Geschichten:Zwingsteiner Brachenhatz – Das Zwingsteiner Fest

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Burg Zwingstein, später Nachmittag des 24. Boron 1042 BF

Nach und nach waren die Gäste auf Burg Zwingstein eingetroffen. Wie er es erwartet hatte, waren die Brachenwächter aus den entlegeneren Lehen die Ersten gewesen. Frisch und voller Tatendrang waren am späten Mittag die drei Schwestern aus Praiosborn eingetroffen. Ihre fröhlichen Gespräche wehten aus dem Innenhof hinauf zu Zerber von Mersingen, der nachdenklich vor einem Kristallglas Rotwein saß, den er bereits seit dem Morgen nicht angerührt hatte, und lehrte ihn auf einen Zug.

Wenig später traf der heimische Ritter Hane von der Aue zeitgleich mit Leubrecht von Vairningen und Gerwin von Hirschenweide ein. Sie unterhielten sich unaufgeregt über irgendetwas, was Zerber von seinem Platz hinter dem Fenster nicht verstand. Und noch während ihre Pferde versorgt wurden, trafen die Reiter aus Vulpershain in der Begleitung des Zwergs und des Ritters aus Moosbrisken ein.

Laut lärmend mit einer schweren Kutsche passierten die Schlunder unter der Führung von Praiosmar von Hinn das Burgtor und zogen die Aufmerksamkeit und Neugier aller bereits anwesenden Gäste auf sich. Was er denn auf dem Wagen habe. Der Schlunder Marschall, während er vom Pferd stieg, verwies auf einen späteren Zeitpunkt, an dem er seine Überraschung der gesamten Jagdgemeinschaft lüften wolle. Zerber ahnte bereits, was die Schlunder ihnen mitgebracht hatte und es sagte ihm zu.

Und wieder dauerte es nicht lange, bis zeitgleich der Tobrier aus Silkwacht und der Weidener aus Gramfelden eintrafen. Zerber erhob sich und ließ sich von seinem Diener für den Empfang seiner Gäste ankleiden. Er wählte dazu eine schmucklose Tunika mit einem Wappenrock, auf dem das Wappen der Brachenwacht in feinster Handarbeit aufgestickt worden war.

Als letztes erreichten, während die dichten Nebelschwaden sich langsam über die Flure zwischen Brache und Burg legten, die Garether Ritterinnen der Brachenwacht Burg Zwingstein. Ein flüchtiger Blick von Zerber hinaus auf den Hof, bevor er seine Gäste begrüßen ging, zeigte sehr deutlich an, wer von ihnen sich als Anführer verstand. Weder die in dunkle Kleider gehüllte Madaia von Alding noch die immer ein wenig zu herzlich lachende Irida von Gryffingk strahlten das dazu nötige Selbstbewusstsein und Überzeugung aus. Diese Rolle kam vielmehr seiner Nachbarin aus Burg Brachentor zu, die als alteingesessene Stadtritterin Gareths schon immer abfällig auf die Niederadligen aus der umgebenden Kaisermark hinabblickte. Yasinthe von Brachenhag schritt festen Schrittes in der Mitte, geflankt von den beiden anderen, über den Burghof Zwingsteins. Alle drei Ritterinnen waren in teure Tücher gekleidet, mit kostbarstem Pelzbesatz, Goldfäden und Juwelen verziert.

Am Abend hatten sich Zerbers Gäste alle in der Feierhalle eingefunden. Die zwölf Brachenwächter saßen an der langen Tafel, die auf einem kleinen gemauerten Vorsprung am Ende des Halle stand. Sie bildeten so eine sichtbare Einheit und im Schein der Fackeln und Feuerschalen wirkten sie wie eine Schicksalsgemeinschaft, die sich zu ihrem entscheidenden Kampf versammelt hatte. Zerber nahm seinen Kelch in die Hand und erhob seine Stimme zu einer Rede, die er sehr lange und sorgfältig vorbereitet hatte.

»Geschätzte Gäste, teure Freunde und Mitglieder unseres Bundes der Brachenwacht! Ich bin erfüllt von großer Freude und Dankbarkeit, dass ihr alle meiner Einladung gefolgt seid und wir morgen gemeinsam die Hatz auf das verderbte Gezücht aus der Dämonenbrache eröffnen werden!«

Ein zustimmendes Raunen und Klopfen auf den Tischen antwortete ihm.

»Wir gehen nicht auf eine Jagd. Wir ziehen in eine Schlacht. Wer von Euch bei der Höllennacht hier an diesem Orte gewesen ist, der wird das Grauen und die Schrecken noch vor Augen haben. Ich selber sehe sie in mancher Nacht noch so klar vor mir, als wäre es gestern gewesen. Und seitdem ist die Brache nicht mehr, wie sie früher war. Sie ist nicht wach – die Götter mögen uns davor behüten, dass dies jemals geschähe! – aber sie ist in einem Dämmerungszustand. Niemand wird das besser bezeugen können, als die Diener des Grimmigen Herren, die im Namen und Auftrag ihres Herren diese unheiligen Wälder erkunden und den Kampf mit ihr aufnehmen.«

Zerber deutete auf den königlichen Jagdhüter der Dämonebrache, Alvar von Krauzung, der mit grimmigen Blick an der Tür stand und den versammelten Adel ernst beobachtete.

»Wir ziehen morgen in die Schlacht gegen unbekannte Schrecken. Wir werden hineingehen in die Brache und die Pestbeule anstechen, damit sie ihre fauligen Absonderungen nicht weiter ansammeln kann und sich die Gefahr für die angrenzenden Länder vergrössert. Wir wissen nicht, was uns erwartet, aber wir werden gehen unter dem Schutz des Heiligen Hlûthars, unter dessen Schutz unser heiliger Bund steht.«

Einige Anwesende schlugen sich bei diesen Worten kräftig auf die Brust und riefen laut »Heilig!«. Doch nicht alle fielen in diese Bekundung rondrianischer Frömmigkeit ein.

»Jeder Brachenwächter wird die Brache von Zwingstein aus betreten und auf eigenen Wegen beschreiten. Für eine organisierte Jagd ist das verfluchte Land nicht geeignet, denn der Sumpf wartet nur darauf, große Haufen einfach versinken zu lassen. Rechnet daher auch nicht auf Hilfe von jemand anderen als Euch selbst. Lasst Euch nicht von der Brache verführen und in Fallen locken, sichert Euch ab gegen ihre heimtückischen Gefahren und kehrt wieder um, wenn die Gefahr für Euer Leben und Eure Seele zu groß wird, um uns zu berichten.«

Vereinzelt erklang ein Raunen auf. »Niemals, wir sind doch keine Feiglinge!« hörte man eine Stimme deutlich aussprechen, aber niemand vermochte zu sagen, wem sie gehörte.

»Nach firungefälligen 7 Tagen werden wir uns wieder hier auf Zwingstein versammeln und unsere Beute präsentieren. Wer immer nicht zurückkehrt aus der Brache, werden wir als gefallen im Kampf gegen die Chimären und Schrecken der Dämonenbrache die letzte Ehre erweisen und sein Andenken hochhalten. Heute Abend aber wollen Feiern, als ob es das letzte Mal wäre! Brüder und Schwestern im Bunde, auf unsere Wacht!«

Mit diesen Worten erhob Zerber einen Kelch und trank ihn mit einem Zug aus. Laute Rufe erklangen, »Hoch!«, und ein rauschendes Fest mit stark gewürzten Speisen und heißem Wein begann, während Barden und Bänkelsänger aufspielten und epische Balladen vergangener Heldentaten von sich gaben.



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24. Bor 1042 BF früh am Abend
Das Zwingsteiner Fest
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Kapitel 7

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Autor: Hartsteen