Vellberger Wein

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Burg Mallvenstein, 23. Hesinde 1040 BF

Durchnässt kam die Gesandtschaft auf Burg Mallvenstein an. Die Reise durch die winterlichen Berge und Wälder entlang der Trollzacken hatte den Frauen und Männern der Gruppe viel abverlangt, auch wenn es nur 2 Tage waren von Hengefeldt nach Mallvenstein. So hofften doch nun alle auf einen Platz am warmen Kamin und einen stärkenden Eintopf.

Elissa vom Berg nutzte die wenige Zeit der Muße und las einen alten Reisebericht zu den Trollzacken. Seit sie den Bund mit dem Land eingegangen und wenig später durch den Markgrafen als Baronin eingesetzt worden war, verschlang die Adlige geradezu alle Texte zu der Region mit großem Interesse.

"Euer Hochgeboren, soeben ist die Edle Rhuna vom Bogen mit ihrem Gefolge eingetroffen und bittet um eine Audienz."

Elissa war so vertieft in ihre Lektüre, dass sie erschreckt zusammenzuckte. "Kannst Du nicht vorher anklopfen, Jadwina? Und wer ist diese Rhuna eigentlich?"

"Aber ich hatte doch- verzeiht, Herrin. Wer die hohe Dame ist, weiß ich leider auch nicht so genau. Ich habe nur was von irgendwelchen Almosen gehört."

"Almosen? Was denn für Almosen? So arm ist Vellberg nun auch wieder nicht, dass es - ach ja, die Almosenmeisterin der Provinz, natürlich! Jadwina, sorge dafür, das für unsere Gäste angemessene Quartiere vorbereitet werden und dass das Abendessen etwas üppiger ausfällt. Teile der Edlen mit, dass ich sie sie nachher zum Essen erwarte. Und spute Dich."

"Jawohl, Herrin", antwortete die junge Frau und eilte rasch von dannen.

Die Baronin hingegen konnte ihre Nervosität kaum verbergen. Zum ersten Mal seit ihrer Belehnung hatte sie einen Besucher von Stand zu Gast, noch dazu einen, der zumindest mittelbar im Auftrag des Markgrafen unterwegs war. Nun galt es, bloß keinen Fehler zu machen! Am liebsten wäre die Baronin selbst in den Burghof geeilt, um ihre Gäste willkommen zu heißen, doch erschien ihr dies in ihrer immer noch neuen und ungewohnten Rolle als Hochadlige unpassend. So Vieles - so banal oder gar lächerlich es ihr zuweilen auch vorkommen mochte - war nun zu beachten und konnte auf die Goldwaage gelegt werden! Außerdem wollte Elissa ganz profan Zeit gewinnen, um sich beruhigen und über ihr weiteres Vorgehen klar werden zu können, denn schwach oder gar konfus wollte sie auf keinen Fall auf die Edle wirken.
Gut zwei Stunden später war das Essen im Rittersaal serviert und die Baronin erwartete zusammen mit ihrem Vogt Norholt von Rickenberg ihren Gast.

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Nach dem Abendessen hatten sich die beiden Edelfrauen in das bequemere Arbeitszimmer der Gastgeberin zurück gezogen. Im Kamin flackerte ein wärmendes Feuer, während draußen der Regen gegen die geschlossenen Fensterläden prasselte.

"Es freut mich zu hören, dass ihr als Nachfolgerin eures Vaters eingesetzt wurdet. Ich hoffe ihr konntet euch mit der neuen Situation bereits vertraut machen.", erkundigte sich Rhuna bei Elissa.

"Naja, da ich zum Baronsreif wie die Jungfrau zum Kinde gekommen bin, wird es wohl noch eine Weile dauern, bis ich mir wirklich im Klaren darüber sein werde, worauf ich mich hier eingelassen habe", entgegnete die Angesprochene augenzwinkernd und mit einem leichten Lächeln. Irgendwie war ihr die fast gleichaltrige Frau auf Anhieb sympathisch. "Aber man wächst ja bekanntlich - oder hoffentlich - an seinen Aufgaben. Ihr seid ja selbst für Viele überraschend zur markgräflichen Almosenmeisterin ernannt worden, da könnt Ihr meine Lage sicherlich gut nachempfinden, oder?" schloss Elissa fröhlich lachend, während sie Rhuna etwas Wein nachschenkte. Etwas ernster fuhr sie fort: "Ich nehme mal an, dieses Amt ist es auch, dass euch zu mir geführt hat, nicht wahr?"

"Da liegt ihr vollkommen richtig. Auch wenn es mir zum Teil unangenehm ist, den hochgeborenen Herrschaften auf die Füße treten zu müssen, so glaube ich dennoch, das alles ist zum Wohle einer guten Sache. Und glaubt mir, Elissa, es gab auch schon unangenehme Begegnungen" antwortete sie und nahm anschließend einen tieferen Schluck aus ihrem Weinbecher. Nach einer kürzeren Gedankenpause fügt sie dann hinzu: "Ich bin mir gerade nicht ganz bewusst, ob Ihr im Bilde über die erwartete Höhe seid. Es schien allgemeiner Konsens, einen Silbertaler pro Kopf in der Baronie beizusteuern. Könnt ihr diesem nachkommen? Eure Baronie liegt zwar etwas abseits größerer Handelswege, dennoch auch in unmittelbarer Nähe zur Markgrafenstadt. Es wäre doch wirklich betrüblich, wenn der Markgraf erführe, dass Ihr nicht den vollen Betrag pro Einwohner erheben konntet, oder was meint Ihr dazu?"

"Wie könnte ich da widersprechen?" entgegnete die Baronin mit leicht ironischem Unterton und ließ bewusst offen, auf welchen Teil von Rhunas Ausführungen sie sich bezog. Für einige Momente blickte Elissa mit nachdenklicher Miene ins Feuer. Bevor die Edle etwas sagen konnte, um die zunehmend unangenehmer werdende Gesprächspause zu überbrücken, ergriff ihre Gastgeberin erneut das Wort.
"Nach dem letzten Zensus leben etwa 1.300 steuerpflichtige Freie oder Leibeigene in Vellberg. So genau weiß das allerdings niemand, denn das Land ist sehr dünn besiedelt und viele Einödhöfe, Köhlerhütten und Heimstätten von Bergbauern liegen abseits von den wenigen vorhandenen Wegen, sofern deren Lage überhaupt allgemein bekannt ist. Aber es ist müßig, über die eingangs erwähnte Zahl zu streiten. Auch spare ich mir den Sermon über zu geringe Einnahmen, zu hohe Ausgaben, schlechte Zeiten, das Wetter und dergleichen. Ich denke", jetzt lächelte die Baronin Rhuna verschmitzt an, "das Alles und noch vielerlei Gejammere mehr habt ihr bereits zu Genüge auf euren vorherigen Reisen gehört, da muss ich in diesen Chor nicht auch noch einstimmen. Abgesehen davon ist dadurch noch nie etwas besser geworden." Elissa atmete noch einmal tief durch, bevor sie die ihr gestellte Frage abschließend beantwortete. "Also gut, ihr sollt eure 130 Dukaten haben, auch wenn die Summe für mein Land nicht gerade klein ist. Hoffen wir, dass damit vielen armen Seelen in den östlichen Marken geholfen werden kann. So, und nun machen wir die Flasche Wein hier auch noch leer!"

"Ihr habt ein großartiges Talent die wesentlichen Dinge zusammen zu fassen", entgegnete Rhuna verschmitzt lächelnd und prostete ihrer Gastgeberin zu.

"Ich hatte in Perricum genug Zeit und Gelegenheit, dies zu lernen!" kam von der Baronin als Replik, bevor der Edlen ebenfalls zuprostete.

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Texte der Hauptreihe:
K41. Geißel
K47. Vellberger Wein
K50. Im Loch
K64. 2 Selos
23. Hes 1040 BF zur abendlichen Phexstunde
Vellberger Wein
Hengfeldter Generosität

Kapitel 47

Winterjagd zu Gareth
Autor: Ani, Wallbrord