Geschichten:Verschwörung in Schwarztannen – Gefallen gegen Gefallen

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Burg Scharfenstein, 10. Peraine 1043

„Ihr habt meinen Neffen gut im Griff“, stellte Raulbrin nüchtern fest, nachdem die Sauerei aufgewischt und die beiden Pagen zu ihrem täglichen Unterricht geschickt worden waren.

„Er ist ein gelehriger Junge“, meinte Ailsa da und nahm einen Schluck aus ihrem Becher, „Weniger gut gefällt mir allerdings das Betragen seiner Mutter.“

„Es ist ihr einziger Sohn“, konnte der Schwarztannener nur erwidern, „Wenn einem das einzige Kind genommen wird, dann kann man schon einmal die Fassung verlieren.“

„Nun, richtet doch Eurer werten Schwester aus, wenn sie weiterhin solch ein Betragen an den Tag legt, dann wird sie ihren Sohn sobald nicht zu Gesicht bekommen...“ Sie hielt einen Moment inne. „... und das würde ihm sein kleines Herz brechen.“

Der Ritter schluckte die Worte, die er ihr aufgrund der dreisten Entführung seines Neffens auf der Zunge lagen herunter und erklärte stattdessen: „Da Stordan ihr einziges Kind ist, hängt sie eben sehr an ihm. Noch dazu wurde er nach dem Tod seines Vaters geboren. Das alles macht ihn für meine Schwester zu etwas Besonderem. Seht es ihr doch bitte nach, dass sie aufgrund ihrer Mutterliebe zu ihrem Sohn die Fassung Euch gegenüber verloren hat. Eines nicht allzu fernen Tages werdet auch Ihr wissen, wie sehr das Herz einer Mutter blutet, wenn sie ihr Kind in die Fremde schicken muss und nicht weiß, ob es je zu ihr zurückkehrt...“

„Und...“, schmunzelte Ailsa, „... Ihr seid doch nicht zu mir gekommen, um mir das zu sagen?“

„Nein“, entgegnete der Ritter, „Nein, natürlich nicht. Ich...“

Erwartungsvoll schaute sie ihn an: „Nun?“

„Ich habe drei Kinder.“

Da lachte die künftige Gattin des Barons: „Und Eure Gattin verabscheut Euch dafür. Vor allem für das Erste.“

„Und Kinder kosten...“

„Und jetzt habt Ihr gedacht, dass ich mich bei meinem Liebsten für Eure Anstellung verwende?“

„Als Hausritter“, bestätigte er nickend.

„Als Hausritter“, wiederholte Ailsa amüsiert, „Und... und wie käme ich dazu?“

„Ich werde im Gegenzug dafür sorgen, dass meine Schwester sich Euch gegenüber betragen wird.“

„So“, machte sie, „Werdet Ihr?“

„Werde ich.“

„Das ist... ein Anfang. Aber... aber mir reicht das nicht. Um meinen Gatten von Eurer Anstellung zu überzeugen bedarf es einiges an... hm... nennen wir es Überredungskunst“, sie hielt einen Moment inne und warf ihrem Gegenüber einen vielsagenden Blick zu, „Und dafür will ich mehr von Euch sehen.“

„Und was...“, erwiderte er ihr keck und beugte sich etwas zu ihr hinüber, „... ist es genau, das Ihr von mir... sehen... wollt?“

„Hoher Herr“, hob Ailsa ihre Stimme tadelnd an, „Hebt Euch Eure anzüglichen Gedanken für Eure Frau – ach ich vergaß – für eine Dirne auf. Gebt aber acht, manchmal tauscht man klingende Münze gegen mehr als ein paar Augenblicke der Lust ein...“

Raulbrin biss sich auf die Zunge, damit er ihr nicht erwiderte, was ihm durch den Kopf ging.

Sie nahm einen kräftigen Schluck aus ihrem Becher und erklärte: „Nicht nur, dass ich erwarte, dass Ihr Eure Schwester dazu bewegt, sich zusammenzureißen, sich in meiner Gegenwert vernünftig zu betragen und keine Unwahrheiten über mich, meine Familie oder gar meinen Gatten - den Baron - zu verbreiten, ich erwarte auch, dass Ihr dafür sorgt, dass sie sich in den anstehenden Traviabund fügen wird.“ Da guckte der Ritter sie verdutzt an. „Ich erwarte nicht mehr, als das sie ihren ehelichen Verpflichtungen – mindestens einem Erben – nachkommt. Danach kann sie tun und lassen, was auch immer sie will. Und ich werde dann auch gewillt sein eine für alle zufriedenstellende Lösung was Stordan betrifft zu finden.“ Herausfordernd schaute sie ihn an.

„Und... und...“, stammelte er, „Wer wird ihr Gatte sein?“

Alderan von Nadoret“, antwortet Ailsa knapp, „Und da er nicht gerade dafür bekannt ist, das beschauliche Leben auf einem ländlichen Gut rauschenden Festen vorzuziehen, wird er gewiss nicht länger in Gerbachsroth bleiben als es unbedingt erforderlich sein wird. Der Traviabund wird so bald als möglich geschlossen werden.“

Einen Moment war es still, dann fiel Ailsas Blick auf die Schale mit Gebäck: „Honigkringel!“

„Koscher Honigkringel!“, erklärte der Schwarztannener, „Ich habe gehört, dass Ihr sie gern mögt.“


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10. Per 1043 BF am Mittag
Gefallen gegen Gefallen
Sauerei


Kapitel 7

Autor: Orknase