Tsas Tränen - Ankunft der Reichsforster

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5. Peraine 1030 BF, Reichsstadt Hartsteen

Abermals gähnte Kordian, der stämmige Junker auf Cresseneck und betrachtete dabei die aufgehende Praiosscheibe. Es versprach ein herrlicher Tag zu werden, keine Selbstverständlichkeit für diese Jahreszeit und so dankte Kordian stumm dem Götterfürsten, dass er nach der langen Nacht nicht auch mit wolkenbedecktem, grauem Himmel oder gar einem morgendlichen Regenschauer begrüßt wurde.

Neben ihm regte sich sein Vetter Angbold, der immer wieder einzunicken drohte, im Sattel und sprach die Gedanken des Junkers aus.

"Könnte ein noch viel schönerer Tag werden, wenn wir in der Nacht Schlaf gefunden hätten."

Wie um seine Worte zu unterstreichen streckte der junge Ritter sich und verzog dabei schmerzhaft das Gesicht. Kordian grunzte nur zustimmend und kniff die Augen im Licht der aufgehenden Sonne zusammen.

"Das beste ist ja", fuhr Angbold ironisch fort, "dass wir wahrscheinlich sofort weiterreisen dürfen, wenn wir in Hartsteen ankommen." Mit einem schiefen Lächeln auf dem Gesicht wies er Richtung Osten, wo er die Reichsstadt vermutete, sie allerdings noch nicht sehen konnte, da der Trupp sich gerade durch eine leichte Niederung bewegte.

Kordian ließ den Blick über die Reichsforster streifen und versuchte zu schätzen, wie viele sie wohl insgesamt waren, aber nach einer Weile gab er es, einmal wieder, auf. Zahlen und Schätzen waren noch nie seine Stärke gewesen, vor allem nicht nach einer schlaflosen Nacht. Stattdessen begnügte er sich, seine eigenen Leute genauer zu begutachten und ergewisserte sich, ob alle Schritt halten konnten. Nach dieser kurzen Inspektion nickte Kordian zufrieden und wandte seinen Blick nach vorne, wo er neben dem Reichsforster Wappen auch das Wappen der Grafenfamilie und das der Baronie Schwarztannen vorfand.

Ehrgeizigere Ritter hätten den Schwarztanner wohl darum beneidet, dass ihm der Oberbefehl über die Reichsforster Truppen zugesprochen war. Und tatsächlich taten dies auch viele, vor allem die Oberhäupter jener anderen, alten Familien, den stets treuen Verbündeten des Grafenhauses, wie er selbst einer war. Gerade jetzt bemerkte er, wie ein Ritter aus dem Luringer Land sich erneut mit dem jungen Baron ein hitziges Wortgefecht lieferte. Worum es ging, dass verstand Kordian nicht, doch er konnte sich denken, dass der Ritter – war das nicht Rondradan von Pfortenstein? – dem Baron erneut vorhielt, dass der nächtliche Marsch an der Konstitution der Truppen gezehrt habe.

Kordian begutachtete bei diesem Gedanken erneut seine eigenen Leute und stellte zufrieden fast, dass sich alle noch im Sattel hielten oder einen Fuß vor den anderen setzen konnten. Die meisten von ihnen hatten überhaupt keine Erfahrung mit solchen langen Feldzügen, aber anscheinend hatten die Übungen im Winter ihre Wirkung gezeigt.

"Freu dich nicht zu früh, Vetter" raunte Angbold zu Kordian rüber, als er den zufriedenen Gesichtsausdruck seines Vetters bemerkte. "Das ist ja gerade mal der Anfang unserer Reise."