Geschichten:Was bleibt und was wird

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Elissas Genesung erfolgte langsam, in winzig kleinen Schritten, unter der Obhut und Pflege sowohl der Akoluthen als auch der Geweihten im Kloster des Vergessens.
Selbst die, „Stiefmutter“ der Baronin unterstützte diese durch häufige Besuche und zunehmend längeren Gesprächen bei ihrer Gesundung, sehr zur Freude von Kalina Niodas, die diese Annäherung mit Wohlgefallen – auch in Hinblick auf den weiteren Genesungsprozess – betrachtete.
Fredegard war es auch, die auf Bitten der Äbtissin das Gespräch mit Sequim, Elissas Gemahl, suchte. Sie informierte ihn über die vor einiger Zeit erfolgte schwere Pilzvergiftung, der die Baronin aufgrund eines Fehlers bei der Zutatenauswahl des Kochs auf Burg Mallvenstein zum Opfer gefallen sei. Aus Scham und Angst vor einer Bestrafung sei dieser dann aus der Baronie geflohen und konnte bisher trotz aller Bemühungen nicht wieder aufgefunden werden, wie die Alt-Baronin mit großem Bedauern berichtete.
Sequim besuchte Elissa nach dieser schweren Kunde mehrmals, dabei einerseits sichtlich um ihr Wohlergehen besorgt, andererseits aber auch ein wenig hilflos wirkend, da er nicht so recht wusste, wie er seiner Gattin in dieser für sie schweren Zeit beistehen könnte. Wieder war es Fredegard, die Rat wusste und ihm empfahl, zumindest für einige Wochen nach Vellberg zu reisen und dort nach dem Rechten zu schauen, auch wenn dies bei einem so erfahrenen und bewährten Verwalter wie Norholt von Rickenberg wohl nur eine, wenn auch wichtige, Formalie sei. Der Baron nahm den Vorschlag an und reiste für einen knappen Mond in das Lehen seiner Gemahlin, nur um festzustellen, dass dort alles in gleichermaßen bester wie langweiliger Ordnung war und die einzige Entscheidung, die er zu fällen hatte, die Einstellung einer neuen Köchin für Burg Mallvenstein betraf. Nach Sequims Rückkehr in die Reichsstadt besuchte er Elissa – deren Zustand ihn zunehmend zu überfordern schien – nur noch gelegentlich und widmete sich stattdessen wieder verstärkt seiner Tätigkeit als markgräflicher Archivar, wozu ihm die Alt-Baronin gleichfalls geraten hatte, um auf andere Gedanken zu kommen und da Sequim seiner Gemahlin ohnehin nicht helfen könne.
Die seltener gewordenen Krankenbesuche ihres Gemahls hatte Elissa durchaus registriert, was eine gewisse Entfremdung zwischen den Eheleuten zur Folge hatte, da die Baronin davon ausging, dass er an ihrem Schicksal wenig bis gar kein Interesse hegte.

Von Fredegard erfuhr die Baronin auch vom Verlust ihrer Halbgeschwister: Selinde war Opfer eines offensichtlichen Raubmordes geworden, woraufhin Ugdalf vor Gram als Oberst des Bombardenregiments demissionierte, dem Junkertum Rotbach entsagte und in Diensten des Reiches in den Süden reiste. Wie seine Mutter weiter berichtete, tat er dies, um sowohl im übertragenen als auch wörtlichen Sinne Abstand vom Tode seiner Schwester zu gewinnen. Die Abreise ihres Halbbruders löste bei der Baronin ein Gefühl der Erleichterung aus, hatten die Spannungen zwischen ihnen beiden dadurch nun – hoffentlich – ein Ende gefunden.
Das Ableben Selindes hatte Elissa hingegen mit großer Betroffenheit aufgenommen. Insbesondere der Umstand, dass sie keine Gelegenheit mehr bekäme, der Baroness für ihre Rettung zu danken, sollte der Herrin zu Vellberg noch lange zu schaffen machen. Kurz bevor sie das Kloster verließ, stiftete die Baronin ihm ein aufwendig gestaltetes Epitaph für ihre Halbschwester sowie eine stattliche Summe Geldes.

Erst im Ingerimm war Elissa soweit genesen, dass sie als weitestgehend geheilt entlassen werden und nach Vellberg zurückkehren konnte. Doch wie jede schwere Verletzung hinterließ auch diese ihre Narben. So war die Baronin Fremden gegenüber nun weitaus misstrauischer eingestellt als zuvor und bereitete sich ihre Speisen fürderhin entweder selbst zu oder ließ dies zumindest penibel überwachen. Zudem hatte die Adlige eine tiefsitzende Angst vor dunklen Räumen entwickelt, welche dazu führte, dass ihr Schlafgemach des Nachts stets hell erleuchtet sein musste, um ihr das Einschlafen zu ermöglichen. All dies führte auch dazu, dass Elissa insbesondere außerhalb ihrer vertrauten Umgebung zumeist deutlich ernster und zurückhaltender auftrat als bisher.
Zurück auf Burg Mallvenstein vergab sie das nunmehr vakante Junkertum Rotbach in Absprache mit deren Vater Timshal an Melinara, das zweitgeborene Kind Selindes, um dieses mit einem angemessenen Lehen auszustatten, würde die Erstgeborene Leonore doch dereinst den Baronsreif von Zackenberg erhalten.

Fredegard wurde Elissa zu einer mütterlichen Freundin und die beiden Frauen besuchten einander diverse Male in der Folgezeit, wobei die Baronin bei der Älteren gelegentlich auch Rat (nicht nur) die Verwaltung ihres Lehens betreffend suchte. Bei ihrer ersten Reise nach Burg Mallvenstein überreichte die alte Baronin der neuen gewissermaßen als äußeres Zeichen der Aussöhnung das Familienschwert, welches sich bisher in Ugdalfs Besitz befunden hatte. Die Ältere verzichtete auf eine Erklärung und die jüngere fragte auch nicht danach.

Selindes Kinder waren nach der Kunde über den Tod ihrer Mutter schlicht am Boden zerstört, zumal sie fast gleichzeitig auch ihre Kinderfrau, an der sie ebenfalls sehr hingen, durch einen tragischen Unglücksfall – ein Treppensturz, der mit einem Genickbruch endete – verloren hatten. Doch erwies es sich für die Geschwister und ihren nur selten in Zackenberg weilenden Vater als wahrer Glücksfall, dass sie auf Vermittlung von Selindes Mutter ein neues Kindermädchen erhielten, welches zwar selbst noch sehr jung war, dafür aber bereits außerordentlich erwachsen wirkte und rasch sowohl die Herzen der Kinder als auch das Vertrauen ihres Vaters zu gewinnen vermochte.

In Yar'dasham fand Ugdalf Ruhe und spirituelle Erleuchtung. Verblendeter Zorn und kurzsichtiger Hass, die sein Denken allzu lange beherrscht hatten, fielen nach und nach von ihm ab und er fand Erfüllung darin, über das Heiligtum seines Gottes zu wachen, sich um die allmählich wachsende Zahl an Gläubigen zu kümmern und von Zeit zu Zeit ein oder zwei gar zu hartnäckige Ketzer der göttlichen Gerechtigkeit zuzuführen.
Der anfängliche Wunsch, dereinst wieder in die Markgrafschaft zurückzukehren, verblasste allmählich zu einem fernen Echo aus einem früheren Leben, welches ihm mittlerweile fremd geworden war.

Auf Burg Barbenwehr freute sich derweil ein Hauptmann über seine unerwartete Beförderung zum Oberst (und seine Gattin noch viel mehr), doch musste er schnell erkennen, das alles buchstäblich seinen Preis hat und Wissen Macht bedeutet – und er wusste kaum etwas ...