Wider eigenen Willen - Eine böse Überraschung

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Dramatis Personae

Rondra 1034 BF, Königlich Halhof

Besser spät als nie, dachte sich Melina, als sie die heimische Burg Halhof erreichte. Die gesellschaftlichen Verpflichtungen hatten sie aufgehalten, weshalb sie die Tsatagsfeier ihres Vaters Hal von Ehrenstein um einige Tage verspätet erreichte.

Freundlich empfing sie ihr Vater. Seit dem einige Meilen Entfernung zwischen ihnen beiden lag, war ihr Verhältnis deutlich entspannter geworden.

Melina quälte ein wenig die Übelkeit, es konnte aber auch an den kaputten Reichsstraßen liegen. Die Kutsche sprang ziemlich häufig unsanft in die Höh, immer wenn das Rad erneut in eine übergroßes Schlagloch fuhr.

Sie verbrachte einige Tage im Kreis der Familie. Hatte sie sich den Magen verdorben? Denn die Übelkeit nahm mehr und mehr zu, es verging kaum ein Tag an dem sie sich nicht mehrmals übergeben musste. Sie war schwach, konnte kaum Essen zu sich nehmen, geschweige denn es bei sich behalten. Melina zog die Bettruhe vor, anstatt nach Rubreth zurückzureisen.

Besorgt ließ ihr Vater einen Medicus kommen, um ihre Krankheit, vielleicht war es sogar Dumpfschädel behandeln zu lassen. Nach einer eingehenden Untersuchung des Arztes schritt Hal von Ehrenstein unruhig in die Gemächer seiner Tochter und richtete seine Worte an den Mediziner. „Ist es schlimm? Wird es noch lange dauern?“

Der Medicus suchte die rechten Worte. „Es ist nicht schlimm. Nichts, was nicht schon viele Frauen durchgemacht hätten. Die Übelkeit sollte sich in einigen Monden legen.“

Geschockt schaute Melina zu ihm. „In einigen Monden? Was ist das für eine Krankheit?“, während der Kronvogt einwarf. „Was meint ihr mit viele Frauen haben das schon durchgemacht?“

Der Arzt schaute irritiert zu der edlen Dame. „Ihr habt keine Ahnung?“ als Melina ihr Haupt schüttelte setzte er fort. „Nun, dann möchte ich Euch beglückwünschen, ihr erwartet Nachwuchs. Die Herrin Tsa hat Euch ihren Segen erteilt.“

Verwirrt blickte Melina zu ihrem Vater, der puterrot anlief. „Melina, wie konntest Du. Wer hat Dir das angetan? Du bist nicht einmal verheiratet.“ Der Redeschwall ihres Vaters riss nicht ab. Melina versuchte einen klaren Gedanken zu fassen. Dann fiel es ihr ein. Das Turnier in Luring. Der junge Ritter Wolfaran von Ochs. Sie war damals nicht sie selbst, als sie sein Zelt betrat. Bei allen 12 Göttern, was hatte sie getan! „Der Vater des Kindes, ist er adelig?“ hörte sie ihren Vater fragen.

Melina von Ehrenstein, die noch immer geschockt von der Nachricht war, hauchte ihm ein leises „Ja“ entgegen. Der Halhofer verschränkte seine Arme hinter dem Rücken und trat Richtung Fenster, den Blick von seiner Tochter abgewandt. „Dann wirst Du ihn ehelichen, keine Diskussion.“

„Aber Vater“, entgegnete sie. Seine Antwort folgte prompt. „Du wirst ihn heiraten.“

Melinas Worte wurden deutlicher. „Er ist bereits verheiratet.“

Hal von Ehrenstein sah zu seiner Tochter. „Du hast Dich mit einem verheirateten Mann eingelassen – unverantwortlich. Denke doch an den Ruf, den Du zu verlieren hast.“

Kleinlaut blickte seine Tochter zu ihm. „Als ich mich rahjagefällig mit ihm verband, war er noch nicht verheiratet, aber ich hatte auch nicht die Absicht einen solchen Bund jemals mit ihm zu vollziehen.“

„Schweig!“, wütend fiel er seiner Tochter ins Wort. „Wer ist der Vater des Kindes?“

„Ich denke mein Bundesbruder Wolfaran von Ochs“, entgegnete Melina beschämt.

Hal von Ehrenstein schüttelte den Kopf. „Ein Ochs, sagst Du. Ich denke ich werde ein klärendes Wort mit ihrem Oberhaupt führen müssen, es kann nicht angehen, dass das Haus Ehrenstein allein die Bürde dieses Bastardes trägt. Aber Leobrecht ist ein Ehrenmann, er wird wissen, was ich von ihm und seinem Haus nun erwarte. Du hingegen wirst heiraten müssen, das Kind soll unter dem Deckmantel einer Familie das Licht Deres erblicken und ein vollwertiges Mitglied unserer Familie sein – kein Bastard.“

„Aber Vater, das kann nicht Dein Ernst sein? Ich habe nicht, vor den Traviabund zu schließen.“, zeterte die Landvögtin.

Hal zeigte ein Gesicht, welches keine Diskussionen zuließ. Melina kannte diesen Ausdruck aus früheren Tagen. Sie wandte sich ab. Hal schritt zurück zum Fenster. Nach einer Weile, die Melina wie eine Ewigkeit vorkam, sagte er mit deutlich ruhigerer Stimme. „Rondradan Helmar von Pfortenstein will sich in den nächsten Tagen bei mir vorstellen. Ich vermute, er will um deine Hand anhalten." Er schnaupte kurz und lächelte bitter. "Eine solche Partie hatte ich bisher nicht in Erwägung gezogen und eigentlich wollte ich ihm eine Absage erteilen. Aber in Anberacht der Umstände, werde ich wohl nun mit ihm einen Handel eingehen.“ Er schwieg einen Augenblick. „Der Ritter ist hochverschuldet, ich denke ich kann mit ihm reden, dass er das Kind als sein eigenes aufzieht. Als Gegenzug werde ich seine Schulden aufkaufen und Du wirst ihm einen angenehmen Lebensstil ermöglichen.“

Schockiert entglitt der Landvögtin ihr Gesicht. „Das kann nicht Dein Ernst sein. Vater ich bitte dich.“

Der Kronvogt stellte sich mit breiter Brust vor seine Tochter. „Es ist mir todernst. Du wirst ihn heiraten, so schnell wie möglich, bevor die Gerüchteküche in den Mündern des Hochadels überkocht.“

Texte der Hauptreihe:
K4. Eine böse Überraschung
15. Ron 1034 BF
Eine böse Überraschung
"Ich brauche Geld!"

Kapitel 4

Abbitte