Wespennest - Unerwarteter Besuch

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Fridega wurde von einem Pagen in einen Salon geführt, wo sie auf den Hausherrn warten sollte. Dieser erschien auch sogleich wenige Minuten später, so dass sie nicht lange warten musste.

"Ah, Frau Fridega", grüßte Balrik freundlich und lud sie mit einer Geste ein sich doch zu setzen. "Was führt denn die Secretaria des Cantzlers in mein bescheidenes Heim?"

"Man hat mir gesagt, dass Ihr gerne gleich auf den Punkt kommt, Wohlgeboren", meinte Fridega und nickte bestätigend. "Nicht lange um den heißen Brei ..." Sie nahm die Einladung an und setzte sich Balrik gegenüber. "Nun, um es gleich vorneweg zu nehmen: Es geht um meinen Vater."

"Ach ja?" Eine von Balriks Augenbrauen hob sich.

"Ich kenne den Aufenthaltsort meines Vaters", sagte sie.

Balrik war überrascht. "Und Ihr wollt ihn mir sagen?"

Frigeda verzog keine Miene. "Natürlich, Wohlgeboren!", sagte sie kühl. "Schließlich gilt meine Treue der Krone und nicht einem Verräter am Reich!"

Balrik hob abwehrend die Hände. "Zweifelsohne! Ich wollte nichts andeuten; wir dienen schließlich alle der Krone. Nur glaube ich, dass es einer Tochter schwer fallen muss, sich gegen seinen Vater zu stellen – auch wenn er ein Verräter ist. Schließlich ist es noch immer der Vater ... Aber ich sehe schon, ihr seid fest entschlossen. Sonst wäret Ihr wohl nicht zu mir gekommen."

"So ist es!" Fridega saß aufrecht da und ließ sich nichts anmerken, "es sei denn, Ihr hättet zu Reichsverrätern, und wie man mit ihnen umgehen sollte, eine andere Ansicht?"

"Nein, natürlich nicht. Oh, wo sind nur meine Manieren geblieben?!" Balrik stand auf und schritt zur Komode. "Ich habe Euch noch nichts zum Trinken angeboten!"

"Danke, aber nicht nötig" begann Frigeda, doch Balrik schenke bereits Wein in zwei Becher ein.

"Nein, das gebietet die Höflichkeit", meinte er nur. "Aranischer Wein", sagte er und reichte ihr einen der Becher. "Wenn er Euch nicht zusagt, ich hätte auch Arivorer Blut oder auch einen Goldfelser Morgenrot. Oder spricht Euch der Bosparanjer mehr zu?" Frigeda blickte auf, Balrik bot ihr noch immer den Becher an. Kurz war sie geneigt sein Angebot mit dem Bosparanjer anzunehmen, doch dann ergriff sie den Becher, den er ihr anbot.

"Nun," meinte er schließlich, als er sich wieder gesetzt und einen Schluck getrunken hat. "Wo befindet sich denn Euer Vater?"

"Bevor ich es Euch sage, möchte ich Euch noch um einen Gefallen bitten."

"Und der wäre?"

"Erwähnt gegenüber dem Cantzler, dass ich Euch in dieser Sache geholfen habe."

Balrik nickte. "Das werde ich", versprach er.

Nun trank auch Fridega einen Schluck bevor sie fortfuhr. "Nun, mein Vater befindet sich in einem Gut etwas außerhalb von Gareth, bei Aveshain genauer gesagt. Das Gut gehörte bis vor kurzem der Familie Groterian, doch wurde es kürzlich von Herdan von Zeryenburg erworben."

"Verstehe. Glaubt Ihr dass er vom Verrat Eures Vaters weiß?", fragte Balrik.

"Das werdet Ihr gewiss ohne mich herausfinden, Wohlgeboren", deute Fridega ein Lächeln an.

Gedankenverloren drehte Balrik seinen Becher in Händen.

"Was werdet Ihr nun tun?", fragte Fridega, und Balrik blickte wieder auf.

"Ich werde mir das Gut erst einmal näher ansehen", sagte er. "Abschätzen, mit was wir hier zu tun bekommen, und wenn möglich Euren Vater festnehmen, damit er vor ein Gericht kommt. Wenn es gut läuft, ist es in einer Woche vorbei."

Fridega nickte. "Verstehe. Sehr gut", sagte sie und machte Anstalten aufzustehen. "Wenn Ihr noch etwas benötigt, dann sagt mir Bescheid. Ich gehe nun wieder zurück in die Kanzlei."

"Natürlich." Auch Balrik stand auf. "Den Kanzler sollte man nicht warten lassen", sagte er freundlich. "Ich begleite Euch noch bis zur Tür."

Das tat er auch. Als Fridega durch die Eingangstüre trat und sich auf den Weg machen wollte, hatte Balrik noch eine letzte Frage: "Eines verstehe ich noch nicht so ganz, Frau Fridega." Sie wandte sich noch einmal um. "Wieso hat der Cantzler nicht selbst etwas gegen Euren Vater unternommen? Im Gegensatz zu mir hatte er schließlich die besseren Möglichkeiten ihn schnell und sicher festzunehmen. Warum aber hat er nichts dergleichen getan?"

"Wie kommt Ihr darauf, er hätte nichts getan? Seid Ihr dem Verräter nicht dicht auf den Fersen?" Sie lachte glockenhell und trat auf die Straße. Als die Türe geschlossen war, verfinsterte sich Balriks Gesicht. Ein oder zwei Augenblicke stand er hinter der Tür und überlegte. Dann rief er Belgos.

"Wir müssen heute Nacht zuschlagen", sagte er, als dieser erschienen war. "Wir werden nicht mehr länger warten."