Wölfe und Opferlämmer

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Weihenhorst, am 2. Peraine 33 Hal (1026 BF.)

Missmutig stapfte Ralbert die Treppe hinunter, Garwin und Yalinda folgten ihm. Am Ende angekommen öffnete er die Treppe, ließ seine Anverwandten hindurchtreten und schlug die Tür laut hörbar zu, ungeachtet der Tatsache, dass er sie Baron Felian Prutz von Quastenbroich damit beinahe vor den Kopf stieß.

»Eine lächerliche Farce ist dieses! Diese Greifenfurter haben doch von Kriegsführung nicht ein Spur Ahnung! Reden sich die Köpfe heiß, ohne über die eigentliche Gefahr nachzudenken, würden den Plaue am liebsten noch einen Kopf kürzer machen und wundern sich dann über den allgemeinen Unmut. Es ist doch vollkommen gleich, unter wessen Banner sie reiten, Hauptsache sie reiten und kämpfen für das Reich! Aber nein, das sind ja keine Tobrier mehr!«

»Hätte nur noch gefehlt, dass sie uns auch noch zu Streitern der Mark erklärt hätten, aber dann hätten sie was erleben können! Kein Wunder, dass der Ork die Mark damals überrannt hat...« Yalinda schien die Auffassung ihres Oheims zu teilen.

»Trotzdem sind sie halsstarrig und uneinsichtig! Warum sonst waren sie wohl zu stolz, Plaues Vorschlag einfach zuzustimmen? Und nun reiten sie doch nach Weiden!« Der Heermeister der Ritterschaft des jüngeren Hauses Streitzig war zornig, und das kam nicht allzu oft vor – wenn aber doch, dann umso heftiger.

»Und was machen wir, Vater?« Garwins Frage bremste Ralberts Zorn etwas, wenngleich er weiter unbeherrscht klang.

»Wir reiten mit, was denn sonst. Irgendjemand muss ja ein wenig für Ordnung sorgen, und schließlich wollen wir den Schwarzpelz ja nicht in Kürze in Waldstein hocken haben. Und denk an die Jahre, da Dergelquell von unserem Hause verwaltet wurde; es ist nur recht, dem Herzogtume zu Hilfe zu eilen.«

»Und was ist mit Plaue?« fragte Yalinda.

»Der ist unschuldig, da sieht doch ein Blinder. Aber das ist ja wieder typisch für die Märker. Haben wahrscheinlich wieder zu lange in die Sonne gestiert und sich dabei die Augen verdorben in ihrem praiotischen Gerechtigkeitswahn!«

»Aber er konnte seine Unschuld nicht beweisen«, warf Garwin ein.

»Na und? Damit er gilt er als schuldig, ganz gleich, ob er es nun war oder nicht. Und ich sage: Er war’s nicht. Warum auch?«

»Also hat ihm jemand die Rolle des Opferlammes zugedacht und alle Schuld auf ihn gelenkt.« Es klang eher nach einer Frage denn nach einer Feststellung.

»So sehe ich das. Stellt sich nur die Frage, warum dies geschah.«

»Das werden wir wohl auch nicht klären können.« Yalinda scharrte mit der Stiefelspitze auf dem Burghof herum.

»So ist es. Also sehen wir lieber zu, dass wir klären, wie es für uns weitergehen soll. Die Ritter werden mit dem Nebelsteiner gen Weiden reiten; allemal besser, als hier nutzlos herumzusitzen, dann dafür sind wir nicht hier. Die Söldner?« Der Heermeister blickte seine Nichte fragend an.

Yalinda seufzte. »Wir bleiben hier. Ich würde zwar gerne mitreiten und es den Schwarzpelzen zeigen, aber ich kann ja meine Jungs und Mädels nicht alleine lassen.« Man sah der Kommandantin an, dass ihr diese Entscheidung nicht wirklich behagte und sie lieber das Schwert geschwungen hätte.

»Dann sollten wir zusehen, dass wir unsere Anverwandten hierher bekommen und einen Boten nach Greifenfurt senden«, fuhr Ralbert fort; Garwin und Yalinda nickten zustimmend.

»Ich werde reiten und sie holen« ertönte eine Stimme hinter dem Heermeister. Ralbert drehte sich um und erblickte Wulfhardt, einen Ritter der Familie, welcher gewöhnlich auf Reisen unterwegs war und den es nun ebenfalls in die Mark verschlagen hatte. Garwin hatte ihm bereits berichtet, das Wulfhardt auch in Weyhenhorst weilte, doch waren sie sich noch nicht über den Weg gelaufen. »Und wenn es recht ist, werde ich mit nach Weiden reiten.«

Ralbert reichte Wulfhardt die Hände. »Sei mir gegrüßt, alter Knabe. Natürlich ist es recht, wenn Du uns begleitest; ein Schwert mehr kann nicht schaden.«

»Dann lasst uns nicht länger warten. Ich werde mich sogleich auf den Weg machen. Die Greifenfurter instruieren auch bereits ihre Hauptleute, ich denke, es ist Zeit«, entgegnete Wulfhardt. Er schlug Garwin und Yalinda auf die Schulter. » Und ihr Kinder werdet auch immer größer...« Mit einem Gruß wandte er sich ab.

Ralbert, Garwin und Yalinda blickten ihm hinterher, bis er durch das Tor verschwunden war. Schließlich diskutierten sie noch eine ganze Weile weiter, bis schließlich zum Mahl gerufen wurden...

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Texte der Hauptreihe:
K3. Wölfe und Opferlämmer
2. Per 1026 BF
Wölfe und Opferlämmer
Nach der Gerichtsverhandlung von Weihenhorst

Kapitel 3

Autor: CD