Szenen einer Reise - Bardewick

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Bardewick, 20. EFF 1042 BF

„Psst. Ist sie weg?“, drang es dumpf unter dem Tisch hervor.

„Ja, kannst wieder vorkommen, Rüstebald“, kam die erlösende Antwort.

„Puh, das war knapp...“, der Edle von Wiesenbrück hob die fast bis auf den Boden fallende Tischdecke hoch und schickte sich an, aufzustehen. Doch da kam erneut die Warnung: „Halt, warte! Ich glaube sie kommt zurück!“

„Orknochmal!“, fluchte Rüstebald und hechtete zurück in sein Versteck, wobei er sich den Kopf an einem der Tischbeine stieß.

„Haha. Kleiner Scherz. Die Karfenck ist wirklich weg. Ich wollte nur noch mal sehen, wie schnell du unter einer Tischdecke verschwinden kannst“, grinste Anselm von Wetterwend und seine Kameraden am Tisch stimmten in das Gelächter ein.

„Sehr witzig!“, brummte der Reichsgauer, rieb sich die schmerzende Stelle und nahm seinen Platz in der Runde wieder ein. Rüstebald war am Vortag mit einem Teil der Nordhartsteener Adligen in Gareth eingetroffen und hatte sich einer kleinen Gruppe junger Hartsteener Ritter angeschlossen, die gemeinsam ein Bardowicker Gasthaus für ihre Vesper aufgesucht hatte. Dass dort kurz darauf die Karfenck aufgetaucht war, hatte ihn zu seinem so verzweifelten Manöver veranlasst, dass ihm von nun an jede Menge Spott einbringen würde. Immerhin, Anselm von Wetterwend war ein guter Lügner und hatte die Kauffrau schließlich abgewimmelt.

„Also? Was wollte die von Dir?“, erkundigte sich Wibert von Allingen, woraufhin Wiesenbrück verächtlich schnaufte: „Na was wohl? Geld natürlich.“

„Dann wird’s wohl nicht ganz wenig sein, wenn sie mit Garde, Kerker und dem Gang zum Pfalzgrafen droht“, konstatierte der Allinger. Er kannte sich damit aus: das Ergebnis eigener leidvoller familiärer Erfahrung, der er nur durch die Ehe mit der Nichte des Hartsteener Landvogts einigermaßen entkommen war.

„Lass sie drohen. Vor dem alten Ogerfresser kommt sie damit nicht weit.“

„Oder steckt am Ende noch mehr dahinter als ein offener Schuldschein, Rüstebald? Die sah doch ganz schnuckelig aus, auch wenn sie so ganz streng guckte“, sinnierte Anselm von Wetterwend, dem offenbar der Schalk an diesem Abend im Nacken saß.

„Quatsch! Es geht eigentlich auch nur noch um die Zinszahlungen. Die haben’s aber leider in sich; mein Alter hat einfach nicht aufgepasst, als er den Wisch damals besiegelte“, seufzte Wiesenbrück, was der andere sofort als Anlass zum Weitersticheln aufnahm: „War wohl zu sehr mit ihrem Ausschnitt beschäftigt, was?“

„Pfff! Ich brauche einfach noch etwas Zeit. Wenn wir aus Grauensee zurückkommen, ist die Ernte daheim eingebracht. Dann kann ich die Karfenck auch bezahlen.“

„Und wenn Du dich richtig gut dabei anstellst, kriegst du vielleicht sogar Nachlass“, spielte Anselm grinsend weiter seine einmal begonnene Melodie, begleitet durch eine obszöne Geste.

„Auch du solltest eigentlich wissen, dass für die Pfeffersäcke Geschäft und Spaß zwei streng getrennte Sphären sind“, konstatierte Rüstebald trocken, „Allerdings...“, fügte er dann hinzu, „Wenn es so wäre, wie du sagst, Wetterwend, dann hätte ich immer noch Glück gehabt. Stellt euch das mal bei den Gläubigern vom Steinfelde vor...“

Wenigstens einmal an diesem Abend hatte Wiesenbrück die Lacher auf seiner Seite.

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Texte der Hauptreihe:
K4. Bardewick
K5. Gareth
K10. Bitani
20. Eff 1042 BF zur abendlichen Hesindestunde
Bardewick
Ruthberg

Kapitel 4

Gareth
Autor: Steinfelde