Der Elfenpfad

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Der Elfenpfad - Eine neue Handelsstraße durch den Reichsforst. Ein Dialog mit dem waldsteiner Wegevogt Edorian von Feenwasser

Grafenruh: Der Ratsschluss des Großen Kabinetts zu Auenwacht beschloss im Ingerimm 1035 BF mit großer Mehrheit den Ausbau des Elfenpfades. Der Antrag wurde bei der Eröffnung des Kabinetts von der waldsteiner Gräfin Allechandriel Quellentanz höchst selbst vorgetragen, dessen genauen Wortlaut ich dem geneigtem Leser nicht vorenthalten möchte: »Die Waldsteiner Stände fordern einen Handelsweg durch den Reichsforst, den sie Elfenpfad nennen, und wollen, dass die Krone die Kosten trägt, die Einnahmen in den Lehen belässt und die Verhandlungen mit den Elfenvölkern führt.« Dem Antrag gingen Konsultationen mit Adligen aus der Markgrafschaft Greifenfurt voraus, die auch den Anstoß zu diesem Unterfangen gaben, die der neu bestellte Waldsteiner Wegevogt Edorian von Feenwasser geschickt zu nutzen wusste. Die gemeinsame Aktion kann wohl als ein großer diplomatischer Erfolg der Landstände der Grafschaft Waldstein und der Mark Greifenfurt gewertet werden, denn auch wenn die Front der unerwartet gemeinsam streitenden Waldsteiner und Greifenfurter stark war, gab es doch innerhalb des Landadels der beiden Grafschaften erbitterte Gegner gegen dieses Vorhaben. Nicht zuletzt die Waldsteiner Gräfin äußerte sich wie gewohnt kryptisch zu dem Antrag und warnte davor, dass ein Frevel an dem Wald nicht ungesühnt bleiben werde. Doch ließ sich der Adel nicht beirren, und so ist es vor allem dem diplomatischen Geschick von Kronvogt Leomar von Zweifelfels zu Neerbusch zu verdanken, dass sich der anwesende groß-garetische Adel (Anm.d.Red.: damit ist der versammelte Adel der drei Provinzen Garetien, Greifenfurt und Perricum gemeint) mit überwältigender Mehrheit für den Ausbau des Elfenpfades aussprach.

Zu gegebenen Anlass ist es mir gelungen, beim gräflichen Wegevogt Edorian von Feenwasser eine Audienz zu bekommen und ihn nach dem einen oder anderen Sachverhalt zu befragen.

Bardon Sandwyk (BS): »Wohlgeboren, ich bin von großer Dankbarkeit erfüllt und sehr erfreut, dass Ihr die Zeit aufbringen könnt, mich zu empfangen. Meine besten Glückwünsche zu Eurer neuerlichen Berufung zum gräflichen Wegevogt von Waldstein. Eure Berufung an den Waldsteiner Grafenhof kam zwar überraschend, aber dennoch zur rechten Zeit, ist es doch um die Waldsteiner Wege nicht gut bestellt. Wie schlecht ist die Situation wirklich?« 

Edorian von Feenwasser (EvF): »Habt Dank, Meister Sandwyk. In den letzten Monden habe ich mir ein Bild von der Qualität unser Wege machen können, und ich musste leider feststellen, dass die Situation sehr viel schlechter ist als ich anfangs gedacht habe, besonders im Herzen unserer Grafschaft, also dort, wo der Reichsforst am dichtesten ist. So ist die Klappechser Ebene in meiner Heimat Neerbusch nur noch aus dem Märkischen zu erreichen und auch der Grafenstieg von Silz nach Ulmenhain ist nahezu nicht mehr passierbar, nur um ein paar Beispiele zu nennen. So musste ich bei der Instandhaltung Prioritäten setzten, da mir die leeren gräflichen Kassen nur wenig Spielraum gaben. Auch galt es, das komplizierte Geflecht von Zuständigkeiten im waldsteiner Wegerecht zu beachten. So gibt es Wege, sogenannte Landstraßen, für deren Instandhaltung ich durch mein Hofamt persönlich zuständig bin und dort selbstverständlich auch im Namen der Gräfin Wegegeld erheben kann. Bei anderen Wegen liegt das Wegerecht bei Baronen oder Junkern oder gar bei der garetischen Krone. Alles andere also als ein einfaches Unterfangen. Daher bitte ich mir ein wenig Geduld. Gareth wurde auch nicht an einem Tag erbaut.« 

BS:» Eine Eurer Prioritätensetzungen scheint der Ausbau des Elfenpfades gewesen zu sein und zwar nicht mit den klammen gräflichen Mitteln, sondern mit Hilfe der Krone. Mit Verbündeten aus der Mark habt Ihr den Ausbau des Elfenpfades auf die Agenda des Großen Kabinetts zu Auenwacht setzen können. Und nicht nur das, der Antrag wurde furios von der großen Mehrheit des Adels angenommen.« 

EvF: »Ja, ein wahrlich großes Unterfangen was uns Waldsteinern Hand in Hand mit unseren Greifenfurter Nachbarn in Auenwacht gelungen ist. Mein Dank gilt aber vor allem der Ochsenbluter Burggräfin Alara vom Eberstamm, die sich als große Förderin unseres Antrages verdient gemacht hat. Der Elfenpfad ist für Waldstein von essentieller Bedeutung.« 

BS: »Wie man hört, gab es im Vorfeld des Großen Kabinetts Streitigkeiten auf Märker Seite über den Verlauf des neuen Elfenpfades. Was haben diese für Auswirkungen auf uns in Waldstein? Und stimmt es, dass Ihr persönlich einen Groll gegen unsere nördlichen Nachbarn hegt?« 

EvF: »Meine persönliche Meinung zu den Märkern steht hier nicht zur Debatte und ist für diesen Sachverhalt völlig unwichtig *hüstel*. Richtig ist, dass es anfangs Irritationen über den Verlauf des neuen Elfenpfades gab, doch halte ich diese für ausgeräumt. Letztendlich ist es aus Waldsteiner Sicht nicht weiter von Bedeutung wo genau die Straße von Osenbrück aus gen Norden verläuft, so lange die Route nicht zu verschlungen ist, so dass sie sich für Händler nicht mehr lohnt. Sollten sich bei der Umsetzung des Bauvorhabens immer noch Unklarheiten ergeben, so wäre dies dann ein Fall für die Rechtsgelehrten.« 

BS: »Hegt Ihr nicht die Befürchtung, der neue Elfenpfad könnte die Handelsroute an der Breite, die auch durch Eurer Lehen führt, schwächen?« 

EvF: »Mitnichten, die Handelsroute an der Breite wird auch weiterhin von Händlern von Angbar oder Ferdok her kommend genutzt werden. Mir geht es um die Handelsströme aus der Kaiserstadt Gareth gen Norden, die bis dato vollkommen an Waldstein vorbei laufen. Der Ausbau des Elfenpfades ist für Waldstein also ein großer Gewinn.« 

BS: »In der gräflichen Administration zu Hirschfurt sieht man dies augenscheinlich etwas kritischer, ist doch Seneschall Coswin von Streitzig seit Tagen stets schlecht gelaunt anzutreffen. Es ist ein offenes Geheimnis, dass der Seneschall mehr als erbost über Euer eigenmächtiges Handeln ist, da Ihr hinter seinem Rücken die Verhandlungen mit den Greifenfurtern geführt und zum Abschluss gebracht habt. Auch wird gemunkelt, der Seneschall hätte gar gegen einen Ausbau des Elfenpfades zu intervenieren versucht, da dieser an dem Stammlehen des jüngeren Hauses Streitzig vorbei führt. Aus dem Umfeld des Seneschalls hieß es, dass Ihr Euch wohl besser um die Instandhaltung des von Euch bereits erwähnten Grafenstiegs hättet kümmern sollen, der über Uslenried und Silz nach Ulmenhain führt.« 

EvF: »Ich sehe es als meine primäre Aufgabe an meiner Gräfin zu dienen, ist sie doch nicht nur die Herrscherin über uns Menschen, sondern auch Hüterin des Waldes, und nur sie vermag das Wesen des Reichsforstes zu verstehen. Die Ereignisse um die Befreiung des Njertals haben gezeigt wie ernst wir die Belange des Waldes nehmen müssen. Dies haben einige in der gräflichen Administration offensichtlich noch nicht verstanden. In der Tat, der Grafenstieg ist größtenteils zugewuchert und wenn überhaupt ist der Pfad nur wenige Monde im Jahr passierbar. Allerdings wäre ein massiver Ausbau des Grafenstiegs, der sich mitten durch das Herz des Reichsforstes windet, ein nahezu unmögliches Unterfangen und würde den Wald zutiefst verärgern. Die Konsequenzen wären unabsehbar für uns Menschen. Den Verlauf des Elfenpfades hingegen betrachte ich als unproblematisch, da er bis Tannwirk durch lichtes Auenland führt. Diesen Umstand wird auch die Gräfin erkannt haben, wie sonst ist zu erklären, dass sie sich bei der Eröffnung des Großen Kabinetts für den Ausbau des Elfenpfades durch die Krone stark gemacht und den Grafenstieg mit keinem Wort erwähnt hat?

Und noch auf einen weiteren wichtigen Punkt möchte ich eingehen, der bisher noch wenig Beachtung gefunden hat. Der Antrag unserer Gräfin sieht ebenfalls Verhandlungen mit den Elfenvölkern vor. Wenn wir den Ausbau des Elfenpfades durch den Reichsforst erfolgreich bestreiten wollen, ist dies nur im Bündnis mit den Elfen und den anderen Mächten des Waldes möglich.« 

BS: »Ähm, ja. Kommen wir auf die Sicherheitsfrage zu sprechen. Gerade der Osten unserer Grafschaft wird noch immer von vereinzelten Raubritterbanden heimgesucht, die die Sicherheit der Handelswege bedrohen. Es ist zu vernehmen, dass in diesem Zusammenhang die Leihenbutter Junkerinnen Raulmine von Wegfeld und Praiadne von Sommerberg dem Sturmflug-Orden beigetreten sind. Vom Erbvogt der alten Festungsstadt Osenbrück ist ähnliches zu hören. Könnt Ihr das Gerücht bestätigen, wonach sich der Sturmflug-Orden verpflichtet hat, für den Schutz des Elfenpfades zu sor-gen?« 

EvF: »Es wäre sehr wünschenswert, wenn der Elfenpfad durch den Sturmflug-Orden geschützt werden würde, zumindest von Ochsenblut bis Osenbrück. Denn dies wäre durchaus mit den geltenden Statuten des Ordens vereinbar, die den Orden verpflichten, für den Schutz der garetischen Wege einzutreten. Mehr möchte ich dazu nicht sagen, ich bin aber sehr zuversichtlich, den Sturmflug-Orden für diese ehrenvolle Aufgabe zu gewinnen.« 

BS: »Das bereits angedeutete Kompetenzgerangel in der gräflichen Administration könnte weitaus größere Kreise ziehen als es den Augenschein hat, zieht man in Betracht wer von dem Ausbau des Elfenpfades profitieren würde. Kann man von einem Wiederaufflackern des alten Konfliktes zwischen dem Hause Streitzig und der Familie Zweifelfels sprechen? Schließlich profitieren letztgenannte vom Elfenpfad, während es erstgenannten sogar schadet.« 

EvF: »In der Tat ist es vornehmlich die Familie Zweifelfels mit ihrem Besitzungen in Osenbrück und Tannwirk die hinter dem Ausbau des Elfenpfades steht und dieses Unterfangen auch nach Kräften gefördert hat. Der Vogt von Tannwirk, Alrik Herdan von Prailind, hatte sich auf dem Großen Kabinett ebenfalls sehr für den Elfenpfad eingesetzt. Neben den Ländereien seiner Familie wäre auch die geschundene Baronie Leihenbutt ein Nutznießer. Im Zeichen der Haffax´schen Bedrohung ist es zu diesem Zeitpunkt eher unwahrscheinlich, dass es wieder zu einem offen ausgetragenen Konflikt zwischen den Streitzigs und den Zweifelfelsern kommen wird. Sollte dieses einende Band dereinst zerschnitten sein, dann sieht die Sachlage natürlich anders aus.« 

BS: »Ist es aber nicht so, dass das vehemente Einstehen weiter Teile der Waldsteiner Landstände für den Elfenpfad nicht letztendlich Wulf von Streitzig um den Posten des groß-garetischen Marschalls gebracht hat?« 

EvF: »Schon möglich, aber auch hier muss man Prioritäten setzen und mir persönlich ist ein ausgebauter Handelsweg, der gutes Gold in unsere Grafschaft trägt, viel wichtiger als irgendwelche Eitelkeiten einzelner Personen.« 

BS: »Wohlgeboren, ich danke für dieses Gespräch.« 

EvF: »Ich habe zu danken, Meister Sandwyk. Ich schlage vor, dass wir uns nun ins Badehaus zur Erfrischung zurückziehen.« 

Das Gespräch führte Bardon Sandwyk für den Herold (BG)