Verräter und Getreue - Titeljäger und Pfaffendiener

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Garten des Traviaklosters zu Hutt, 11. Peraine 1033 BF

Bröckelnd lösten sich ein paar Erdklümpchen des frisch umgegrabenen Beetes und rollten in eine nahe Furche. An der Stelle, wo sie gerade noch gelegen hatten, zeigte sich das fleischige Rot eines Regenwurms, der sich langsam durch die dunkle Krume schob. Was auch immer die Kreatur ans Tageslicht getrieben hatte, sie blieb nicht unbemerkt. Eine Amsel, die auf dem nahen Fenstersims gehockt hatte, kam neugierig herangeflogen. Sie pickte nach dem fetten Wurm und erwischte sein Hinterteil. Dann zerrte sie mit flatternden Flügeln, um ihn vollständig aus seinem Loch zu ziehen. Kurz darauf ließ sich eine zweite Amsel neben der ersten nieder und packte mit an. Gemeinsam beförderten sie die sich windende Kreatur schließlich vollständig ans Tageslicht, nur um dann mit wilden Flügelschlägen – je eines der Enden im Schnabel – in unterschiedliche Richtungen auseinander zu streben. Die rauen Stimmen zweier sich nähernder Männer drangen durch das geöffnete Fenster nach draußen in den Garten. Offenbar hatte ihre Diskussion bereits einige Fahrt aufgenommen, denn keiner von beiden gab sich Mühe, die übliche ernste Stille des Klostergeländes zu wahren. Dadurch aufgeschreckt ließen die Vögel ihre Beute fahren und flatterten davon, während der glückliche Wurm sich schleunigst seinen Weg zurück ins Erdreich bahnte.

„...Wir sind von Graf Geismar und nicht von diesem Anselm angeheuert worden. Der Graf bezahlt uns, nicht der Baron! Und wir haben einen klaren Auftrag bekommen: ‚Findet die Schwingenfelser und bringt sie mir, tot oder lebendig. Sucht in Hutt nach ihnen‘, hieß es. Seit drei Tagen schon sitzen wir hier aber nur rum und meine Leute werden langsam unruhig. Der Graf hat uns Gold versprochen – wenn der Auftrag ausgeführt ist. Doch es geht nicht weiter. Offenbar hat der Baron gar nicht die Absicht, die Befehle weiter zu befolgen. Mit jedem Tag, den wir hier rumhocken, werden sich unsere Gegner besser wappnen. Wir müssen jetzt zuschlagen, bevor sich die Ratten absetzen oder ernsthafte Schwierigkeiten machen könnten.“

„Das mag sein. Aber ich habe auch nicht die Absicht, mich länger für dumm verkaufen zu lassen. Erst sollten wir die Domnas ganz schnell nach Feidewald schaffen. Aber haben wir für deren Gefangennahme schon einen Heller gesehen? Und wie viele von den Dörfern, durch die wir hier marschiert sind und wo wir requiriert haben, gehören denn überhaupt diesen Schwingenfelsern? Darum sage ich, wir bleiben erst einmal hier und warten neue Befehle ab. Im Zweifelsfall ist der Baron derjenige, der uns von der Erledigung unserer Pflicht abgehalten hat, indem er uns das Kloster einnehmen ließ.“

„Ich gebe zu, das hat uns viel Zeit und den Überraschungseffekt gekostet. Aber wenn du weiter hier bei den Pfaffen versauern willst, bitte. Ich werde mir dieses fromme Geseiere von früh bis spät nicht länger antun. Ich habe den Auftrag des Grafen nicht vergessen und werde ihn auch alleine ausführen, wenn du nicht mitkommst. Bis zu diesem Ebenhain ist es nicht weit, ich habe mich erkundigt. Gold und ein Titel warten auf mich und ich gedenke nicht, diese Gelegenheit verstreichen zu lassen!“

„Ich werde dich nicht aufhalten. Aber erwarte nicht, dass ich dich dann mit meinen Leuten raushaue, solltest du in Schwierigkeiten geraten.“

„Das wird nicht nötig sein, denn deine Leute werden unter meinen Befehl wechseln.“

„Was?!“

„Während du gestern Abend fein mit dem Pfaffen und dem Herrn Baron getafelt hast, habe ich mir die Freiheit genommen, mit deinen Weibeln zu sprechen. Bis auf Rodolfo waren alle bereit, mir mit ihren Leuten zu folgen.“

„Du hast es tatsächlich gewagt...?“

„Morgen früh brechen wir auf. Eure zwei Gleven sollten doch mehr als ausreichend sein, für die Sicherheit dieser heiligen Mauern und des Barons zu sorgen, meinst du nicht?“

„Das wirst Du noch bereuen!“

„Wir werden sehen. Und vergiss nicht, mich demnächst mit ‚Dom‘ anzusprechen.“