Markgräfin allein könne über Gastung entscheiden. Man solle sich doch bitte nach Puleth begeben und ihre Erlaucht um eben jenes Anliegen bitte. So mancher aufrechte Koscher wetterte ob der Ungastlichkeit, welche es im traditionsreichen Kosch so zu keiner Zeit gegeben habe, nicht einmal zu den finsteren Zeiten der Magierkriege.

Recht hoffnungslos schien da die Lage für den Prinzen, doch selbst in Zeiten größter Not gibt es irgendwo ein kleines, aber helles Licht am Himmel. Dieses Licht erschien in diesen Praiosläufen in Gestalt einer kleinen Schar von Edelleuten aus der Mark, allen voran Reto von Schattenstein, Heermeister der Mark, Baron Ottwin von Greifenhorst-Schwarzberg und der junge Ritter Gernot von Rothenborn. Sie waren es auch, die den Prinzen davon unterrichtet hatten, dass die Markgräfin zu Puleth weile.

Trotzdem ließ es sich seine Liebden nicht nehmen höchstselbsten in der Stadt Greifenfurt mit dem gebührlichen Respekt noch einmal nachzufragen. Doch Meister Bardos Herz blieb so hart wie der Stein des Finsterkammes.

So kam dem Ritter von Rothenborn die Rolle des Retters zu, denn er schlug dem Prinzen vor, auf seinem Besitz, Burg und Gut Pilzhain, den dräuenden Winter zu verbringen, so wie Frau Travia es gebietet. Der gebürtige Tobrier mochte wohl Gefallen an dem ritterlichen Wesen des Prinzen Edelbrecht gefunden haben, so munkelte zumindest das gemeine Volk.

Unterstützung boten sogleich auch der Baron von Greifenhorst sowie der Heermeister an, auf dass der Prinz seiner Herkunft entsprechend Gastung finden solle. Schließlich hatte man einen Ruf zu verlieren und niemand sollte je behaupten können, dass die Greifenfurter ein ungastliches Volk seien. Zudem konnten die drei Herren den Prinzen recht gut leiden und das allein mochte ihnen reichen. Gewiss war Burg Pilzhain noch durch allerlei Holzgerüste an der Ostmauer, in der noch immer tiefe Risse zu finden waren, auf ungemütliche Weise entstellt, dennoch wurde dieser Umstand durch die warmherzige Aufnahme des Burgherren und seines Gesindes gemildert.

Wenige Praiosläufe nach der Ankunft der Brautfahrer in Pilzhain kamen zwei Stoerrebrandter mit allerlei Nahrungsmitteln aus der Baronie Greifenhorst, die Baron Otwin von Greifenhorst-Schwarzberg in traviagefälliger Manier geschickt hatte.

Auch aus Weihenhorst, vom Gute des Heermeisters, trafen Hilfsgüter auf einem großen Wagen ein, auf dass es den Koschern an nichts mangeln sollte. Und selbst Baronin Thalia von Pilzhain zu Schnayttach ließ es sich nicht nehmen höchstselbst auf Pilzhain zu erscheinen und einige der Köstlichkeiten aus Schnayttach dem Prinzen zu überreichen.

Schnell war auch Firuns grimmer Odem über die Mark Greifenfurt gefahren und Ifirns sanfte Sternchen aus Eis rieselten auf die rotgolden gefärbten Wälder und graugrünen Wiesen. Weiß legte sich wie eine frostige Haube über Sumus Leib und knisternd prasselten die Feuer in den Kaminen Greifenfurts. An des Herren Ingerimms Element wärmten sich Adel wie Gemeine, so mochte kaum jemand auch nur einen Gedanken verschwenden an Zwist und Streit.

Doch nicht alle konnten sich so fröhlich an den reichlichen Gaben der Herrinnen Peraine und Travia erfreuen wie die Koscher und ihr Prinz auf der Burg Pilzhain. So bleibt nur zu hoffen, dass Frau Rahja die Herzen der beiden Fürstenkinder leiten möge ob ihrer schwerwiegenden Entscheidung.

Doch untätig blieb seine Liebden indes nicht, denn eine Wolfsplage hielt die Mark in ihren geifernden Fängen und die Koscher Ritter nahmen sich mit ihrem Prinzen an der Spitze dem an. Gewiss taten Schnee und Frost das Ihrige, um die Aufgabe mit allerlei Plage und Not zu überziehen, doch murren wollte keiner unter den Koschern, war man doch hier in ritterlicher Brautfahrt und mochte sich von der besten Seite zeigen. So wie es gut Koscher Sitte ist.

Mit wohlwollendem Dank mochten einige dem Prinzen Edelbrecht nun gegenüberstehen ob der selbstlosen Hilfe, die man dem Landvolk und Adel von Seiten der Koscher angedeihen ließ.