Verhandlungen - Schnaps und Boltan

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Dramatis personae:


Ingerimm 1034 BF, im Raschtulswall

Es gab Tage, da missfiel Cordovan von Keres sein Amt als Adjutant des perricumer Heermeisters. Der 16. Ingerimm 1034 BF war so einer, wie auch die Tage zuvor, als sein Aufstieg in den Raschtulswall begann.

Zusammen mit Timshal von Zackenberg und seinen Begleitern erklomm er schon seit Tagen die Bergregion. Als sie endlich an der Festung Sturmfels angekommen waren, mussten sie feststellen, dass sich die Baronin Korhilda von Sturmfels außerhalb der Mauern aufhielt.

Weiter durch die Schluchten führte ihr Weg in Richtung des Baburinstieg im nördlichen Raschtulswall ins Grenzgebiet zur Grafschaft Schlund. Doch nicht der Pass war ihr Ziel, sondern ein mysteriöser Ort der sich das Tal der Verlorenen nannte.

Ihr Führer hatte nichts an Schauermärchen ausgelassen und die Reisenden in die Mythen dieses Ortes eingeweiht. Spuken soll es dort, erzählen die Einheimischen. Ruhelose Seelen sollen dort wandern, heißt es. Die rastlose Seele des finsteren Ulf, einst Ulfwin von Gesselingen, soll an jenem Ort sein Unheil treiben.

Cordovan und Timshal gaben nicht viel auf die Spukgeschichten des einfachen Volkes, ließen es sich aber nicht nehmen vorsichtiger ihre Umgebung zu mustern – Oger drohen schließlich ebenfalls als Gefahr.

Gegen Abend des 16. Ingerimm erreichten sie endlich ein Tal tief im Raschtulswall. In mitten dieses Tales sahen sie einige Zelte und ihr Führer mahnte zur Eile, wollte man dieses zu Sonnenuntergang noch erreichen.

Verblüfft erhielten die beiden Einlass in das Lager der Baronin Korhilda von Sturmfels, die sie überrascht, aber dennoch erfreut empfing.

„Ah, Frau von Sturmfels“, begrüßte Cordovan die Baronin im lockeren Tonfall, das bei Timshal ein resignierendes Seufzen verursachte. „Ihr glaubt ja nicht, wie sehr ich mich freut, Euch hier gefunden zu haben.“

„Leutnant von Keres, seid mir gegrüßt.“ Ein Schmunzeln zog sich über ihre Lippen. „Ihr seid zu früh, hatte ich doch erhofft mein kleines Geheimnis noch ein wenig für mich zu behalten.“ Mit einer Handbewegung zeigte sie auf die Zeltstatt. Cordovans überraschter Blick folgte ihr.

„So darf ich vorstellen – das Sturmfelser Bergbanner. Noch in der Ausbildungsphase und erst mit 30 Mann Stärke, aber der Dämonenfürst steht noch nicht vor unserer Türe, auch wenn er sich nähert.“

Mit einem anerkennungsvollen Nicken kommentierte Cordovan die Szenerie, während Timshal begann sich Notizen zu machen. Währenddessen schlenderte die Baronin mit ihren Besuchern durch das Tal, ein wenig Stolz über ihre Truppe war aus ihren Worten abzulesen.

Am Waffenzelt machten sie Halt. Korhilda wies einen Kämpfer an die Schießscheibe auf zu stellen und ließ es sich nicht nehmen die neue Schlunder Kurbel da selbst zu schießen. „Echte Schlunder Wertarbeit.“ Und nach einem kurzen Klack und Zisch des Bolzens: „Getroffen! Auf die alten Tage doch nichts verlernt“, scherzte die Baronin.

Auch der Zackenberger war erstaunt. „Erst seit einem Götterlauf im Amt und schon eine solch beachtliche Truppe“, meinte er.

„Ja, wirklich nicht schlecht“, stimmte Cordovan zu. „Wie sieht die Sollstärke aus?“, fragte er. „Und in welchen Waffengattungen werden sie ausgebildet? … Außer der Armbrust natürlich.“

„40-60 schlagkräftige Mannen sollen es schon werden. Daher habe ich es mir nicht nehmen lassen, schon einmal die entsprechende Anzahl an Schlunder Kurbeln zu ordern. Sie liegen gut in der Hand und sind auch von unerfahrenen Soldaten einfach zu erlernen, einfacher als die Eisenwalder. Dazu sollen meine Jungs noch das Kurzschwert führen lernen. Eine Waffe, die sich gut auf den engen Passwegen führen lässt.“

Korhilda war in ihrem Element, sie redete über ihre Truppe – wie damals am Arvepass.

„Aber zuerst müssen die Jungs die Angst verlieren, daher sind wir an diesem Ort. Erst muss ihr Wille und der Mut gestärkt werden. Die Sturmfelser meiden diesen Ort – zu viele böse Geschichten umranken diesen Ort. Es mag sein, dass es hier Geister gibt. Aber was sie erwartet wird schlimmer sein. Sie halten sich tapfer, schon eine Woche sind wir hier und die Angst vor dem Ungewissen sinkt von Nacht zu Nacht.“

Bei karger Speise und ausreichendem Trunk gesellten sich die Parteien zueinander, während die Diener der Herren ihre Schlafzelte vorbereiteten.

„Euer Hochgeboren“, diesmal wählte Cordovan die korrekte Anrede, „es wird den Heermeister erfreuen, dass Ihr den Feind im Blick habt und Euch darauf vorbereitet“, umschmeichelte der Leutnant die Baronin. „Seid Ihr vielleicht bereit Euch zusätzlich mit Eurem formidablen Bergbanner in das markgräfliche Heer einzubringen?“

Korhildas Miene blieb trotz der Lobhudelei ruhig und bestimmt. „Was stellt sich der Heermeister denn vor? Ich denke Ihr wäret nicht hier, wenn Euch nicht etwas vorschwebte.“ Zurückhaltend spielte sie den Gesprächsball zurück.

Das diplomatische Parkett war betreten. „Nun, Ihr seid eine erfahrene Kämpferin. Ihr habt über Götterläufe in den Pässen Perricums gedient“, zählte Cordovan auf, während seine Gedanken Korhilda in die Uniform eines Oberst hüllten.

Korhilda stellte kleine Zinnpinchen vor ihm auf und goss den starkriechenden Torbelsteiner Brand ein. „Mein werter Leutnant, ich möchte mit offenen Karten spielen, wie man beim Boltan sagt. Ich bin gewillt mich und meine Truppe einzubringen. Sollte Haffax über Aranien oder Perricum einfallen, werden wir ihm entgegentreten müssen, mit allen unseren Kräften. Ich verhehle nicht, dass der Arvepass meine Heimat war. Sollte Euer Heermeister wünschen, dass ich meine Erfahrungen einbringen soll und er von meinen Fähigkeiten überzeugt ist, werde ich meinen Platz einnehmen. Ich habe über sieben Götterläufe ein Landwehrbanner am Arvepass geführt und seid Euch gewiss ich habe sicher nichts verlernt.“

Cordovan nahm einen Schluck. Verdammt ist der Brand stark!, dachte er. Und dabei war er den Geschmack von Schnäpsen gewöhnt ...

Er wollte sich weiter dem Gespräch widmen, doch die Boltankarten, die die Baronin gerade mischte und austeilte, zeigten ihm und seinem Begleiter, dass nun der angenehme Teil des Abends folgen sollte.

Cordovan fing an zu grinsen.


Alternative Fortsetzung: "Fuchs und Stier - Ein Stier so faul