Vertraute der Krone - Ein schaler Witz mit X

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Im Zedernkabinett, Anfang Firun 1038 BF

Es war heiß geworden im Kabinett, denn immerhin hatten die Mitglieder des Zedernkabinetts einig Stunden getagt. Neben allerlei kleinen Dingen hatten vor allem vier Buchstaben die Tagesordnung bestimmt: A, F, H und X. Diesen schalen Witz riss zumindest Gerwulf von Gareth, der als Reichsvogt de Alriksmark in dem Kreis saß (»und als Vertreter des Kaiserhauses«, wie er sich aufgeplustert hatte). Es war Cantzler Horulf selbst, der müde aus den Buchstaben H-A-F-F-A-X formte, zwei Buchstaben doppelt benutzt.

Jedenfalls war es heiß geworden an diesem Wintertag: Die beiden Kamine waren gut befüllt worden (die Diener hatte Horulf wegen ihrer guten Ohren ausgewählt), und zwölf Personen hatten ihre Körperwärme überdies hinzugegeben. Zwölf, nicht zehn, denn Alarich von Gareth-Sighelmsmark hatte darauf bestanden, seine beiden Schreiber mit ins Kabinett zu bringen, immerhin sei er jetzt ja des Reiches Erzkanzler. Horulf hatte durchaus bemerkt, dass Alarich zwei Schreiber mit Arbeit überhäufte, der Cantzler Garetiens aber nur einen … Er zuckte einmal mehr die Achseln. Seine Schreiberin war eifrig, fleißig und verschwiegen. Er brauchte kein zweite.

»Na gut, da wären wir dann«, sprach Alarich geschäftsmäßig aus und erhob sich. »Es war mi wie immer eine Freude, meine Damen, meine Herren ….« Darauf hatte Horulf gewartet. Die ganze Zeit schon hatte es ihn gewurmt, dass an seiner Tafel jemand anderes die größten Reden zu schwingen sich befleißigte; darum hielt er den Cantzler barsch auf: »Moment, das Kabinett ist keineswegs schon entlassen.«

Hätte er dem Sighelmsmärker eine Ohrfeige verpasst, hätte die Wirkung seiner Worte kaum drastischer ausfallen können. Alarich zuckte beinahe, ehe seien Selbstbeherrschung ihn zu einem Lächeln zwang und er sich wieder setzte: »Verzeiht, Dom Horulf, ich hatte es nur eilig, weil die Kaiserin meinen Bericht erwartet und ich überdies mit Dom Helmar Goldenstein inspizieren und mit Graf Ingramm sprechen muss …«

»Gewiss, Dom Alarich, es soll ja auch nicht lange sein. Ich muss dann ja auch los, weil die Königin meinen Bericht erwartet, ich mit Dom Ugo das Arsenal inspizieren und mit Graf Ingramm sprechen muss«, erwiderte Horulf maliziös. Ehe Alarich erneut antworten konnte, seufzte Oldebor von der Raulsmark, stöhnte Rondriane von der Gerbaldsmark, ächzte Alara von Ochsenblut - und Horulf sprach hastig weiter:

»Ich erhielt Nachricht über Ort und Zeit der kaiserlichen Heerschau, wir sollten also unsere eigene festlegen.«

Alarich spitzte die Ohren: »Von wem?«

»Vom Gemahl der Kaiserin, Erlaucht Rondrigan Paligan. Aber das wusstet Ihr ja bestimmt …?«, grinste Horulf sardonisch.

»Gewiss … fahrt fort.« Alarich sah genauso aus wie jemand, er es sich nicht anmerken lassen will, wie sehr er sich ärgert. Gut, Horulf war versöhnt. Er mochte den jungen Erzkanzler ja eigentlich.

»Also, wie folgt: Die kaiserliche Heerschau findet statt am 19. Ingerimm nächsten Jahres im darpatischen Gallys. Das ist weit genug von Pulverberg weg, um keine unschönen Interdependenzen mi der vertrackten Trollpfortengeschichte aufkommen zu lassen. Deshalb haben wir unsere großgaretische Heerschau nun ebenfalls festgelegt: 1. bis 10. Ingerimm 1039 BF in Sonnenau

»Moment«, schaltete sich Gerwulf ein, »wieso nächstes Jahr und nicht dieses? Wo liegt Sonnenau?«

»Und wer ist ›wir‹?«, setzte Rondriane von Eslamsgrund nach.

»Wir, das sind die Berater der Krone, sowie insbesondere die Hesinde- und die Rondra-Kirche sowie der Korkult«, erklärte Horulf, wobei er an den Finger abzählte. »Nächstes Jahr, weil die Kaiserkrone es so wünscht und sich das Datum aus den Berechnungen als günstig erwies - der Segen des Heerbannes muss am 7. Ingerimm gesprochen werden. Und Sonnenau ist ein Kloster en paar Meilen vor der Festung Rubreth in Reichsfost.«

»Aha, weil Euch das so gut passt? Ist ja Familie?«, ätzte Gerwulf.

»Nein, das wird teuer für die Familie. Den Ort ermittelte Baron Uslenried; er hatte dabei klerikalen und magischen Beistand. Ich habe das überprüft und mich auch mit den Experten am Hofe des Markvogtes beraten: Wir halten den Ort für ideal.«

»Dieses ›Wir‹ klingt immer so seltsam aus Eurem Mund, Dom Horulf«, hakte Gerwulf noch einmal nach.

›Weil es für ich nur ein ›Ich‹ gibt, Pfau‹, dachte Horulf. Er sagte aber: »Dieses Wir ist die Säule der gefestigten Herrschaft der Krone, Dom Gerwulf. Dieses Wir umschließt alle, die dem Königreich, der Krone und der Königin dienen.« ›Und zwar in dieser Reihenfolge‹, dachte Horulf. »Es sind die Treuesten der Treuen, es sind eben jene, die immer wieder zur Stelle sind, wenn im Königreich das Schicksal zur Tat ruft. Ein kleiner Kreis, doch erlesen, ehrenhaft, voller Tugend, Tapferkeit und Treue. Ich sage mal: die Vertrauten der Krone. das ist das Wir.«

Später, als die Burggrafen alle gegangen waren, saß Horulf noch mit seinen eigenen Leuten im Zedernkabinett, mit den Vertrauten des Cantzlers …