Turm auf Dame - Schikane

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Baronie Brendiltal, Anfang Firun 1036 BF

Sein entstelltes, linkes Auge triefte und er nahm das Tuch, das es verbarg, ab. Er betrachtete die feinen Stickereien darauf, mit seinem guten, rechten Auge. Typisch nebachotische Ornamente und einige grimmige Fratzen waren zu sehen. Ein schönes Stück.

Al’Arik rieb sich die vernarbte Augenhöhle und schabte sich rabiat den zähflüssigen Schleim hinaus, den sein Auge aus sich hinaus presste. Er genoss es. Erinnerte es ihn doch an seinen korgefälligen Kampf mit diesem Hünen am Darpat, genau wie jedes Mal wenn ihm getrunkener Wein aus dem Loch in seiner Wange floss. Die meisten ekelten sich davor, aber er ergötzte sich dann nur an ihren angewiderten Blicken. Er war ein Sohn Kors, ein nebachotischer Krieger, nicht wie diese verweichlichten Gecken, wie sie hier zu Rudeln auf ihren Gütern in Perricum hausten. Besonders die Raulschen. Und weil er Ammayin war, wie Kor sie gerne sah, hatte ihn, trotz so einiger…Missverständnisse, der Al’Shuar und Marben vom Tal der schwarzen Pferde zu einem wichtigen Vertrauten und persönlichen Bluthund gemacht. Wie er diese Bezeichnung liebte. Al’Arik Al’Barbar’tar.

Und in dieser Funktion hatte er in letzter Zeit einiges zu tun gehabt. Abgesehen von seinen generellen Pflichten als Junker und Kaphatan der Zwillingsblutgarden hatte er Anfang des Jahres die Truppen seines Sohnes Tar, die Scharlachrote Horde, in seine Truppe eingliedert. Sein Sohn war der Queste Eslams gerecht geworden und hatte 2 mal 9 baburische Krieger in Aranien um sich geschart und sie nach Brendiltal geführt, dafür war ihm jetzt die Hand von Eslams Nichte versprochen und Al’Arik hatte aus den in Teilen ebenfalls jungen Zwillingsblutgarden und den Haudegen der Horde eine ansehnliche Gruppe Krieger geformt, die der Marben wohlwollend zur Kenntnis genommen hatte. Mehr Anerkennung konnte man vom Al’Shuar kaum erwarten.

Ende Travia waren dann Nachrichten aus Eslamsgrund und Garetien bezüglich der Unruhen dort gekommen, aber diese Ereignisse hatten Perricum weiter kaum berührt, hier wussten die Leute wo ihr Platz war. Kurz darauf waren ganz andere Gerüchte vom Pass hergekommen, wo der raulsche Heermeister der Mark saß. Erst waren es wirre Nachrichten von Angriff, Sabotage oder Dämonen- und wahlweise sogar Göttermacht gewesen, Wallbrord von Löwenhaupt-Berg hatte sogar schon Truppen in Bewegung gesetzt. Und auch Eslam hatte schon über die Mobilisierung des nebachotischen Heerbanns nachgedacht, eigene Boten und Späher ausgesandt und seine engsten, brendiltaler Vertrauten auf Besh hassal Ammay’Shar zusammen gerufen. Doch dann war die „Entwarnung“ vom Arvepass gekommen. Es habe keinen Angriff gegeben und auch Sabotage durch den Erzfeind sei weitgehend ausgeschlossen. Doch ein genauerer Grund folgte erst später. Eslam hatte sicherlich mehr durch seine und die Boten des Heermeisters erfahren, doch schwieg er dazu. Aber Al’Arik vermutete, dass es irgendwas mit der Forderung zu tun hatte, die die Altgräfin der Mark als Hauptinitiatorin mitunterzeichnet hatte und die das Verbot der Nanduskirche forderte. Auch weil Eslam strengere Kontrollen aller, stark überschaubarer, durchreisenden Nandusgeweihten und anderem Freidenkern in Brendiltal gefordert und im speziellen Al’Ariks Garden damit betraut hatte. Wie dem auch sei, Al’Arik konnte es recht sein, hatte er diese besserwisserischen Freigeister doch immer gehasst. Deswegen war es eine Genugtuung, einen von diesen Liberatisten zu drangsalieren, auch wenn es die letzten Monde bis jetzt erst einmal die Gelegenheit dazu gegeben hatte. Die „Gerüchte“ die er über einige Kanäle hatte verbreiten lassen, gaben ihm dabei aber auch etwas mehr freie Hand, wusste man doch nie was diese umstürzlerischen Geweihten so planten und so hatte er auch schon des Öfteren einige dieser Brandschreiben in irgendwelchen „geheimen Verstecken“ und in der Tasche des besagten einen Einhornsdieners „gefunden“ und so hatten sich die Gerüchte noch genährt. Man HÖRTE sogar davon, dass einer von ihnen verschwunden sein sollte…tja, so war das wenn man an den Grundfesten Deres rüttelte, da konnte man nicht mit der Freundlichkeit der rechtschaffenen Leute rechnen und auch nicht mit ernsthaften Gerüchten, für die musste manhier selber Sorgen, an Orten wo nur selten welcher dieser Querdenker vorbeikamen. „Schade eigentlich.“, dachte sich der feist grinsende, nebachotische Junker.

Und deshalb steckte er nun sein Tuch bei Seite und schmierte seinen Augenschleim mit Genuss an den Pergamenten in seiner anderen Hand ab, auf denen Worte in einer Sprache standen die er nicht kannte. Dann wendete er seinen düsteren Blick dem hageren, eingeschüchterten Mann in der Tracht eines Dieners des Einhorns zu, der von des Kaphatans Kriegern flankiert war: „Dasz hiär iszt vorsichszthalbär auf waitäres bäschlaknahmt, eier Gnadän.“, Al’Arik lächelte finster, hatte er doch einigen Spott in die letzten Worte gelegt. „Iszt dasz alläsz, wasz ihr da’bai habt? Händigt uns bässer glaich alläs aus, ich habä weitraichende Bäfugnissä gegen Aufrührär wie eich.“