Zersplitterter Fels - Das Tagebuch eines Zweiflers

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Einträge in das Tagebuch des Selo von Pfiffenstock, Ingerimm 1037 BF


5. Ingerimm 1037 BF:

Wir – Lyn, Selina unser Gefolge und ich – erreichen pünktlich die wunderschön gelegene Burg Perlenblick direkt am Perlenmeer mit einem großartigen Panorama-Blick auf die Reichsstadt. Von der wir auf dem Weg immer nur neue Geschichten zwischen Schimpf und Schande vernahmen.

Unsere Delegation ist quasi die einzige repräsentante Gruppe der Nebachoten in Perricum auf Perlenblick, weswegen ich mich auch deutlich nebachotischer gekleidet habe, es fühlt sich ungewöhnlich an. Wir werden recht komfortabel untergebracht. Anscheinend hallt auch hier der Name meines Bruders noch laut nach.

Ich bereite mich auf meinen Vortrag vor – die Legende von Kashgar und Caralus – den ich (in gekürzter Fassung) am Abend bei dem wahrlich festlichen Bankett halte. Ich erlaube mir die Geschichte im nebachotischen Dialekt zu sprechen, auch wenn mir dieser fern liegt und ich ihn sicher nicht in Perfektion beherrsche. Doch es erhält überraschend guten Zuspruch. Besonders von wichtigen, ehemaligen Weggefährten Simolds, Malepartus von Helburg und Yendor von Gallstein, der ebenfalls einen Vortrag hält und diesen meinem verstorbenen Bruder zur Ehr widmet. Vielleicht sollte man die Kontakte dorthin wieder intensivieren?

Es folgen weitere Berichte, Sagen und gar Hilferufe – viel passiert derzeit in Perricum – sind das Vorboten? Hat Eslam recht? Einer dieser Rufe kommt von Baron Strutzz mit dem die Babur-Nebachotischen Stämme mit dem Blute meines Bruders einen alten Bund wieder bekräftigten. Die Gerüchte die man im Vorfeld hörte – die Trollmorde – sind wahr und ich nehme mich der Herausforderung der Queste an – dem Versprechen des Bundes getreu. Auch wenn ich nicht weiß worauf ich mich da einlasse. Zum Glück schließen sich große Recken ebenfalls der Queste an. Der nebachotenkritische Oberst Wallbrord von Löwenhaupt-Berg, der Greifenfurter Baron Ardo von Keilholtz, sowie der große Lanzenreiter Nimmgalf von Hirschfurten und unsere Hauptfrau der Landwehr Selina Castos. Ihr Mut beflügelt und die Verpflichtungen die die Stämme eingingen treiben mich.

Auf das Festmahl folgen mehr oder weniger gesellige Gespräche zumeist über die vorbestehenden Questen. Aber ich wechsle auch ein paar kritische Worte mit Heermeister von Firunslicht und dem Oberst von Berg. Während Erster nur leicht verstimmt ist ob der unangekündigten nebachotischen Heerschau in Haselhain und vorallem des Nichterscheinens Eslams hier lässt sich Zweiter nicht nehmen immer wieder spöttische bis bittere Bemerkungen fallen zu lassen und seinen deutlichen Unmut zu bekunden. Ob sich dies wohl während der Queste so halten wird?

Aber auch freudige Gespräche sind zu führen. Erwähnte alte Bundesgenossen meines Bruders kommen offen auf mich zu. Sie begreifen recht schnell die Umstände der Unkenntnis über mich – meine „Gastung“ in der Sighelmsmark – ohne dass ich auch nur einmal offensichtlich darüber spreche. Sie können mir viel von Simold erzählen und ich spüre ihre tatsächliche Verbundenheit. Allgemein steht auch hier sein Schatten immer über mir – wie muss Siyandor sich erst fühlen?

Dann passiert etwas Unerwartetes – ein Schiff scheinbar von einem anderen verfolgt - wird vom Perricumer Kriegshafen beschossen und versenkt, das andere Schiff dreht ab. Einem kurzen Tumult folgen sogleich Kommandos und Boten - Was hat das zu bedeuten?


6. - 18. Ingerimm 1037 BF:

Diese Worte schreibe ich größtenteils als Nachtrag, da ich während der Queste und der anstregenden Reise kaum Zeit und Muse fand die Ereignisse niederzuschreiben.

Aufburch am frühen Morgen. Noch keine Neuigkeiten zu den gestrigen, späten Ereignissen und wir müssen aufbrechen um pünktlich am 18. Ingerimm wieder vor Ort zu sein um die Questen mit einem mehrtägigen Göttinnendienst zu beschließen. Unsere Reise führt zu allererst in die Baronie Vellberg, dann auf die Burg Angareth am Arvepass. Ich wandere auf den Spuren meines Bruders. Ich kenne ihn kaum und so fühle ich mich ihm das erste mal nah. Wie ein Pilger vollziehe ich demütig den letzten Gang Simolds nach. Es beschwingt mich sehr, obwohl die Reise hart und entbehrungsvoll ist.

Auf Angareth verfolgt der Hirschfurter Baron eine eigene Agenda, ich versuche uns unter den hier ansäßigen Trollbergern einen kundigen Bergführer zu finden, der uns durch die Zacken zu Strutzz führt. Mit Erfolg, allein mein Name veschafft mir eine unerwartet herzliche Begrüßung - denn auch einige der Trollberger begleiteten Simold auf seine letzte Queste. Ich muss mich mehr über diese Trollberger informieren!

Es folgen ein Abstecher zu Limansturm, einem weiteren Trollleichenfundort und einer an die Nordküste der Baronie Trollnase, Baron von Keilholtz hat scheinbar eine wichtige Kriegsbotschaft dort zu überbringen. Unverständnis bei den meisten, ich kann das nur schlecht einschätzen. Auch hören wir immer wieder von umhergehenden Marodeuren mit Wolfsgesichtern und einen Riesen - sind das die Mörder? Ein Junker aus dem Westen ist ihnen ebenfalls auf den Fersen und uns voraus.

Die Reise durch das schroffe, unwirtliche Gebirge wird immer anstregender und ich beginne an meiner Eignung zu zweifeln. Doch die anderen sind guter Dinge. Sie scheinen soetwas gewohnter zu sein. Zu den detailierten Ereignissen ergänze ich später den wahrscheinlichen Bericht des Oberst Wallbrord - siehe dort.

Nur ein besonderes Ereignis will ich doch hervorheben. Denn so folge ich weiter den Spuren Simolds als wir letztlich die imposante Höhle Strutzz' erreichen. Auch ich soll hier mit dem trollischen Baron sprechen und zusammen mit den anderen aus dem größeren der Bundkelche Blut kosten - als Zeichen dessen das wir den Bund, den Simold erneuerte, bekräftigen. Und dafür um ein altes Trollheiligtum - Ghondra Tor (Schreibweise unklar) - betreten dürfen. Die Situation zieht mich in ihren Bann und ich gerate in einen Zustand der Entrückung. Es ist als wäre ich diesen Weg mit Simold selbst gegangen. Es war das Richtige die Queste zu begehen, trotz aller Strapazen. Es ist ein erhabenes Gefühl - nicht in Worte zu fassen, wenn man kein Dichter ist.

Am Ende unserer Queste können wir das Schwert Feuerschlag erringen. Aus den Händen des Trollschlächters - Galtor dem Koloss. Ein Paktierer. Seine Bewegründe sind nicht klar. Aber vielleicht braucht ein solch verwirrter Geist auch keine oder sie werden sich zu einem späteren Zeitpunkt erschließen. Doch zu welchem Preis dies alles? Selina (und weitere tapfere Soldaten) stirbt als sie sich heldenhaft dem Koloss entgegen wirft - allein - um mich zu schützen. Mich, der unfähig - seinen Mut nicht findend - nicht viel heldenhaftes zu den Kämpfen beiträgt. Im Gegenteil zu meinen Quest-Gefährten. Die sich wahrlich rondrianisch hineinwerfen und selbst beinahe an der Kraft des Koloss und seiner Gefährten scheitern. Erst gegen Ende - als der entscheidende Kampf schon fast gewonnen ist - kann ich meinen letzten Mut zusammen reißen - doch viel ausrichten kann ich nicht. Vielleicht habe ich sogar dieses Drama provoziert? Eine philosophische Betrachtung die mir schon von Beginn im Kopf umherspukte. Warum ist mir die Göttin nicht nah? Trage ich die Schande meines Volkes - der Nebachoten - im Blute? Auch wenn ich dieser Kultur selbst entzogen wurde und sie nur aus Büchern kenne? Kann meine Anwesenheit den Ausgang einer solchen Queste vor - der den Nebachoten als abgewandt geltenen - Rondra zum negativen beeinflussen? Bin ich gar Schuld am Tod Selinas? Diese Fragen werden mich sicherlich noch länger beschäftigen. Es bedrückt mich, auch wenn ich es zum Glück in erster Linie rein analytisch begreife, wie alles was die Nebachoten, mein Volk das ich nicht kenne, betrifft. Ich stehe immer außen - wie schon in der Kaisermark.


19. bis 23. Ingerimm 1037 BF:

Durch einen Trollpfad bringt uns der Schamane Baradsh - den wir am Heiligtum retten konnten - an unser Ziel. Auch er hat Simold kennen gelernt und begegnet mir mit großem Respekt. Diese Pfade sind faszinierend. Ein unbeschreibliches Phänomen.

Unsere weitere Reise führt uns unseren Hinweg zurück. Doch wir kommen zwei Tage zu spät und bekommen nun nicht mehr den vollständigen Göttinnendienst mit. Dafür um so mehr Berichte und Geschichten der Ereignisse der letzten Tage, die ich an anderer Stelle zusammenfassen werde.

Am Abend der Ankunft überreiche ich Lyn den Säbel und den Wimpel Selinas und wir reden über ihren heldenhaften Tod. Auch meine philosophischen Gedanken beschäftigen uns und wir tauschen uns aus über Fremde und Heimat. Lyn sagt dass es Zeit brauchen wird. Ich vertraue darauf dass sie recht hat. Doch dort bleiben immer diese Fragen. Gegen Ende des Gesprächs drehe ich mich im Kreis und ich besinne mich auf leichter zu lösende Dinge. Lyns Erfahrung bei ihrer Queste und meinen vorherigen Überlegungen folgend wollen wir die alten Bande Simolds zu Gallstein und Höllenwall wieder stärker beleben. Ein Gespräch mit Siyandor soll weiteres klären. Der Posten Selinas als Hauptfrau muss schnell ersetzt werden, ihr Posten in Laskanshain soll vorerst etwas ruhen - ihr Säbel und Wimpel einen Ehrenplatz erhalten. Und den Berichten zu Lyns Erlebnissen zu Folge werde ich mich in der nächsten Zeit vermehrt mit Mythologie und sog. Schwurorten beschäftigen - vielleicht war Gerbenwald kein Einzelfall.

Die Dienste an der Göttin selbst fallen mir schwer nach dieser Queste und mit den mich quälenden Fragen im Kopf. Da ist ständig dieses Gefühl nicht würdig zu sein in ihren Augen, sei es ob meiner eigenen Unfähigkeit während der Queste oder der Annahme einer philosophischen Gesamtschande in meinem Blute. So traue ich mich nicht einmal ein paar würdige Worte für Selina zu sprechen, als Lyn mich darauf anspricht. Schon wieder fehlt mir der Mut, verwehrt mir die Göttin diesen oder schenkt sie mir ihren Segen nicht weil ich ihn mir nicht selbst nehme? Ich bin mit einem offenen Glauben an die Leuin aufgewachsen, doch jetzt zweifel ich ob mir dieser zusteht. Doch liegt mir auch der Glaube an ihren Sohn fern, wie es meine Volksgeschwister tun - dessen archaische Huldigung mich zwar fasziniert aber mir fremd ist. Also woher soll ich meinen Mut nehmen?

Da beschwingt es mich auch nur ein Stück weit dass Lyn und ihre Mitstreiter den Helm des rondra-heiligen Kashgars, ein nabachotischer Urheld, bergen konnten, was damit passiert steht noch aus. Lyn und ich plädieren dafür ihn den Nebachoten auszuhändigen. Ich bin da guter Dinge, denn der Gallsteiner und der Höllenwaller sind Freunde "meines" Volkes. Noch ein Grund die Beziehungen wieder zu stärken.

Lyn bestärkt mich immer wieder, wir werden gemeinsam den richtigen Weg finden. Denn Haselhain, die Nebachoten und Perricum brauchen Einheit wenn Eslam recht hat. Sie betet mir immer wieder vor niemals aufzugeben. Meine Antworten sind knapp. Sie wird nun erstmal nach Albernia reisen, zur Krönung, in ihre zweite Heimat. Ich dagegen werde mich - meine dringlichen Fragen zurückstellend - zurück nach Haselhain begeben. Mit gemischten Gefühlen, den quälenden Fragen und der Gewissheit im Schatten Simolds zu stehen und immer zwischen den Stühlen zu sitzen, aber genau deswegen muss ich zurück, weil es Siyandor wohl ganz ähnlich ergeht -wenn nicht mehr. Und vielleicht liegt daran die Stärke die ich suche, vielleicht ist zwischen den Stühlen immer noch der meiste Platz? Wie der Al'Haresh in Morganabad kündete - eine neue Zeit bricht an - und vielleicht ist das eine Zeit der Kompromisse, wie mein ganzes Leben. Und über allem schwebt die ständige Bedrohung - gewiss eine schwere Zeit.

Auf dem Rückweg werde ich noch in Dergelmund einkehren und mit der Bürgermeisterin über den Exilrat sprechen. Eine Bitte die mir dieser horasische Boroni stellte, ich weiß nicht was er damit bezwecken will, ich bin misstrauisch - aber ein Gespräch wird auch mir sicherlich mehr Klarheit über die Verhältnisse verschaffen.

In Haselhain werde ich damit beginnen mich in der Wehr zu üben, das leichte Leben ist vorbei, das haben mir die Tage gezeigt - vielleicht finde ich im Angesicht meines Schweißes ein paar Antworten?

 Wappen Mittelreich.svg  Wappen Markgrafschaft Perricum.svg   Wappen Baronie Bergthann.svg   Wappen Junkertum Ochsenau.png  
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23. Ing 1037 BF
Das Tagebuch eines Zweiflers
120 Herzschläge

Kapitel 7

Der Rapport eines Offiziers
Autor: Jan