Wertester Bruder

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Halina von Hartsteen an Alrik von Hartsteen, Leiter des Instituts der Hohen Schule der Reiterei zu Gareth. Grüße.
 
 
 
 
Wertester Bruder,

die Botin mit der ich Euch diese Zeilen übersende, möget Ihr mit Freude und väterlicher Liebe empfangen, handelt es sich doch um meine liebe Tsalina. Sie hat sich für ein geistliches Leben im Dienste der Ewig Jungen entschieden und soll auf ihrer Reise nach Punin bei Euch vorsprechen. Ich weiß, die Vorbereitungen auf den entscheidenden Kampf wider den Erzverräter Haffax benötigen Eure Aufmerksamkeit, aber ich hoffe, Ihr könnt ein wenig Eurer Zeit für sie erübrigen oder wenigstens ein Treffen mit ihrem Bruder Adhumar ermöglichen. Erinnert ihn bitte zugleich an seine Sohnespflicht gegenüber seiner Mutter, die es nicht erträgt, wenn er allzu lang nichts von sich hören lässt.

Um meiner eigenen Pflicht genüge zu tun will ich Euch nun ein wenig über die Vorgänge hier in Hartsteen und insbesondere in Hutt, das uns beiden insbesondere nahe ist, unterrichten.

Luidor ist wieder krank und kann sich kaum den Amtsgeschäften widmen, was einigen hier am Hofe sehr zu pass kommt. Mein Gemahl müht sich zwar treu und redlich um das Wohl der Grafschaft, aber er kann nicht überall zugleich sein, und Ihr wisst so gut wie ich um seine Grenzen. Umso mehr erstaunt es mich, dass unser Bruder immer wieder so viel Vertrauen - auch in heiklen Angelegenheiten - in ihn und sein Urteil setzt. Davon ein andermal mehr.

Es schmerzt mich sehr, Euch schreiben zu müssen, dass Euer Getreuer und vormaliger Burghauptmann, Gerbald von Windischgrütz, am 11. Tage der streitenden Göttin zu Boron gerufen wurde, möge er in Frieden ruhen. Auch wenn dieses Ereignis nun angesichts seines Alters nicht sonderlich überraschen vermag, so wisst Ihr genauso gut wie ich um die Bedeutung dieses ehrenhaften Mannes für die Geschicke in den Hutter Landen. Mit ihm geht der letzte Ritter der einst stolzen Familie Windischgrütz dahin. Gerbald wurde in der Gruft seiner Vorfahren beigesetzt, wozu sich der Allingen auf Kesseling bereit erklärt hatte. Großzügig, wie er meinte, dabei war es doch das Mindeste! Auch wenn unser Bruder die neuen Verhältnisse großzügig sanktioniert hat, auf dass Frieden in unser geliebtes Hartsteen einziehe: Für mich werden diese Leute immer Mörder meines geliebten Bodebert und Räuber am Erbe meiner Kinder bleiben. So leben sie nun verstreut ein jedes für sich und mein Mutterherz leidet, da es sich nicht mehr an ihnen erfreuen kann. Immerhin weiß ich Adhumar in Eurer Hut und auch um Tsalina ist mir nicht allzu bange.

Mehr Sorgen bereiten mir die dunklen Zeichen, die sich dieser Tage oder vielmehr Nächte zeigen. Euch in der Stadt, deren Lichter niemals verlöschen, mag es bisher entgangen sein. Umso deutlicher sind diese Omen hier zu beobachten und bereiten den Gelehrten wie den Gemeinen großes Kopfzerbrechen. Keiner weiß sich einen Reim darauf zu machen, dass die Sterne flackern wie Fackeln im Wind und es greift Unruhe um sich. Doch letztendlich liegt doch alles in der Hand der Zwölfe und folgt ihrem Ratschluss. Uns obliegt es nur, die uns übertragenen Aufgaben nach ihrem Willen zu erfüllen, so gut und so lange wir es vermögen.

Vor allem darum aber rate ich Euch dringend, dass Ihr diesen Herbst nach Hartsteen kommt und Eure Güter besucht: Die erneut gute Ernte lässt die Bauern schnell vergessen, was sie ihrem Herrn billigerweise schuldig sind und die Schulzen könnten durch Eure lange Abwesenheit nur zu leicht zum Mittun in diesem ungebührlichen Treiben verleitet werden. Wahrlich, die Fehdejahre haben das innige und feste Band des Vertrauens zwischen Herren und Knechten gelockert und es bedarf großer Anstrengung, dieses wieder so eng zu knüpfen, wie es vordem gewesen. Dass dies bitter not tut, ist umso offensichtlicher, als die Räuber im Feidewald - insbesondere dieser Eichenblatt - wieder dreister werden. Zuletzt wurde sogar der Gildenmeister von Appelhof entführt und kam erst nach Zahlung eines Lösegeldes frei.

Doch genug von derlei unerquicklichen Dingen. Bestellt Eurer Gemahlin unseren Gruß und ebenso unserer Schwester, die, wie ich höre, zur Zeit ebenfalls in Gareth weilt. Und so verbleibe ich mit schwesterlichen Grüßen,
 
 
 
 
Eure Halina

Gegeben zu Hutt, am siebenten Tage vor dem Fest der eingebrachten Früchte anno 1039 BF

PS. Wenn es Euch beliebt, so lasst doch die Kleinigkeiten, die ich Tsalina zu besorgen aufgetragen habe, nach Hutt senden. Das Angebot beim Klausentrift in Hartsteen ist nach wie vor eine Katastrophe und bei Grebelsteen oder Quandt kaufe ich ja aus Prinzip nicht, wie Ihr wisst.