Zeuge besserer Zeiten

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„Exzellenz?“

„Kommt rein, Meister Gsevino. Bat Euch denn mein Bruder, stets zu klopfen, ehe Ihr in des Cantzlers Stube treten durftet?“ Horulf versuchte sich in einem Lächeln.

„Euer Bruder, Exzellenz, pflegte nicht zu bitten. Aber nein: ich musste nicht immer klopfen.“ Gsevino vom Prutzenbogen hatte die Stube nun betreten und legte einen kleinen Stapel Papiere und Pergamente auf den Schreibtisch, hinter dem die dürre Figur des Cantzlers verloren wirkte.

„Dann wollen wir es ebenso halten, Meister Gsevino“, gab Luring wohlwollend zurück und bewegte die Hand zu einer Geste der Jovialität, mit der Henker ihre Schlinge ausschütteln.

„Und, Exzellenz, er nannte mich nicht ‚Meister‘.“

„Sondern?“

„Nur Gsevino und ‚du‘.“ Gsevino lächelte. Sein Gesicht warf eine Menge feiner Falten, die den ersten Eindruck Lügen straften, der Schreiber wäre das junge Männlein, als das er im ersten Moment erschien. Auch war sein aschblondes Haar an den Schläfen und der Stirnlocke schon grau.

„Na, das erscheint mir nicht recht, Meister Gsevino. Ihr seid immerhin des Cantzlers Secretär und ward schon des gewesenen Staatsrats treuer Scheiber. Habt überdies die schlimmen Jahre Eures Amtsexils wacker verbracht und Euch stets aufrecht gehalten. Habt Eure Geheimnisse geschützt und bei Schwierigkeiten … äh … familiären etwa … die Hilfe des ehrenwerten Burggrafen Weyringhaus in Anspruch genommen. Nein, nein: Den Meister habt Ihr Euch schon verdient. Und die Zeiten des Duzens sind für Euch auch schon lange vorbei.“ Horulf schwang seine Hand wie ein Fallbeil und schnitt das Thema ab. Gsevino hätte jetzt äußern können, dass ‚Wohlgeboren‘ ein angemessenerer Titel wäre als ‚Meister‘, da er ja von Stand geboren war, aber er beließ es dabei. Im Grunde hätte es ihm nichts ausgemacht, bis ans Greisenalter geduzt zu werden, solange er weiterhin hier arbeiten konnte, wo er hingehörte: in der garetischen Staatscantzley.

„Wo sind wir denn dran?“ Horulf hob die buschigen Brauen wie Falkenschwingen.

„Äh. Es geht um die Delegation, die zum Begräbnis des Koscher Fürsten ziehen soll. Ihr hattet ja gesagt, dass bei einem solch bedeutenden Vasallen wie Blasius von Eberstamm …“

„… der seine Bedeutung vor allem ersessen hat …“ murmelte Horulf dazwischen.

„… nicht Hinz oder Kunz anreisen sollte, wenn es um Gareths Krone gehe.“

„Ganz genau, Meister Gsevino. Fürst Blasius ist für die meisten von uns wie ein Zeuge besserer Zeiten gewesen. Einer, der die friedlichen Jahre unter Kaiser Reto und Kaiser Hal noch gekannt hat. Mit ihm geht eine Art Symbol – und es bleiben bloß Zwerge und Elfen als weitere zeugen. Und wer will die schon fragen, wie es früher war? Die erzählen einem nur etwas vom Gold hier oder vom Wald da.“

„Oder vom Bier!“, warf Gsevino ein, der an Graf Ingramm dachte, der ja sogar schon die friedlichen Zeiten Kaiser Eslams V. gekannt hatte.

„Oder vom Bier“, seufzte Horulf. Nach einer peinlichen Pause fuhr er fort: „Deshalb ist es wichtig, dass wir hochrangige Personen überzeugen können, dem Begräbnis beizuwohnen. Gerwulf von Gareth und einige Burggrafen etwa.“

„Oh, dann wird Euch das gefallen“, grinste Gsevino und hielt ein Pergament an zwei Ecken hoch, so dass es wie ein Plakat hing.

Höret! Höret! Höret!
 
 
 
 
Das Königreich trauert um einen edlen Recken, guten Nachbarn und Freund des Hauses Gareth!

Blasius vom Eberstamm ist gestorben.

Ihm letzte Ehre und Geleit zu geben, seinen Namen zu ehren und seinem Haus zu huldigen, ruft

Sigman Therengar von Gareth-Firdayon

Wackere Streiter, Ritter und Recken auf, ihn zu begleiten auf der Trauerfahrt gen Angbar!

Unter dem Zeichen des Fuchses Garetiens und des Hauses Gareth soll die Fahrt den Nachbarn gefallen sowie dem Königreich daselbst. Sie beginne als Heerlager zur Reichsstadt Hirschfurt. Gekrönt werde die Fahrt durch das traditionelle Turnier zu Grambusch, das die Baronin von Vierok unter der Schirmherrschaft von Sigman Therengar von Gareth-Firdayon im Boron 1041 BF zugleich als ritterliches Gedenkturnier abhalten wird.

Seid gerufen und geladen in Borons und Rondrens Namen!
 
 
 
 
Garetia vivat!

Horulf war sehr bleich geworden und flüsterte: „Das gefällt mir nicht.“

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20. Tra 1041 BF
Zeuge besserer Zeiten
Drei Ochs' auf Reisen

Kapitel 3

Ein großer Fürst
Autor: BB