Zweifelfelser Zwist – Der Salzene Prinz

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Baronie Zweiflingen, irgendwo im Reichsforst, Anfang Rondra 1040 BF:

Er keuchte, immer und immer wieder schlugen ihm Äste ins Gesicht, aber er lief weiter, ohne Pause. Er wollte einfach nur weg. Er bekam die Bilder nicht mehr aus dem Kopf. Die grausam zugerichteten Körper, das viele Blut, die befremdlich wirkenden Zeichen. Haldan und Alrike waren noch Kinder, keine acht Sommer alt. Auch Gilia, eine unerschrockene Ritterin, einfach so dahin gemenzelt. Wer oder was war zu so etwas fähig? Was war das für ein Ort? Es sah aus wie eine alte orkische Opferstätte. Aber Orks gab es hier schon lange nicht mehr. Waren hier andere Mächte am Werk? Und warum wirkte sein Schwertvater so abgeklärt, während alle anderen vom nackten Grauen befallen waren? Fragen, zu viele Fragen. Er musste erst mal weg. So eine heftige Reaktion kannte er von sich nicht. Er war eher in sich gekehrt, ruhig, gelassen und nicht für hitzige Ausbrüche bekannt. Aber dieser Ort … er konnte dort nicht bleiben. Er hatte ihn in seinen Träumen gesehen, immer und immer wieder. Also lief er davon.

Immer tiefer in den Forst führte sein Weg. Bald schon hatte er die Orientierung vollends verloren. Sein Gesicht und seine Hände waren zerkratzt von dem Dickicht des Waldes. In der Ferne hörte er Wölfe jaulen. Er erreichte eine sonnendurchflutete Lichtung. Abgekämpft und erschöpft ließ er sich in das Gras fallen. Nur einen Moment ausruhen, dachte er sich. Doch nach kurzer Zeit war er eingeschlafen. So konnte er nicht mehr hören, dass das Heulen der Wölfe näher zu kommen schien.

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Er musste nicht wie viel Zeit vergangen war, als er wieder wach wurde und sich hektisch umsah. Wie leichtfertig hier einfach einzuschlafen, dachte er sich. Ein Knacken im Gebüsch ließ ihn aufhorchen. War das eines der Untiere der Forstes? Er blickte sich um, er hatte keine Waffe bei sich. Sein Schwert hatte er während seiner Flucht verloren. Doch es war nur ein Eichhörnchen, so beruhigte sich sein rasender Herzschlag wieder ein wenig.

Gisborn drehte sich langsam um und riss die Augen weit auf. Er konnte es kaum glauben wen er vor sich sah. Demütig fiel er auf die Knie, doch eine sanfte Stimme sprach:

„Nicht doch, iama telor, werfe dich nicht auf den Boden, hier im Wald stellt sich kein Lebewesen über das andere.“ Gräfin Allechandriel half dem Jüngling auf, umfasste mit beiden Händen seinen Kopf und schloss die Augen. „Dein mandra ist stark. Gehe den vorbestimmten Weg! Das Land ruft dich, denn du bist der Salzene Prinz.“

„Ich verstehe nicht...“

„Du wirst verstehen! Das dhaza darf nicht gewinnen, nurdra und zerza müssen im Gleichgewicht bleiben. Folge den salzenen Pfad in die Dunkelheit und du wirst im Licht neugeboren werden. “

Noch bevor Gisborn was sagen konnte, war Allechandriel wieder im Wald verschwunden. Neben ihm lagen ein Elfenbogen samt Köcher und ein elfisches Wolfsmesser. Die beiden Schwinglinge des Bogens bestanden aus den Hörnern eines weißen Hirsches und war mit Schnitzereien reich verziert. Er nahm das Wolfsmesser in seine Hand. Auch diese Waffe war äußerst gut gearbeitet. Die Übungsstunden mit Iserion sollten also nicht umsonst gewesen sein.

„Der Salzene Prinz … der salzene Pfad.“ Gisborn wiederholte die Worte der Gräfin immer wieder. Er war der Salzene Prinz? Was hatte das zu bedeuten? Und was meinte Allechandriel mit dem salzenen Pfad? Es gab unweit von Zyrbelstein einen Salzstollen und der Weg dorthin hieß Salzstieg. Sollte er sich dorthin begeben? Nun, andere Möglichkeiten mochten ihm nicht einfallen und so machte er sich auf den Weg. Die Begegnung mit der Gräfin hatte ihn gestärkt, seine Angst war verflogen.