Zwei Eichen - Eine Einladung aus Zwingstein

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Sumerau in der Ritterherrschaft Vulpershain, 17. Travia 1042 BF, abends

Es war ein guter Tag in Sumerau. Die Ernte war eingebracht und das Wetter jetzt im Herbst war noch schön, so dass seit einigen Tagen bei der verfallenen Ruine, auf der die zukünftige Burg Vulperswacht stehen sollte, eifrig das Geröll beseitigt und erste Arbeiten zum Aufbau durchgeführt. Der erzzwergische Baumeister hatte sich bis über beide Ohren in die Planung vertieft und verbrachte fast seine gesamte Zeit auf der Baustelle. Er hatte den beiden Brüdern ehrgeizig zugesagt, dass sie schon bald zumindest einen stabilen Turm ihr Eigen nennen können und er hatte auch Hoffnung gemacht, was die Kosten für den Bau anging. Nach ein paar Vorschlägen und innig diskutierten Nächten machte die Planung einen soliden Eindruck. Offen war allerdings noch, inwieweit der Markvogt auch die Kosten für den Wehrbau übernehmen würde.

Währenddessen hatte der Hügelzwerg, der Buttersaum, die Herrschaft in der Küche des Krayenhofgasthofes übernommen. Anfangs hatte sich der Krayenwirt gesträubt, dann aber hatten ihn die Gaumenfreuden des Hügelzwerges überzeugt und mittlerweile war nicht nur der Koch hier gerne gesehen, auch der Braumeister hatte seine Arbeit hier aufgenommen. Schlagartig hatte sich die Meinung der Dorfbewohner über die neuen Herren damit verbessert, auch wenn das erste “richtige” Bier noch etwas auf sich warten ließ, da die Nachreife noch nicht abgeschlossen war und der Hügelzwerg selbstverständlich das Koscher Reinheitsgebot beachtete.

Inmitten des abendlichen Treibens im Dorf, in dem die meisten Bauern damit beschäftigt waren, ihren Frondienst für den Aufbau des Turms zu leisten und überall fleißig gearbeitet wurde, traf ein Bote aus Zwingstein ein, dessen Aufenthalt sich durch das unerwartet gute Essen nicht nur geringfügig verlängerte, so überrascht war der Gute, nun im Krayenhof was Anständiges zu essen zu erhalten.

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“Und? Was schreibt der alte Mersinger? Red schon, oder hast du mit zunehmendem Alter das Lesen gar verlernt?”, stichelte Wilbur, der natürlich neugierig war, den Inhalt der Depesche zu erfahren, gleichzeitig aber auch warten musste, bis sein Bruder das Schreiben gelesen hatte.

“Hast du dich gerade als Sekretär beworben? Du kannst die Stelle haben, einzig die Bezahlung wird deinen Anforderungen sicher nicht gefallen…”, erwiderte Aldur leicht abwesend, während er die Einladung des Reichsjunkers las.

Dann reichte er das Schreiben an seinen Bruder weiter: “Wohlgeboren lädt zur Sauenhatz nach Zwingstein, im Boron. Bucklige Viecher aus der Brache treiben dort ihr Unwesen und sollen bejagt werden was vermutlich bedeutet, dass noch nicht mal ein ordentlicher Schinken dabei rumkommt. Trotzdem denke ich, dass ich der Einladung folgen werde und wenn es nur dazu dient, die Nachbarn besser kennenzulernen. Willst du mitkommen?”

Wilbur nahm das Schreiben entgegen und überflog es kurz. “Ein Jagdausflug nach Zwingstein. Ich bin hin- und hergerissen. Einerseits sollte ich hierbleiben, damit wenigstens einer von uns beiden hier vor Ort ist und die Bauern nicht auf dumme Ideen kommen. Andererseits denke ich, dass die Veranstaltung vermutlich nur ein oder zwei Tage dauert und es sicher - wie du schon selber sagtest - auch nicht falsch ist, ein paar Bekanntschaften zu knüpfen. Daher tendiere ich tatsächlich dazu, dich zu begleiten, auch wenn die Jagd selbst nicht unbedingt zu meinen Steckenpferden zählt. Wir sollten aber überlegen, wer in unserer Abwesenheit hier die Aufsicht hat.”

“Ich werde Eitel damit beauftragen. Er hat bisher schon als Dorfschulze die Geschicke des Ortes gelenkt. Vereidigt haben wir ihn, jetzt kann er zeigen, wie wichtig ihm dieser Eid ist. Gleichzeitig stärkt das seine Stellung im Dorf, wenn auch die neuen Herren ihm vertrauen und wir ihm diese Verantwortung übertragen. In den zwei bis drei Tagen wird er schon nicht viel Unfug anstellen können und wenn doch habe ich hinterher einen triftigen Anlass, um zu zeigen, dass wir wenn nötig auch durchgreifen”, erwiderte Aldur.

Wilbur überlegte einen Augenblick, dann stimmte er zu: “Das hört sich ganz nach einer guten Idee an!”

Sein Bruder grinste. “Gut, Herr Sekretarius, dann schnapp dir gleich mal Pergament und Feder, dann kannst du gleich eine Antwort zurückschreiben”, foppte er seinen Bruder.

“Das kannst du dir gar nicht leisten, Herr Reichsritter”, stichelte dieser zurück, verfasste dann jedoch trotzdem eine freundliche Zusage an den Reichsjunker, die er dem Boten aus Zwingstein wieder mit auf den Weg gab. Damit war es beschlossene Sache: die beiden Brüder würden an dem Ereignis teilnehmen. Jetzt galt es nur noch, sich die passende Ausrüstung dafür zu beschaffen.