Tsas Tränen - Die Schlacht von Appelhof: Der Mittag

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Mit Entsetzen sah Felan aus der Ferne den Zusammenbruch des Reiterangriffs und den Ausfall der Galotteska. Sie waren zu weit entfernt. Sie konnten nicht helfen. Sein Blick traf den des Windischgrützers. Felan las dort einen unbändigen Willen durchzuhalten.

„Hochgeboren, wir müssen unseren Kampfgefährten zu Hilfe...“

Ein Geräusch ließ ihn stocken. Der Bogenschütze hielt außer Atem auf sie zu.

„Der Scheinangriff ist gescheitert! Die Leute fliehen in die Wälder!“

„Verdammt, was ist mit Pfortenstein? Ich habe es doch gleich gewusst!“, rief Felan zornig aus.

Der Schütze keuchte. „Er blies zum Rückzug. Kein Mut mehr.“

„Diese feige Hundsfott!“, schrie der Schallenberger jetzt umso erregter.

Bodebert fuhr herum und schaute Felan durchdringend an. „Wir scheitern, wenn der Angriff im Westen abebbt. Die Soldaten müssen durch die Bresche durch, koste es was es wolle. Schallenberg, ihr müsste die Leute führen. Sofort!“

„Jawohl, Hochgeboren!“ Der Ritter drehte sich zu seiner Abteilung um und machte das Zeichen zum Angriff. „Bei Rondra und dem gerechten Herrn Praios! Vorwärts Männer!“ Dabei zog er sein Schwert und gab seinem Hengst die Sporen, ohne darauf zu achten, ob die Männer ihm auch wirklich folgten. Bodebert hätte laut lachen müssen, über diese geckenhaften Art, mit der Felan Ritter aus Heldenepen nachahmte, wenn die Situation nicht so ernst gewesen wäre.

***

Er parierte Schlag auf Schlag. Raulfrieds Pferd tänzelte und trat nach den Angreifern. Es waren einfach zu viele. Neben ihm stürzte Ritter Richwin Ulbert von Windfels von seinem Pferd. Fünf Söldner hieben den wehrlos am Boden liegenden in Stücke. Es waren einfach zu viele.

***

Sie hetzten durch die Gassen, vorbei an verbarrikadierten Türen und verrammelten Fensterläden und sich in dunkle Ecken drückenden Flüchtlingen. Ihre Gegner waren etwas langsamer, aber kannten sich aus in den Straßen des Städtchens. Helmar von Fuchsbach blickte sich nach Erlgard Gragelsfort um, die ein Stück hinter ihnen hergetaumelt kam. Sie würde das nicht mehr lange durchhalten. Ebenso wenig wie er. Sein Herz raste.

Als er die Gasse wieder hinauf sah, bogen gerade ein etliche Bewaffnete um die Ecke und verstellten ihnen den Weg.

„Teilen wir uns!“, keuchte Orestes. Und deutete auf einen Durchgang zu seiner Rechten. Helmar nickte nur und rannte, gefolgt von Hesindian, Rauert und Erlgard in das Gässchen zur Linken. „Fehler!“, durchzuckte es ihn kurz darauf. Die Gasse machte einen Knick und endete direkt an der Ostmauer. Als er sich umwandte, konnte er das Grinsen in den Gesichtern der näher kommenden Söldner erkennen.

Wie hatte er nur denken können, mit diesem wahnwitzigen Einfall den Widersachern der Zwölf ein Schnäppchen zu schlagen? Da waren schon ganz andere gescheitert. Die Aussichtslosigkeit ihrer Situation war überdeutlich. Er sah den Windischgrützer. Schweiß lief diesem über die kreidebleichen Züge, doch der Trotz, sich in das Unvermeidliche nicht einfach zu ergeben, sprach deutlich aus ihnen. Helmar nickte ihm zu. Mit einem Schrei erhob Hesindian sein Schwert und stürmte auf den Feind zu, dicht gefolgt von den übrigen. Die schwerer gerüsteten Söldner erwarteten sie.

Ein heftiger ungleicher Kampf entbrannte. Helmar bemerkte den Hieb von oben sehr spät und riss sein Schwert zur Verteidigung hoch. Vergeblich. Der Blitz vor den Augen und der alles überwältigende Schmerz waren eins. Dann sackte er zusammen. Neben ihm starb Rauert am Ende einer Gleve, die ihn gegen die Mauer nagelte. Erlgard schien schon tot, bevor ihr Körper zu Boden fiel, der Kopf getroffen von einem Streitkolben. Als letzter wehrte sich noch Hesindian von Windischgrütz. Doch umsonst, und auch sein Blut tränkte die Gasse.

***

Was auf sie zukam erschütterte Tsaiana tief in ihrem Herzen. Sie umklammerte ihren Schwertgriff und konzentrierte sich auf die abzuwehrenden Schläge. Die Gruppe von Reitern hatte Ziel auf sie genommen.

Alptraumgestalten auf feurigen Pferden. Der Riese an der Spitze hieb mit seinem schwarzen Kriegshammer nach fliehenden Soldaten und hielt große Ernte. Mit jeder zerschmetterten Hirnschale schien seine Kraft und seine Kampfeslust zu steigen. Über die Gefallenen ließ er sein schweres Ross hinweg reiten. Glieder von Körpern flogen auf wie Staub und fielen wie Unrat zu Boden. Im hellen Mittagslicht war der Koloss deutlich zu erkennen. Bei Tsa! Das war kein Mensch mehr, was dort zwei Zahnreihen in seinem Gesicht trug!

Neben sich spürte Tsaiana ihre anderen Vertrauten schaudern. Sie spürte Rahjanes Blick. Eine zärtliche Sorge. Dann gab sie entschlossen ihrem Pferd die Sporen.

***

Peridan duckte sich tief unter seinen Schild. Pfeile trommelten links und rechts neben dem Junker hernieder. Nur aus dem Augenwinkel sah er, wie links neben ihm ein Mann mitten im Galopp von einem Pfeil getroffen förmlich aus dem Sattel geschleudert wurde, und es dämmerte Peridan mit merkwürdiger Langsamkeit, dass es sich bei dem Mann um seinen Ritter und Vertrauten, den Wetterwender, handelte.

Wütend heulte er auf. Er wusste, dass die Chance, einen solchen Sturz und die Verletzung durch ein Geschoss mitten im Sturmangriff zu überleben, gen Null ging. Beim Amulett des Mannes, er würde sich blutig an denen rächen, die seine Getreuen verletzten und töteten! Seine Faust schloss sich noch fester um die Reiterlanze, und er trieb sein Pferd an, um in der Nähe des Windischgrützers zu bleiben. Er würde voller Ingrimm neben ihm streiten.

***

Mit seinen Leuten war Felan nach Westen geritten. Heillosem Chaos wurde er gewahr. Die Soldaten waren zerstreut und jeder suchte sein Glück in der Flucht. Dutzende Tote lagen auf der Ebene. Eine Gruppe von Reitern hielt auf die Geweihten und Heiler zu. Felan erschauderte. Dieses Wesen hatte er schon gesehen und in seinen Erinnerungen hallte sein gebrüllter Name wieder. Galtor der Koloss. Und doch zu fern zum Eingreifen. Er musste auf die Fähigkeiten der Waldfanger und ihrer liebreizenden Baroness vertrauen.

Ein Lichtblitz lenkte seinen Blick nach links. In unheiligem Leuchten verging die gehörnte Figur, löste sich auf in Wabern. Schrecken wohin man blickte und die Soldaten liefen davon.

„Ritter Schallenberg!“, rief eine junge Frauenstimme ihm zu. Die Maga aus dem Hause Allingen kam auf ihn zu gelaufen. „Seine Wohlgeboren Pfortenstein ist besessen! Bei Analyse seiner Matrix zeigten sich arkane Protuberanzen daimonoiden Merkmales. Jemand muss ihn aufhalten, sonst treibt er alle in den Untergang!“

Mit grimmigen Lächeln nickte Felan der Maga zu. Er hatte nur die Hälfte von ihrem magischen Gefasel verstanden, aber genug um zu begreifen, was er zu tun hatte. Mit wildem Galopp hielt er auf den roten Wappenrock mit dem erlegten Drachen zu.

***

Seinen verbliebenen Rittern hatte Bodebert das Zeichen gegeben. Entweder sie siegten oder sie gingen unter. Seine Schar verschärfte den Ritt. Die Stadt lag vor ihnen. Pfeile schwirrten und schlugen in ihre Schilde. Bodebert gab seinem Ross die Sporen.

***

Schnell kamen die Stiefeltritte näher. Orestes, Brinian und die beiden Steinfeldes warteten zu beiden Seiten der Gasse im Schatten eines Torbogens. Der erste der Söldner kam in Sicht. Des Hartsteeners Schwert sauste herab und schwer krachte der Getroffene zu Boden.

Die fünf Söldner, die ihnen gefolgt waren, hatten den Fehler gemacht, sie nur als flüchtiges Wild zu betrachten. Jetzt erhielten sie eine blutige und endgültige Lektion.

„Und jetzt?“

„Zurück zu den anderen!“

***

Reiter!

Die Eindrücke des fliegenden Auges waren von großer Klarheit. Der Magus wandte seine Augen von der Kristallkugel ab und schaute sich im Raum um. Dieser Ort barg zu viele Schätze für die Feinde. Sie würden die Schlacht nicht gewinnen.

Seine gichtgelbe Hand erschien unter seiner schwarzen Samtkutte. In Seelenruhe sammelte er seine Kraft in diesem einen Spruch. Der Ausgangspunkt: sein Geist durch seine Hand. Der Zielpunkt: die Eichentruhe ihm gegenüber. Das gewohnte Fließen der Konzentration. Der ekstatische Wirbel von Kraft und Macht. Ein genussvolles Lächeln zierte seine dürren Lippen. Ein Gedanke an seinen Mentor in Yol-Ghurmak. Dann setzte er die Kraft frei.

„FEUERSTURM!“

***

Müde wehrte sich Raulfried von Schwarztannen der unendlich vielen Schläge, zu viele von ihnen kamen durch seine Deckung und fügten seinen Wunden neue hinzu. Mit Mühe hielt er sich im Sattel. Neben ihm waren nur noch Emmella von Schildberg und Volram von Erlenfall-Immenhort im Sattel. Die Schildbergerin wankte schon stark. In wenigen Momenten würde sie von den Söldnern erschlagen werden.

***

Rauschen.

„Er lebt noch!“

Helmars Augen flatterten.

Die ganze Welt schien in Rot getaucht. Die Gasse. Der Schmerz. Das Ende. Oder nicht? Undeutlich sah er in ein vage vertrautes Gesicht, aber er war unfähig, irgendetwas zu sagen.

„Fuchsbach!“ kräftige Hände packten ihn.

„Bring ihn hier rüber, aber Vorsicht mit dem Kopf!“

Nachdem er wieder abgelegt wurde, versuchte er erneut die Augen zu öffnen. Blutröte überall. Eine Öffnung in der Mauer. Eine Nische mit Schießscharte. Im Stein ein eingemeißeltes Steinmetzzeichen. Wirklich? Der Fuchskopf. Dann der Blick nach draußen. Durch die Schießscharte sah er die Schar des Windischgrützers auf die Stadt zu galoppieren. Er stand in der Schuld des Fuchses.

***

Wie ein Ungeheuer brüllte der Koloss und sein Rufen schmerzte in den Ohren Tsaianas. Sie waren in der Unterzahl. Doch wussten sie sich im Schutz der Geweihten. Wie sehr bauten ihre Gebete und Gesänge die sechs Ritter auf. In ihrem Inneren spürte Tsaiana etwas wie heiße Wellen. Ihre Sinne waren geschärft und überdeutlich spürte sie ihre Umgebung. Jede ihrer geschmeidigen Bewegungen fühlte sich richtig an. So ein Gefühl bedingungsloser Ekstase hatte sie noch niemals gespürt.

Angriff auf Angriff ritten die wilden Reiter und ihr unheiliger Anführer auf die Geweihten hinter ihnen. Doch sie zusammen standen wie ein Fels, an dem die wütenden Wellen brandeten. Tosend zogen sich die Angreifer zurück und kehrten mit neuer Wucht zurück. Funken stieben beim Aufprall der Waffen.

Sie standen und hielten Stand.

***

An der Spitze des Sturmes erreichte Kordian die zurückweichenden Söldlinge, die sich zu wehren versuchten. Die Spitze seiner Lanze voran zielte er auf den Haufen vor ihm. Mit voller Wucht rammte Kordian sein geübtes Ross in den Menschenhaufen. Kein Platz war zum Ausweichen in der Enge des Tores. Er ritt sie einfach nieder und Knochen brachen unter der Wucht seines Streitrosses. Die Söldner fielen und blieben liegen.

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10. Per 1030 BF zur mittäglichen Praiosstunde
Die Schlacht von Appelhof: Der Mittag
Die Schlacht von Appelhof: Der Morgen

Kapitel 38

Die Schlacht von Appelhof: Der Nachmittag