Verschollene Eber: In den Kosch - Burg Firntrutz

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Ein Schrei durchbrach die Winterluft, sein Echo hallte dröhnend an den Basaltwänden wider. Ein bedrohlicher, wilder Schrei aus rauher Kehle. Augenblicklich verstummte der Choral. Der Ruf kam aus Richtung der Burg Firntrutz.

Lyeria wurde wie mit einem Warunker Hammer getroffen aus ihren Gedanken geschreckt. Doch ließ sie sich ihre Verunsicherung nur einen Augenblick ansehen und verbarg sich bald schon wieder hinter ihrer Maske der Selbstbeherrschung. "Der Feind durchbricht die zwölfgöttliche Aura, die wir mit unserem Gesang erzeugt haben. Doch lasst uns nun lieber borongefällige Stille halten, zu unserem Schutz und zur Stärkung unserer Wachsamkeit!", sprach sie ohne einen Adressaten vor sich hin.

Ebenso war auch Timokles erschrocken, schritt mit mangelnder Aufmerksamkeit weiter und blieb mit einem Schuh im Tiefschnee stecken und stürzte längs in den Pulverschnee. Der Sturz geschah so plötzlich, dass Antara fast auf ihn aufgelaufen wäre.

Trotz des strahlenden Sonnenscheins war der Marsch durch den tiefen Schnee eine Plackerei. Um nicht der Erschöpfung anheim zu fallen machte sie Konzentrationsübungen und rezitierte Passagen aus dem schwarzen Buch. Der Schrei riss sie aus ihrer Stille. Verwirrt schaute sie sich um. Mittlerweile war sie lange genug Knappin, um reflexartig zu reagieren. Ihre Hand ging zu dem schlanken Reitersäbel an ihrer Seite. Die Kälte hatte die Klinge in der Scheide festfrieren lassen, so daß Antara sich mühen mußte um ihre Waffe zu ziehen. Dergestalt abgelenkt schaute sie nicht vor sich und so wurde sie abermals überrascht, als ihr Fuß auf unerwartet harten Widerstand traf und unter ihr ein leises Stöhnen erklang. Erschrocken wich sie einen Schritt zurück und kämpfte dabei, um ihr Gleichgewicht nicht zu verlieren. Schließlich sah sie ihren Ordensbruder vor sich im Schnee liegen, der sich die Rippen an der Stelle hielt, wo ein Fußabdruck zu sehen. "Verfl... Timokles!" entfuhr es ihr, dann ging sie zu ihm und hielt ihm ihre Hand hin, um ihn wieder auf seine Beine zu ziehen.

"Bei Praios! Was war das?" Baron Tyrian stand wie angewurzelt und fingerte unbewußt am Schwertgriff.

"Klang jedenfalls nicht wie eine Einladung", entgegnete der Schmalfurter und spähte zur Burg hinüber. "Wir sind wohl entdeckt. Na dann ..." Er trat an Ardo heran und legte ihm die schwere Hand auf die Schulter: "Geht ihr nun zügig voran, Herr Ardo, aber bleibt achtsam." Sich umwendend fuhr er fort: "Anselm, geht bitte rechts von Ardo. Halte mich links, solange mich meine dicken Füße tragen. Der Rest bleibt in Ardos Spur. Schlage weiter vor, Dass wir nun alle wieder Aufstehen, das Singen jetzt ein- und die Augen und Ohren aufzustellen. Der Herr Praios versteht's sicher." Dann stockte Adran kurz und blickte Edelbrecht an: "Ähm ... wenn ihr erlaubt, Prinz?"

Der Schrei war ihm durch Mark und Bein gegangen. Nachdem er abgelöst worden war hatte sich Urion gerade erst von der Anstrengung erholt und in den Gesang eingestimmt, als dieser Ruf ihn an die vor Ihnen liegende Gefahr erinnerte. Urion lockerte seinen Schwertgürtel und prüfte die Gängigkeit Leuentreus in der Schwertscheide. Nachdem der Baron Adran die ersten Kommandos gegeben hatte, begab sich Urion mit seinem Schild in die Nähe des Prinzen. Sie waren entdeckt worden, aber wusste ihr Gegenüber auch wer hier im Anmarsch war? Er wusste, sie würden einen Weg in die Burg hineinfinden müssen. Eine Nacht hier draussen konnte man überstehen, aber zwei oder drei Nächte würden auch den Zähesten in Borons Arme schicken.

Er betrachtete die Burg aus der Entfernung genau. Vielleicht konnte man irgendwelche Schwachstellen erkennen. Denn wenn er eines in Wehrheim gelernt hatte. Die Worte seines alten Lehrmeisters für Belagerungstechnik und Sappeurwesen klangen ihm in den Ohren: "Keine Festung, und sein sie aus dem festesten Koscher Basalt, ist uneinnehmbar. Wer drin wohnt will auch bei Gefahr herauskommen können."

Dann wandte er den Blick von der Feste ab und konzentrierte sich ganz auf den Schutz seines Prinzen.

Ein wilder Schrei aus rauher Kehle? Ardo zuckte kurz zusammen als der Choral der Gruppe von dem unartikulierten Gebrüll unterbrochen wurde. Ohne Frage nicht die Begrüßung die er sich von der Burg erhofft hatte. Auf die Entfernung ließ sich nicht einmal ausmachen ob es eine menschliche Stimme war. Wieder schossen ihm die Gedanken an die marodierenden Orks in den Kopf auf die die Garrensander Golgariten gestoßen waren. Grimmig und entschlossen ließ Ardo seinen Blick zur Burg hinaufwandern, bevor er die Anweisungen des Herren von Schmalfurt bestätigte. "So soll es sein. Mögen Praios und Rondra unsere Schritte lenken." Zu seiner Beruhigung sah Ardo, dass sich Urion bereits als Schildritter neben Edelbrecht postiert hatte. Was auch immer geschah, dem Prinzen durfte nichts zustoßen. Doch war er für den Moment in guten Händen und so schritt Ardo kräftig aus, um die Distanz zur Burg schnell zu überwinden. Augen und Ohren waren auf die Feste und die Umgebung vor der Gruppe gerichtet, um etwaige Gefahren rechtzeitig zu erkennen.

"Nun denn, es ist an der Zeit die Queste zu ihrem - hoffentlich guten Ende zu bringen.", verkündete Anselm Hilberan deutlich vernehmbar. Daraufhin blickte er zum Prinzen, "Gemeinsam werden wir den Gefahren trotzen, lasst uns nun mit dem Mut der Sturmleuin voranschreiten. Lasst uns zusmamen bleiben und in geordneter Formation schreiten, sodass wir uns gegenseitig schützen können und dem Gegner unsere, aus dem Kosch und der Mark vereinte Kraft entgegenstellen."

Der Greifenfurter Ritter schritt hinüber an die Stelle, die ihm Tyrian gewiesen hatte und zog sein Schwert dessen Klinge sich in des Praios Licht mutig spiegelte, "AUF, AUF Koscher und Märker! Mit der glorreichen EINIGKEIT und KRAFT des Garafan werden wir Hilfe für diejenigen in Not bringen!"

Der Wehrmeister setzte sich ohne zu zögern an die Spitze der Gruppe und prüfte die Umgebung. Dort vorn war ein dichteres Tannicht, dort sollten sie die schweren Rucksäcke lassen und alles, was die nicht brauchten. Mit befehlsgewohnter Stimme und auf den Tannicht deutend sagte er: "Schnell! Dort vorn legen wir unsere Rücksäcke und andere hinderliche Dinge ab. Bleibt jemand freiwillig zurück, um sie zu bewachen?"

Als sie das Tannicht erreicht hatten und der Prinz im Schutz der Bäume stand, nestelte Urion sein Sehrohr aus dem Lederetui das in der Innentasche seines Waffenrockes steckte. Damit begab er sich zum Prinzen und reichte es diesem. "Hier mein Prinz, damit dürften wir die Feste gut im Blick haben." Er wies dem Prinzen den Weg zum Rand des Tannichts und nahm den Schild mit.

Auch Erlan war bei dem Schrei zusammengezuckt. Reflexartig war er in die Hocke gegangen, um kein so gutes Ziel abzugeben. Als er erkannte, dass keine unmittelbare Gefahr drohte richtete er sich sofort wieder auf und folgte mit entschlossenen Schritten dem Wehrmeister. Bei der Sammelstelle legte er sein gesamtes Gepäck ab. Kurz überlegte er, dann hängte er sich den großen Schild auf den Rücken, behielt sein Schwert umgegürtet und lud seine Armbrust ruhig durch. Nachdem er seine Arbeit vollendet hatte wartete er auf die Dinge die da kommen würden.

Timokles hätte wohl laut aufgeschrien, als Antara auf ihn aufgelaufen war, doch aufgrund dessen, dass sein Mund voller Eiskristalle und Schnee war, ertönte nur ein dumpfes Röcheln. Bald war er aber wieder auf den Beinen. Er spürte einen stechenden Schmerz im Bein, doch konnte er ohne Probleme aufstehen und der Schmerz ließ schnell wieder nach. Lyeria, die seit dem Schrei in stets höchst aufmerksam war, immer bereit ihre Waffe zu ziehen, hatte sich sofort umgedreht, konnte sich nur schwerlich zurückhalten dem Knappen eine schallende Ohrfeige zu verpassen. Aber dies hätte sowohl für Lärm gesorgt, als auch gegen die Gebote der Selbstbeherrschung und Mäßigung gesprochen. Also warf sie ihrem Knappen nur einen scharfen strafenden Blick zu, merkte, dass Timokles noch zu gehen imstande war, und ging weiter dem Ziel entgegen. Dabei wich sie bewusst dem Blick des Wehrmeisters aus.

Prinz Edelbrecht nickte und nahm das Sehrohr ... eine wunderliche Erfindung, die den Blick auf scheinbar magische weise erweitert und die Ferne in die Nähe holt. Er konnte die alte Burg sehen - ein klassisches Festes Haus, mit einem fast quadratischem Grundbau aus groben Basaltquadern, der in klobigen Zinnen ausläuft. Das eher kleine Gemäuer scheint fast höher als breit. In der Mitte der oberen Plattform reckt sich ein Bergfried in die Höhe - seit Jahrhunderten die Grenzwacht zum nahen Andergast. Nicht gerade ein Lehrbild heutiger Festungsbaukunst - dunkelgrau, trutzig, aber schon wegen der groben Steinfassade für gewandte Kletterer durchaus zu überwinden. Zumal er keinen Verteidiger erspähen konnte - die Zinnen waren leer, doch eine schmale Rauchfahne machte Hoffnung, dass sein Bruder sich in der Burg aufhielt. Wenigstens war der Wald zu Füßen der Feste sauber gerodet, so dass sich der Feind einige dutzend Schritt auf offenem Feld bewegen musste. ... und tatsächlich, er erkannte geduckte Gestalten, die am Waldrand umherschlichen ... Schwarzpelze! Er fühlte, wie das Blut in seinen Adern zu brodeln begann. "Orkenbrut ... verdammte Orkenbrut! Ich sehe mindestens zehn Stück am Waldrand nahe der Feste lauern - vielleicht sind noch mehr im Tannendickicht nahbei."

"Bei Praios, das habe ich mir doch gedacht!" Kaum hatte Ardo die Worte des Prinzen vernommen als sein Schwert auch schon aus der Scheide fuhr. Augenscheinlich hatten sich seine Befürchtungen bewahrheitet und man war keine Stunde zu früh gekommen. Doch nun hieß es sich eilen. "Wollen wir doch einmal sehen, was diese Unwesen zu einem Gegner sagen der ihnen gewachsen ist!" Seinen Rucksack zurücklassend, Schild und Schwert kampfbereit vor sich, schickte sich Ardo an den Schwarzpelzen ohne Umschweife durch den hohen Schnee entgegen zu stapfen.

Auch Erlans erste Reaktion auf den Ausruf des Prinzen war es gewesen sich auf die Bestien zu stürzen, aber dann besann er sich. Egal was für eine Schandtat Angbart von Eberstamm-Auersbrück beganngen hatte er würde sich niemals mit Schwarzpelzen zusammentun, so hoffte Erlan zumindest. Es musste also etwas anderes hinter der Horde stecken. Als Ardo loslaufen wollte packte ihn Erlan hart an der Schulter "Euer Mut in allen Ehren, aber wir sollten erstmal beraten, wie wir vorgehen wollen, anstatt uns einfach so auf eine Orkhorde unbekannter Größe zu stürzen. Ritter Angbart mag ein Schurke sein, aber er wird sich doch nie mit Orks einlassen. Da muss also etwas anderes hinterstecken. Vielleicht hat diese Bande dort von der Sache gehört und will nun ihrerseits den Prinzen in ihre Gewalt bringen."