Weggefährten sammeln sich

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Perricum, Baronie Brendiltal, Besh’hassal Ammay’shar (Sitz des Barons)

Dramatis Personae

Rashim streckte sich gerade und genoß die wohltuende Sonne. Er lag auf einem Diwan im weitläufigen Garten von Besh'hassal Ammay'shar, und freute sich, dass es ihm gelungen war sich von seinen Pflichten – wenn auch nicht gänzlich ohne schlechtem Gewissen – zu drücken und hier im Schatten der Bäume den Nachmittag an sich vorüber ziehen zu lassen. Hach, dachte er sich, was konnte das Leben doch schön und angenehm sein und döste so langsam ein…

„RASHID!“

Die Stimme Ra’ouls von Brendiltal riß ihn geradewegs aus dem Schlaf. Sogleich sprang Rashid auf und stammelte noch leicht schläfrig irgendeine Entschuldigung, als er mit einem Fuß am Diwan hängen blieb und gerade über denselben fiel. Unbeholfen rappelte er sich wieder auf, gerade in dem Augenblick als Ra’oul um die Ecke bog und dem Diener gewahr wurde.

„Ah hiär bist Du!“ Stellte der Baronet fest.

Rashid hatte sich bei seinem Sturz etwas die Hüfte angeschlagen, doch versuchte er dies mit zusammengebissenen Zähnen zu verbergen. Geschickt glättete er den Bezug des Diwans ein wenig, schüttelte die Kissen auf und bot Ra’oul den Platz an. Dieser bemerkte überhaupt nicht, dass Rashid gerade selbst dort gefaulenzt hatte, sondern dachte sich, dass der Diener besonders aufmerksam war und den Platz soeben für ihn hergerichtet hatte.

„Danke main Freundt!“ Überschwänglich ließ Ra’oul sich auf den Diwan fallen, während Rashid das Lob still hinnahm.

„Du mußt einigä Schraiben fir mich aufsetzen und versänden Rashid!“

„Abär natirlich.“ Rashid – zunächst froh, dass sein Schläfchen unbemerkt und damit die folgende Ohrfeige ausbleiben sollte – kam nun doch ins Schwitzen, als er bemerkte, dass ihm sein mit Wachs verschlossenes Tintenfässchen aus der Tasche gefallen sein mußte, als er auf dem Diwan lag und nun Ra‘oul auf eben demselben lag. Rashid wurde heiß, als er bemerkte, dass das Fässchen zerbrochen war und sich ein breiter Tintenfleck auf Ra’ouls kostbaren Mantel breit machte.

Nicht gänzlich bei der Sache, holte er ein Notizbüchlein und einen Kohlestift hervor und wartete auf das was er nun zu hören bekommen solle.

„Wie Du ja waißt befindät sich Chaliba geradä zu bäsuch und gemainsam wärden Lyn und ich mit ihr gän Sturmfäls raisen um ihre Kandidatur zur Marbena (Baronin) zu unterstitzän.“

„Ja Härr!“ Bestätigte Rashid und beobachtet wie der Fleck als größer wurde.

”Sätze als erstes ain Schraiben an Malepartus und Irean auf. Die beidän wärden wohl gemainsam raisen und es macht Sinn, wänn wir uns ärst am Sturmfäls treffen. Schraibä auch rain, dass Chaliba kandidierrt und dass sie als Unterstitzung für das Haus Brendiltal gärne gesähen wärden.“

„Herr?“

„Ja Rashid?“

„Äh..“ Versuchte der Diener sich nun auf seine Aufgabe zu konzentrieren. „Ich habä gehert, dass die Schwäger‘n des Hellenwallers aber fir Korhilda sain soll.“

„So?“ Ra’oul dachte kurz über diesen Einwurf nach, winkte dann aber ab.

„Das isdt glaich. Malepartus wird die Treuä zu den Peley’shar (Pulethaner) nicht brächen.“

„Suoll ich erwähnen, dass Du und där Marben (Baron) es wart, die unter andärem dafir gesorgt haben, ihn aus Osenbick zu bä’freien?“

„Nein natirlich nicht!“ Winkte der Baronet ab. „Malepartus ist kain Kleingeist. Är wird das wissän und entsprächend handeln. Ich kennte mir sogar vorstellen, dass är saine Schwägerin dazu bringt ebenfalls fir Chaliba zu sain. Schließlich hat är die Hosän in Hellenwall an.“

Der Diener nahm dies kommentarlos hin, während Ra’oul fortfuhr.

„Danach schraibst Du noch an Aldron von Firunslischt. Erläuterä ihm Chalibas Kandidatur und die Vortaile die äs mit sich bringt, wuenn ain starkes Haus sich um dän Schutz vor dän WIldän am Wall kimmärt, duass beraits Erfahrung in der Fär’kina-Jagd huat. Ladä ihn auch ain, duass är gärne als Gast auf Besh’hassal Ammay’shar gesähen ist, so är gen Sturmfels raitet und wir dän rästlichen Weg gemainsam anraisen kennen.“

Ra’oul schaute jetzt nachdenklich in das Dach von Zweigen und Blättern, dass sich über ihn erhob und dafür sorgte, dass es recht angenehm schattig war. Rashid dagegen sah ängstlich mit einem Auge, dass sein Herr nun gänzlich mit dem Rücken in der Tinte lag, während er sich Notizen machte.

„Rasid, danach schraibä auch an dän Al'Haresh, duass wir uns an der Anreisä mit unsären Ammayins (Krieger) gärne untär sainem Schutz begäben.“ Rashid stutzt bei diesen Worten, war der Al’Haresh zwar geistiger Führer der Nebachoten, doch alles andere als ein Krieger mit Feuer und Schwert. Dann verstand er den Wink Ra’ouls, dass dieser damit auf respektvolle Weise dem alten Al’Haresh den eigenen Schutz auf der Reise anbot.

„Und danach sendä ain Schraiben an Marnion ai Kel’zen Djer (Marnion von Kelsenstein). Ladä ihn ain, äbenfualls Chaliba zu unterstitzän. Er kennt die Beshir a’Danal (Familia Brendildal) und wird eine Verbindete um den Kampf am Wall zu schätzen wissän.“

„Dän Spinnär willst Du fragän?“ Fragte Rashid ungläubig und hätte dafir fast eine Ohrfeige kassiert, doch er versuchte den Baronet gleich wieder zu beruhigen. „Äh, ich mainä där Marben wäre daribä sicherlich nicht erfräut. Die Kel’zen Djers suollän doch säbst halbä Wildä sain.“

„Daher schraibä ja auch ich ihn an und nicht Vatär.“ Knurrte Ra‘oul nun doch verärgert. „Ich känne Marnion nuoch aus där Zai als wir baidä am Grafenhof ausgäbildet wurdän. Sainä Ansichtän sind manchmal sältsuam abär är ist ain fahiger Kriegär und ein gutär Verbindetär.“

„Ja Härr.“Beschwichtigte der Diener weiter und schrieb eiligst in sein Büchlein. „Suoll ich noch an jemandän etwas schraiben?“

„Hm?“ Ra’oul ging im Geiste die ihm bekannte Liste von Personen durch, die zum Kampf wider des Giganten bisher zu erwarten sind. „Nein, eigäntlich… Oder wartä… Duoch! Schraibä noch an dän Marbän von Fell‘senkaer (Baron von Vellberg). Nuach alläm wuas ich gehert habä soll är ebenfualls ain fähiger Ammayin sain. Sainä Tochtär suoll sich sogar auf der Jagd nach däm Untier am Darpat bä’finden. Auch är dirfte daran intäressiert sain wuenn aine starkä Hand am Wall ihm dän Rickän fraihält.“

Rashid verbeugte sich dann eifrig und gab vor sich sofort an die Arbeit zu machen.

Geschwind rannte er durch den Garten und war schon fast beim Haus angelangt, als er hinter sich Ra’oul erbost seinen Namen schreien hörte. Ra’oul hatte die Tinte nun wohl doch bemerkt. Entmutigt ließ er seine Schultern hängen. Hach, das Leben war doch ungerecht….