Vertraute der Krone - Schreie der Adler, Raunen des Windes

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Bergthann, Firun 1038 BF

Er drehte die schimmernde Klinge immer wieder so, dass sich die Fackeln der Halle darin reflektierten und das feine Muster des nach tulamidischer Art gefalteten Stahls offenbarten. Eine Meister für eine solche Schmiedekunst war vor über tausend Jahren sicher ebenso, wenn nicht noch schwieriger zu finden gewesen, wie er es heute wäre.

Leobrecht konnte es nicht verbergen: Seit er die Klinge trug, war ein anderer geworden. Es schien als hätte sein Leben ihn nur auf den Moment vorbereitet, in dem die Rondra-Kirche ihm das Schwert überreicht hatte. Er hatte nachts nun oft Wahrträume, und auch in anderen unbedachten Momenten spürte er, wie seine Gedanken von der Macht der Klinge abgelenkt wurden.

Es war, wie es ihm die Tochter Alwenes auch seinerzeit von ihrer Mutter berichtet hatte. Manchmal stand er einfach mit gezogenem Schwert in den Vorgebirgen der Trollzacken und spürte diese unglaublich alte Macht. Und genau dann meinte er die Schreie der Adler zu verstehen, das Raunen des Windes. Und er sah die Muster in den Felsen.

Leobrecht starrte zu seinen Füßen auf den zerknüllten Brief des Cantzlers. Bogenbrück interessierte ihn überhaupt nicht. Ein großer Haufen Adeliger die sich in Macht und Intrigen verstrickten, Schatten seines alten Lebens. Und doch waren es gerade diese, denen er versuchen musste zu erklären, was er eigentlich nur im hintersten Winkel seines Herzens zu verstehen begann.

Der Schlüssel dazu waren die Legenden, die alten Lieder: Sie vermittelten die alten Kräfte stärker, als es dahingesprochene Wörter vermochten. Und Leobrecht würde auch einen Verbündeten finden, denn Feuerschlags neuer Träger würde ebenfalls dort sein. Wenn ihm die Götter hold waren, hatte dieser ebenfalls die Veränderungen gespürt, oder würde sie spüren, je näher er dem Wall kam.