Das Band ist zerrissen – die Fehde ist erklärt!

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Das Band ist zerrissen – die Fehde ist erklärt!

Hartsteen. Es hatte sich bereits seit langem abgezeichnet. Die Stimmung zwischen den beiden Häusern Hartsteen und Quintian-Quandt war in den letzten Monden zusehends schlechter geworden, nun ist der Zwist endgültig aufgebrochen. Vor den Toren der belagerten Burg Natterndorn erklärte Luidor von Hartsteen am 10. Peraine diesen Götterlaufes dem kürzlich inthronisierten Grafen Geismar II. von Quintian-Quandt vor aller Augen offiziell die Fehde.

Entbrannt war der Streit der Häuser an der Frage, wem der alte Grafensitz Burg Natterndorn gehöre. Die Burg habe seit Menschen Gedenken dem Familienoberhaupt der Hartsteen gehört, sei von einem Hartsteen erbaut worden und gehöre den Hartsteens. Andererseits thronten hier die mächtigen Grafen von Hartsteen, von hier aus ging ihre gräfliche Macht aus und deshalb gehörte sie dem Grafen von Hartsteen. Eine Frage, die zu anderen Zeiten das Reichsgericht unter der Reichsrichterin Efferdane von Ehrenstein zu Eslamsgrund zu beantworten wäre, doch in diesen Tagen sieht das Reich schwach aus und nicht fähig den Streit unter seinen Adligen zu schlichten.

So war Luidor von Hartsteen, das zukünftige Familienoberhaupt der Hartsteens, durch die Freie Reichsstadt Hartsteen auf Natterndorn eingezogen, als die alte Gräfin Thuronia von Quintian-Quandt die Burg für die Finanzierung ihres Tempels der Stadt als Sicherheit für einen Kredit überließ. Als nach ihrem ungeklärten Verschwinden der neue Graf Geismar nach wenigen Wochen die notwendige Summe aus der Grafschaft gepresst hatte und dem Magistrat überreichte, verschanzte sich der Hartsteener mit just dieser Begründung auf der alten Feste über der Natter. Als er sich nach einem Ultimatum nicht entfernte, belagerte der Graf Geismar die Burg und versuchte den Besetzer der Burg auszuhungern.

Während sich der Adel auf der den drei Göttinnen geheiligten Tempelbezirk Rashia’Hal im Nebachotischen vergnügte, und auf seiner Durchreise jeder der dortigen Adligen die Belagerung bemerkte, aber nicht ein einziger Adliger die Streitenden zur Schlichtung mahnte, harrte der Hartsteener tapfer auf seinem verlorenem Posten aus. In welcher Verfassung ist das Reich, wenn nicht ein Adliger das offensichtliche Unrecht offen anzuprangern wagt!

Einzig die ehrwürdige Tante des Belagerten, Alwene von Gareth-Hartsteen, die alte und verehrungswürdige Staatsrätin Garetiens, folgte einem Hilferuf und reiste zu Verhandlungen nach Hartsteen. Schon hoch in Jahren, weit über 90 Götterläufe bereits, ist die ehemalige Staatsrätin Garetiens und Baronin von Hartsteen noch immer eine bekannte und geschätzte Person unter den Adligen des gesamten Reiches. Unvergessen ist ihre starke Führung der Garetier unter dem Joch des Rabenkaisers Answin, als sie pragmatisch und sich aus der hohen Politik heraushaltend die garetischen Truppen gegen die dräuenden Orken sandte. Und unvergessen ist ihr Verdienst im Jahre 24 Hal an der Schließung des schmerzenden Schismas der Praioskirche, als sie als Gesandte des Jariel Praiotin XII. Heliodan in Elenvina den Lumerian Hilberian Grimm von Greifenstein, dem heutigen Boten des Lichts.

In der Stadt Hartsteen traf nun die Baronin von Hartsteen mit dem Grafen von Hartsteen zusammen. Voller Respekt und ehrfürchtig soll der junge Geismar die rüstige alte Dame empfangen haben. Voller Ernst und Sorge war das Gespräch der beiden Adligen, welches bis tief in die Nacht dauern sollte. Während einer der vielen Pausen der Verhandlung, die der bejahrten Staatsrätin notwendig waren, hatte sie sich noch sehr positiv über einen möglichen Kompromiss mit Geismar geäußert, bei dem beide Parteien das Gesicht wahren würden. Doch worin dieser Kompromiss bestand, teilte sie nicht mit. Am nächsten Tag wollte man schließlich in einem symbolischen Vertrag den Erfolg ihrer Mission besiegeln, als ein Bote dem Grafen eine wichtige Mitteilung machte. Mit einem füchsischem Lächeln verließ er die gealterte Staatsrätin und wünschte ihr eine geruhsame Nacht.

Der nächste Morgen war grau und regnerisch, und schnell verbreitete sich die furchtbare und traurige Nachricht in Hartsteen. Die alte Staatsrätin hatte die Nacht nicht überlebt und war auf ihrer Kammer verstorben. Der letzte, der die Hartsteenerin noch gesehen hatte, war ein Bote des Grafen mit einer kurzen Mitteilung gewesen. Welche Nachricht der Graf Alwene von Gareth-Hartsteen überbringen ließ, darüber ist uns nichts bekannt. Es scheint aber sicher, dass die verdiente Dame kurze Zeit danach verschied.

Daraufhin überstürzten sich die Nachrichten. Die Familie Hartsteen bezichtigte den Grafen Geismar des feigen Mordes an der ehemaligen Staatsrätin, dieser jedoch stritt alles ab und sagte wörtlich: „Die alte Frau ist selig in die ewige Nacht entschlummert“. Gleichzeitig tauchten Söldner unter dem Banner des Barons von Höllenwall auf, und schlossen sich den gräflichen Truppen an, welche die alte Burg Natterndorn belagerten. Ebenso sah man einige Ritter des Ordens des heiligen Golgari in den Reihen der Soldaten, welche den Sturm auf den alten Grafensitz mit neuer Wucht und Heftigkeit entfesselten. Noch konnten die Belagerten den wütenden Angriffen standhalten.

Schließlich, zur PRAiosstunde, trat ein Gesandter Luidors von Hartsteen vor die Belagerer mit folgender Botschaft. Man sei bereit zu Verhandlungen über eine bedingungslose Kapitulation, wenn der Graf Hartsteens persönlich zu Verhandlungen auftauchen würde. Entgegen eindringlicher Beratungen ließ Geismar die Offensive unterbrechen und trat bedeckt von vier gräflichen Rittern vor die Tore der alten Feste Natterndorns. Der PRAiosschild stand bereits tief und tauchte die fernen Kämme des Raschtulswalls in tiefes Rot. Graf Geismar stand mehrere Augenblicke gespannt wartend vor der Burg, als sich die Tore öffneten und ein sichtlich angeschlagener Luidor von Hartsteen mit einer weißen Fahne in der Hand vor den Grafen trat. Beide Kontrahenten standen wenige Meter auseinander und die Stille zwischen ihnen war beinahe vollkommen. Es war der Hartsteener der als erster das Wort ergriff. Sein Gesicht und sein Körper spannten sich, mit einem heftigen Ruck zerriss er den Fetzen Stoff in seiner Hand und sprach die alten Worte der Fehde: „Das Band ist zerrissen – die Fehde ist erklärt!“. Danach drehte er sich um und schritt stolz zurück in die Burg, welche erneut die Tore zur Belagerung schloss.

Der folgende Ansturm war heftiger als je zuvor. Er dauerte bis tief in die Nacht und es zeichnete sich deutlich ab, wer diesen Kampf gewinnen würde. Schon begannen die alten Steineichentore zu bersten und zu splittern, Pech und Öl waren den Verteidigern bereits ausgegangen. In der Burg rüsteten die Überlebenden sich zum letzten Kampf, als ein Angriff aus dem Hinterland in die Reihen der Gräflichen beide Seiten überraschten. Die Ritter trugen die alten Farben des Hauses Wetterfels und allen voran stürmte der alte Ogerfresser, der Pfalzgraf Bernhelm von Wetterfels, gegen die verunsicherten Soldaten des Grafen. Die Bresche, die der Angriff aufriss, nutzte der Hartsteener sofort und prompt. Bereits hatte er den Befehl gegeben die alte Feste in Feuer zu legen und aus den Flammen heraus eilte er mit seinen Leuten dem Fluss entgegen, auf dessen anderer Seite bereits die Grafschaft des Zwergengrafen Ingramm, Sohn des Ilkor, von Schlund begann, und mehr noch, die alte Baronie Hartsteen, dessen Baronin vor wenigen Stunden den Weg über das Nirgendmeer angetreten hatte. Nahezu vollständig gelang es dem Hartsteener seine Leute über den Fluss zu bringen.

Die Kämpfe hörten fast gleichzeitig auf, die Ritter des Pfalzgrafen zogen sich rasch mit geringen Verlusten zurück und ritten zurück in ihr Lehen. Mit geballter Faust und rot vor Zorn sah man den Grafen Geismar an der Natter stehen und dem Hartsteener drohen. Die alte Feste Natterdorn schließlich brannte lichterloh noch weitere fünf Tage und Nächte und es blieb nichts übrig als die Grundfeste der Burg.

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Texte der Hauptreihe:
K70. Das Band ist zerrissen – die Fehde ist erklärt!
10. Per 1027 BF
Das Band ist zerrissen – die Fehde ist erklärt!
Das Band ist zerrissen – die Fehde ist erklärt!

Kapitel 71

Von Perricum gen Wehrheim!
Autor: Hartsteen