Ungeeignet

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Burg Luringen, auf dem Erlgardsfeld, Mitte Praios 1043 BF

»Aus dem Weg! Aus dem Weg!« 
»Mach Platz, Kerl!« 
»Los, los, sie hat schon viel Blut verloren!« 
»Zum Ork nochmal, wo ist die Geweihte?« 

Das Zelt des Turniermedicus glich einem Bienennest. Überall eilten Heiler, Knappen und Diener umher.

»Hier, drück das auf die Wunde! Pressen!« 
»Was ist mit dem Ungeborenen?« 
»Erst die Mutter. Dann das Kind. Los, los, mach hin, Wirselsud!« 

Bleich und leblos lag Lechmin auf der Trage. Die abgebrochene Spitze der hölzernen Turnierlanze steckte noch tief in ihrem Unterleib. Dort wo das ungeborene Kind war.

»Sie schafft es nicht. Es ist vorbei.« 
»Red‘ keinen Dreck, los, los, konzentrier Dich!« 

Ihr Stöhnen war matt und schwach. Ausgerechnet im Finale, beim letzten Ritt, hatte sie für einen Augenblick die Konzentration verloren. Hatte die perfekt platzierte Lanze nicht richtig wahrgenommen. Dann nur Schmerzen. Schmerzen.

»Sie atmet nicht mehr!« 

Keiner ihrer Gegner war volles Risiko gegangen. Als sie im Halbfinale Nimmgalf nach Punkten schlug, wusste sie, dass er sie zwar nicht hatte gewinnen lassen, aber doch dass er nicht alles gegeben hatte, um sie zu besiegen.

»Gib ihr den Heiltrank zu trinken.« 
»Geht nicht. Sie schluckt nicht.« 
»Dann halt ihr gefälligst den Mund auf!« 

Im Finale ritt sie gegen den jungen Odilbert. Die Hälfte seiner Gegner hatte er im Fußkampf förmlich niedergeschmettert. Es war sein erstes Turnier, und vor den Augen seiner Gattin Niope wollte er es unbedingt gewinnen. Also zielte er perfekt.

»Wir verlieren sie! Der Graf bringt uns um.« 

Alle hatten die Luft vor Schreck angehalten, als die Lanze sich zwischen den Metallplatten hindurch in den Bauch rammte und mit einem lauten Knall zersplitterte. Und Odilbert hatte laut triumphierend die Fäuste in die Luft gestreckt. Es war der einzige Jubel auf dem Platz.

»Quatsch nicht! Wenn er jemanden umbringt, dann den Hartsteener.« 

Alle Augen hatten sich vorwurfsvoll auf ihn gerichtet. Aber mit einem verächtlichen Blick drehte er sich nur um und schaute stumm herab auf die blutende Grafenschwester. Dann zuckte er die Achseln und sagte nur: „Ungeeignet.“

»Macht Platz, im Namen der Göttin!« 
»Endlich, ich hoffe es ist nicht zu spät.« 
»Oh gütige Herrin, erhöre das Gebet deines Dieners.« 

Unsichtbare Gänseschwingen umschlossen das zerbrechliche Wesen, hüllten sie zart und gütig ein, so dass die rauschenden Rabenschwingen sie nicht mehr finden konnten. So wuchs wieder zusammen, was mit Gewalt zerstört war und bildete erneut eine Einheit.

»Sie atmet wieder!« 
»Den Göttern sei Dank!« 

Warme Kraft durchfloss den Körper der Frau. Aber ein Teil von ihr blieb kalt und tot. Sie war wieder nur eine Einheit, wo vorher eine Zweiheit gewesen war. Ein Opfer an den stummen Raben.

»Sie wird leben.« 

Verachtung hatte sich in den Blicken der Reichsforster über den Hochmut des jungen Hartsteener Erben gespiegelt. Und nun, tief in ihnen, entfachte sich ein finsterer Groll.

»Was ist mit dem Kind?« 

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Ereignis:
Im Finale des Luringer Turniers verletzt Odilbert von Hartsteen die Schwester des Reichsforster Grafen so schwer, dass sie ihr ungeborenes Kind verliert.
Datum:
14. Pra 1043 BF