Tauben und Wölfe - Verhinderte Nachtruhe

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1. Teil - Verhinderte Nachtruhe

Burg Greifenklaue zu Uslenried, spätabends in der Nacht zum 1. Peraine 1032 BF

»Herr, verzeiht die späte Störung, aber diese Nachricht kam gerade an und scheint sehr dringend zu sein«, buckelte der Page vor dem Baron zu Uslenried, welcher gerade zu Bett hatte gehen wollen und so die versiegelte Botschaft in sein Nachthemd gekleidet annahm.

Dringend +++ Mobil. aller Wlf. +++ Ziel: Burg Os.br. +++ Zeit: 4. Per. +++ 3. Blut & Fehde mit H.wall +++ Bete zu 12 Götter! +++ Hilb.

Wulf schüttelte verwirrt den Kopf, las die Nachricht noch einmal und wollte den Pagen schon mit einem Wink zum gehen bewegen, als er es sich noch einmal anders überlegte. »Eine Depesche nach Streitzensfeld ins Söldnerquartier; die dortigen Rudel sollen sich umgehend auf den Weg hierher machen!« gab er dem Bedinsteten auf, während er das Schreiben ein drittes Mal überflog.

»Aber Herr, es ist tiefste Nacht...«, wandte der Page ein, unsicher in der Stimme ob dieses eigenmächtigen Einwurfes.

»Das ist mir wohl bewußt. Einer der Soldaten der Burgwache soll losreiten; morgen zur Mittagsstunde will ich die Truppe hier versammelt wissen. Und Gerban soll mir die Kommandantinnen herbeiholen. Einen Krug Wein und eine Kanne Kräutertee ins Kaminzimmer, und schafft mir den Hauptmann herbei, blaffte Wulf und ließ den verdutzten Pagen stehen. Dann begab er sich in seine Kammer, schlüpfte in Hose, Hemd und Schuhe und begab sich selbst an den Ort, zu welchem er die anderen gerade befohlen hatte.

Cern, der als einziger der gewünschten Anwesenden ebenfalls auf der Burg wohnte, erreichte das Kaminzimmer als Zweiter und fand seinen Freund und Dienstherrn im Raume auf und abgehend vor, die Depesche in den Händen. Wulf, der die Ankunft seines Hauptmannes erst bemerkte, als die Tür schon wieder ins Schloß fiel, blickte auf, und reichte ihm wortlos das Papier. Cern überflog die Zeilen und reichte Wulf das Blatt nachdenklich zurück.

»Wann hat sich der Hartsteen jemals für die Söldner interessiert?« fragte er Wulf sodann.

Der Angesprochene ließ sich in einen der Sessel sinken und bedeutete Cern, das gleiche zu tun. »Genau das ist es ja, was mir Sorge bereitet. Erst kommt eine Zeit, an dem ihm die Wölfe so egal sind, daß er sich nicht einmal um ihren Sold schert und es fast zur Meuterei kommt, und dann will er die gesammte Truppe nach Osenbrück beordern – und das auch noch auf just jene Burg, wo der Schwerterorden haust und des blutigen Ugos Neffe als Vogt eingesetzt ist.«

»Stimmt, das vergesse ich nur allzu oft. Aber von dort hört man ja auch nicht viel...«

Die Tür öffnete sich erneut, und der Page kam mit hochrotem Kopf und einem Tablett in den Händen herein. Stumm wurden die Krüge auf einem an der Seite stehenden Tischchen abgestellt, ehe sich der Diener wieder von dannen machte. Wulf erhob sich, trat hinüber an das Tischchen und schenkte sich einen Becher Tee ein. Vorsichtig nahm er eine Schluck des heißen Getränk, setzte den Becher jedoch mit angewiderter Mine gleich wieder ab und goß einen Schuß aus dem Weinkrug hinzu.

Cern lachte. »Was ist das für ein widerliches Gesöff?«

»Sicher wieder eine von Datierlichs wundersamen Mischungen, die einen die halbe Nacht wachhalten. Es wirkt, aber es schmeckt auch abscheulich. Da muß man dem Geschmack eben ein wenig nachhelfen«, antwortete er grinsend und goß einen weiteren Schluck Wein hinzu.

»Willst Du auch was?«

»Nein, laß man gut sein«, entgegenete Cern, erhob sich gleichfalls und schenkte sich einen Becher nur mit Wein ein, derweil sich Wulf schon wieder im Sessel niederließ.

Erst jetzt fiel dem Baron auf, daß der Hauptmann noch immer die Kleidung trug, welche er schon den ganzen Tag am Leibe gehabt hatte. »Hast Du noch gar nicht geschlafen?« fragte er.

»So sieht das aus«, erwiderte Cern. »Ich habe gestern noch eine Depesche von Grisbart erhalten und war gerade dabei, eine Antwort zu verfassen, weil ich dachte, des Nachts hätte ich am meisten Ruhe dazu. Aber so kann man sich täuschen...«

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30. Phe 1032 BF zur nächtlichen Rahjastunde
Verhinderte Nachtruhe

Kapitel 1

Ein Wolf im Schafspelz
Autor: Hartsteen, CD