Tag der Wintermaid

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Thronsaal der Burg Hengefels, Baronie Hengefeldt, 30. Firun 1041:

Es war eine erhabene Szenerie, die den uralten Thronsaal mit Leben füllte. Auf dem alten, an eine alte verwachsene Baumwurzel gemahnenden Thron saß mit ernsten Blick Baronin Serima von Hengefeldt. Sie trug enge, schneeweiße Gewänder, hier und da bestickt mit bläulich schimmernden Eiskristallen. Ihre Schulter zierte der reinweiße Pelz eines Silberfuchses. An ihrer Seite weilten, nicht weniger festlich in weiß gekleidet, ihr Gemahl Roban von Rauleu und ihr Vetter Sequin von Hengefeldt. Eine Amme hielt die kleine Silvana an der Hand und den erst wenige Monde alten Kvorwyn auf dem anderen Arm.

Linker Hand hatte der herrschaftliche Hofstaat Stellung bezogen, darunter Kammerherrin Darina von Erlenbruch, Zofe Trautwina von Hengefeldt, Page Thalion von Heiterfeld und der bekannte, wie gefürchtete Barde Gneisbald von Firunslicht. Auch der Hauptmann der Garde Throndard Olbir von Kressenrück hatte sich hier zusammen mit dem ersten Hausritter Wyndor von Erlenbruch und Knappin Firene von Dornhag versammelt.

Dem Hofstaat gegenüber versammelten sich die Versallen der Baronin, darunter Junker Holmreich von Kressenrück, Ritterin Junivera von Erlenbruch, Schultheiß Ortan von Dornhag und Marktvögtin Lyria von Erlenbruch. Interessant war hingegen vielmehr, wer dem festlichen Anlass ferngeblieben waren: Landvogt Travios Helmfried von Geißenklamm, sowie seine Schwester Abtissin Trauthilde vom Travia-Kloster Treuenklamm. Doch wunderte dies niemand, denn das Verhältnis zwischen den beiden und der Baronin galt schon lange als zerrüttet und so strafte man sich mit gegenseitiger Missachtung.

An diesem Tage war eh kein Platz für Gram, es war der Tag der Ifirn, oder der Tag der Wintermaid, wie er hierzulande auch genannt wurde. Der monumentale Thronsaal war nur durch wenige Fackeln und Kerzen erleuchtet und tauchte alles in schummriges Licht. Schatten tanzten an den Wanden und der Arkade, die den runden Thronsaal umgab. Ein jeder der Anwesenden trug eine Kerze bei sich und spendete so etwas Licht.

Die schwere Eichentür des Saales öffnete sich langsam unter lauten Krächzen. Herein trat eine Kinderschah, ganz im reinen Weiß der lieblichen Ifirn gekleidet. Einzig Schwanenflügelstickereien schmückten die Gewänder. An der Spitze der Kinderschah schritt Yonara von Hengefeldt, die erstgeborene Tochter und Erbin von Baronin Serima. Sie trug einen Kranz aus sieben Kerzen auf ihren Kopf. Gefolgt wurde sie von ihren Geschwistern Melvina und Rondrick, sowie von Eberhelm von Kressenrück. Als letzte betrat die Meisterin der Jagd Fiana von Dornhag den Thronsaal.

Erschöpft und doch erhaben und hoch konzentriert schritten die Kinder zwischen den anwesenden Menschen, die sich ergeben verbeugten, Richtung Thron. Dort angekommen erhob Yonara mit fester Stimme das Wort.

„Herrin vom Hengefels, fest hat der Grimme das Lande in seiner eisigen Hand. Alles Leben steht still und harrt darauf, dass die Schwanengleiche es wieder zum Leben erweckt. Ich bringe das Licht der Schwanentöchter zu Euch und Euren Untertanen, auf das es Eure Hallen und Eure Herzen erwärmen möge. So wie es das Land befielt.“

Voller Stolz blickte Baronin Serima zu ihrer Tochter herab und erhob sich von ihrem Thron.

„Ihr, Tochter des Berges, Erbin des Landes, habt den beschwerlichen Weg vom Tempel der Schwanengleichen zum Urgrund unserer Ahnen gewagt und gemeistert. Das Land ist rau und unbarmherzig, aber es schenkt dem, der es verehrt und achtet alles was er zu Leben braucht. Die Zeit wird kommen, da wirst du auf dem Thron unserer Vorväter sitzen und dem Land dienen, so wie es jetzt mein Privileg und meine Pflicht ist. Doch zunächst, meine Tochter, wirst du das Land deines Blutes verlassen um zu einer wahren Ritterin der Zacken zu werden. Schon morgen, liebste Tochter, wirst du nach Zackenberg aufbrechen! Doch heute, mein Kind, wollen wir das Land feiern, denn du bist das Licht in unserer Dunkelheit. Zu lange haben wir den alten Bräuchen und Traditionen keine Beachtung mehr geschenkt. Das Land hatte sich von uns abgewendet. Doch wir kehren demütig zurück zu unseren Wurzeln!“

Mit Tränen in den Augen blickten Mutter und Tochter einander an, während die anderen Anwesenden ergeben auf die Knie gegangen waren.