Brunis Bunter Bilderbogen Ausgabe 38

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Es ist wieder ein-mal so weit: Dieweil die Kaiserin noch überlegt, ob sie sich endlich ewig binden soll oder nicht, sind die Greifin und ihr treu sorgender Gatte augenscheinlich dabei, den eklatanten Mangel an Nachwuchs im Fürstenhause Eberstamm im Alleingang zu beheben. Gerade mal 13 Monate ist es her, seit die Hebamme die Residenz besuchte, aber die Winter sind heuer allesamt hart und die Turniersaison lang hin, da ist es nicht verwunderlich, wenn Prinz Edelbrecht wie weiland Bardo den Lanzengang in der heimischen Kemenate ausführt. Und ein göttergefälliger Recke ist er allemal, da beißt die Maus kein Tau ab. Lediglich die Märker Barone sollen ob der Ehre, ein weiteres Mal Tsafeiergeschenke ausloben zu dürfen, in eher verhaltenen Jubel ausgebrochen sein. Wenn man mich fragt, wäre eigentlich ein Mädchen an der Reihe gewesen. Immerhin sieht sich die Greifin im Verein mit ihrer Tochter Madalieb Thalessia in einem ansonsten männerdominierten Haushalt in zahlenmäßiger Minderheit. Auch bleibt schwer zu hoffen, dass die Söhne nicht allesamt nach dem Herrn Papa schlagen. Damit würden zwar die Eberstamm-Wertlinger in Zukunft wohl den Pfortenrittern im Turneiwesen den Rang ablaufen, es ist aber fraglich, ob die Mark anschließend noch genug gesunde Burschen und Mägde hätte, die bereit wären, mit den Erbprinzen auf ritterliche Questen zu ziehen, denn bereits der Vater sieht auf eine stetig kleiner werdende Anzahl wirklich motivierter Mitstreiter herab. Allerdings ist zu hoffen, dass man, wenn denn die Greifin noch einem Mädchen das Leben schenkt und man die leidige Angewohnheit weiter verfolgt, dem Nachwuchs Doppelnamen verdienter Ahnen der Koscher und Märker Linien zu verleihen, von der Gattin des Heiligen Shazar tunlichst die Finger lässt.

Kein Kind sollte auf den Namen Meltraudis hören müssen. Der kleine Ludalf Baregrond von Eberstamm-Wertlingen scheint indes in vielerlei Hinsicht ein besonderes Kind zu sein. Seit den fürchterlichen Ereignissen rund um Ludalf Baregronds erstgeborenen Bruder Ulfried Halmdahl, werden die Sprösslinge der Greifin von den Kirchen der Peraine wie der des Praios auf Herz und Nieren geprüft. Glaubt man einem Bediensteten der markgräflichen Haushaltung, so dauerte die Prüfung des jüngsten Wertlingers weit länger, als die seiner übrigen Geschwister. Auch soll seine Ehrwürden Praiomon Caitmar von Dergelstein das Zimmer der Niederkunft mit nachdenklichem Gesicht verlassen haben, immer wieder vor sich hin murmelnd: „warum gerade jetzt?!“

Nichtsdestotrotz munkelt man, seine Durchlaucht Edelbrecht vom Eberstamm habe allen Ernstes beim Bund des Weißen Pentagramms in Gareth angefragt, ob ein Mitglied der Bundes bereit sei, am markgräflichen Hofe Dienst zu tun. Worin dieser Dienst bestehen könnte, darüber gab der sonst weniger auf Verschwiegenheit bedachte Greifingemahl allerdings nichts preis.

Und sonst? Auch in der Stadt mehren sich die Seltsamkeiten. Perval Svellter soll sich doch tatsächlich auf seine steinalten Tage eine bildhübsche und junge Maid ins Haus geholt haben. Die junge Avaritia Rotenschweif begleitet ihn seit einiger Zeit, wenn er seinen Gläubigern Besuche abstattet. Wer allerdings erwartet hat, dass der alte Svellter mit dieser blutjungen Schönheit an seiner Seite ein wenig nachsichtiger sei, glaubt sicherlich auch an den Heiligen Weiland…

Vor ungefähr zwei Monden soll beim Stadtrat eine ältere Dame erschienen sein und sich als Galanda Serapha Millewitz vorgestellt haben. Die Lohkuchenhändlerin aus Pechackern fragte an, ob sie in der Altstadt ein Stockpuppentheater eröffnen dürfe. Augenscheinlich ist sie neben ihrem Broterwerb schon seit vielen Jahren mit einer Wanderbühne unterwegs und führt - vor allem in der Winterzeit - erbauliche Stücke vom Leben der Heiligen auf. Glaubt man den gut informierten Kreisen, so besitzt die Frau eine Reihe namhafter Gönner, ist es ihr doch gelungen, ein schmuckes Häuschen in der Mauthgasse zu erwerben. Welche Stücke sie und ihr Mann aufführen werden und wie lange sich das Theater halten kann, nun, wir werden sehen. Aber dies ist bei Weitem noch nicht das Seltsamste, das sich in unserer beschaulichen Stadt zugetragen hat: die Kelterei Gombet, bisher lediglich bekannt für ihre hervorragenden Apfelweine und den vorzüglichen Apfeltrester, hat nun nach einer Anlaufzeit von über zehn Jahren ein neues Fass aufgeschlagen. Dabei fing alles mit einem fürchterlichen Versehen an, als einer der Lehrbuben Fässer mit Apfelmost an falscher Stelle im Lager stapelte und dieser somit glatt drei Götterläufe im Fass verblieb. Was tun, so fragte sich der Brennmeister und brannte den Fassinhalt ordentlich durch, um den Brand wiederum über mehrere Götterläufe in Kastanienholzfässern zu lagern. Herausgekommen ist ‚Alter Gombet‘, ein Brand, welcher das Zeug hat, die Mark zu revolutionieren.

Ach ja, wo wir gerade bei Alkoholika sind: Dass Zwerge gerne Bier trinken, weiß jeder, der Augen im Kopfe hat. Und dass Zwerge fleißig sind, darüber muss man nicht reden. Dass sich aber ein einzelner Brillantzwerg außerhalb der Zwergenbingen niederlässt, um dann auch noch ein Gewerbe zu betreiben, das ist tatsächlich eher selten. Wie auch immer, in der schönen Stadt Breitenbruck hat sich doch tatsächlich Barombolosch Hopfinger, ein zwergischer Braumeister niedergelassen und damit begonnen, ein schweres, untergäriges Bier zu brauen. Und nicht nur, dass dieses so köstlich und süffig ist, dass der gute Herr Zwerg mit dem Brauen gar nicht mehr nachkommt, es hat auch schon Geschwister bekommen: Neben dem allseits bekannten Exportbier Zwergenbräu gibt es nun mit dem Löschzwerg auch ein schmackhaftes Weizenbier.

Und genau davon gönnt sich nun ein schönes Gläschen:

Eure Bruni.

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24. Fir 1036 BF
Brunis Bunter Bilderbogen Ausgabe 38
Böse Mächte am Werk

Kapitel 24

Harte Kontrollen und Turminspektionen
Autor: VW