Streit im Zagrosch 6

Aus GaretienWiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Klapperndes Geschirr weckte Gorbon. "Wenn es Euro Hochgeboren beliebt - meine Frau hat das Frühstück bereitet." Gorbon kleidete sich an und nahm am Kopf der Tafel platz. Argon konnte sich glücklich schätzen mit Cadrima verheiratet zu sein. Der Tisch war rechlich gefüllt und trotz der einfachen Speisen waren diese wohlschmeckend bereitet. Ohne seine Zufriedenheit über das Mahl zu zeigen, erhob sich der Baron und verließ wortlos das Haus. Argon blickte ihm beschämt und enttäuscht nach. Der Baron liebte es mit dem schlechten Gewissen seiner Untertanen zu spielen und mußte ein Schmunzeln unterdrücken.

Gorbon suchte das Haus des Igen auf, um die beiden Frauen zu verhören. Wie er vermutet hatte, berichteten die Wachen von keinerlei Vorkommnissen. Die Frauen hatten sich gefaßt, waren aber noch immer nicht gesprächig. Gorbon wurde mürrisch: "Sagt mir, wo sich eure Angroscho aufhalten und ich will euch nicht länger behelligen. Zieht ihr es aber vor zu schweigen, lasse ich euch in den Kerker der Schwarzen Feste werfen. Die Gardisten werden euch schon zum Reden bringen." "Sie sind nach Fremmelsfelde aufgebrochen, um sich mit einem Händler zu treffen", offenbarte plötzlich die Ältere. "Wann sind sie aufgebrochen und wohin, wieviele sind es und was wollten sie von diesem Händler?" "Vor anderthalb Tagen etwa. Sie sind zu zweit: Mein Sohn Igen und mein Enkel Ulgosch. Sie wollten in den Süden - mehr weiß ich nicht." Gorbon blickte die Alte zornig und ungläubig an, doch diese widerstand dem durchbohrenden Blick. "Sollte mir zu Ohren kommen, dass ihr die Beiden deckt oder ihnen Hilfe zukommen lasst, seht ihr mich schneller wieder als euch lieb ist. Dann werdet ihr die Kerkerzellen der Schwarzen Feste kennelernen. Der Baron wandte sich zur Tür. "Die beiden Wachen bleiben bis auf weiteres hier. Sorgt für ihre Verpflegung und Unterkunft" wies er die Frauen beim Verlassen der Hütte an.

Ein schriller Pfiff ließ die Pioniere antreten und der Trupp setzte sich in Richtung Südosten in Gang. Gegen Mittag erreichte der Baron die Grenze seiner Baronie und rief zum Sammeln. Nachdenklich setzte er sich auf den Grenzstein. "Wir haben Spuren gefunden. Es müssen mehr als zehn Mann sein. Sie kamen aus Fremmelsfelde und scheinen hier kurz verweilt zu haben. Leider können wir aufgrund des Schneefalls nicht mehr sagen." meldete der Hauptmann. Gorbon blickte nachdenklich in den Schnee. "Irgendetwas stimmt hier ganz und gar nicht". Er erhob sich und schaute über die Hügel der Baronie Fremmelsfelde. In der Ferne sah man hinter einem kleinen Wald Rauchfahnen aufsteigen, das musste Gippelstein sein. "Vorschläge?" Der Baron sah den Hauptmann fragend an. "Wir sollten den Weg nach Süden fortsetzen. Der Spur nach Zagbar zurück zu folgen, hat wenig Aussicht auf Erfolg. Bei diesem Wetter werden wir sie schnell verlieren." "Wir teilen uns!" entschied der Baron. "Ihr werdet mit zehn Mann der Spur folgen, solange es eben geht. Verliert ihr sie, werdet ihr euch nach Süden durchschlagen. Treffen wir nicht wieder aufeinander oder erreicht ihr die Grenze Almadas ohne etwas zu entdecken, kehrt zurück nach Tokoschim, wo wir uns wieder treffen werden. "Erste Rotte, angetreten! Folgt mir!" kommandierte der Hauptmann. Gorbon folgte mit seinem Blick dem kleinen Trupp. "Der Rest mir nach!" Er schlug einen Weg über die Äcker, Richtung Hahnendorf ein.

Nachdem der Trupp bis zum Abend reiste und nichts fand außer verschneitem Land, wies Gorbon an das Nachtlager aufzuschlagen. Ein Lager wurde errichtet und am Feuer besprach der Baron mit seinen Leuten das Vorgehen für den nächsten Tag. "Wir werden morgen nach Westen aufbrechen, wir sind schon zu tief in Fremmelsfelder Land eingedrungen. Die beiden werden nicht über die offenen Hügel gereist sein, sondern im Schutz des Waldes. Zwei Mann halten Wache damit wir nicht von Fremmelsfelder Truppen überrascht werden. Ich möchte mich nicht erklären müssen. Und haltet das Feuer klein, selbst wenn es kalt ist." Der Baron lehnte sich gegen einen Baum. Die Kälte war für Gorbon das kleinere Übel, aber unter freiem Himmel schlafen zu müssen ein echter Graus.

Früh brach man das Lager ab, denn an Schlaf war kaum zu denken. Der Trupp setzte sich Richtung der westlichen Wälder in Bewegung und schon bald erreichten sie den dortigen Waldrand. "Ausschwärmen in Linie, bleibt in Sichtweite!" befahl Gorbon. Die kahlen Bäume ermöglichten es manchmal, den Wald auf einer Breite von bis zu einer Meile zu durchkämmen, aber erst am späten Nachmittag geschah etwas. Ein Söldner hatte etwas bemerkt und brachte dem Baron eilig Nachricht: "Eine Höhle euer Hochgeboren, keine 500 Schritt von hier. Ein Pferd ohne Sattel steht davor." "Sammeln!" Zwei Söldner eilten los um ihre anderen Kumpanen möglichst lautlos heranzuholen. Ohne großes Aufsehen waren bald alle Angroschim wieder versammelt. Der kleine Trupp näherte sich der Höhle. "Unsere Freunde aus Fremmelsfelde scheinen auch schon hiergewesen zu sein, der Schnee vor der Höhle ist zertrampelt wie von einer Viehherde. Tabuk, habt ihr an der Grenze Pferdespuren gefunden?" "Nein Herr" antwortetet der Gefragte. Gorbon überlegte kurz, "Zu den Waffen! Wir gehen rein! Lasst keinen entkommen!" Der Trupp näherte sich dem Höhleneingang. "Wer da?" tönte eine Stimme als Gorbon mit den ersten Zwergen die Höhle betrat. "Baron Gorbon, Sohn des Gorsch und wer seid ihr?" "Rondrala Nocturna Trapani" klang es zögerlich. Nur die Fackel der Frau erhellte die kleine Höhle und gab den Blick auf eine schwarzhaarige Enddreißigerin preis. "Angrosch zum Gruße", Gorbon schritt selbstbewußt auf die Frau zu. "Ihr erlaubt die Frage, was ihr auf garetischem Land zu suchen habt?" Die Schwarzhaarige war mit der Situation überfordert. Zum einen konnte sie keine Antwort auf die Frage geben, zum anderen kam ihr der Baron gefährlich nahe - viel zu nah um noch rechtzeitig ... Der Griff zum Schwert hatte sie verraten. Noch ehe der blanke Stahl die Scheide verlassen konnte war der Baron mit einem Satz bei ihr. Ein metallisches Blitzen näherte sich von rechts bevor alles schwarz wurde.

Der Baron polierte mit seinem seidenen Tuch die eherne Prothese, "Wer Angrosch nicht grüßt, den grüßt Angrosch!" Schelmisch grinste der Baron als er die Fackel aufhob. "Durchsucht und bindet sie!" Die Pioniere taten, was ihnen befohlen. Außer dem Schwert konnten sie ein Messer am Bein der Gefesselten finden und die Durchsuchung ihrer Taschen förderte neben einigen Silber- und Kupfermünzen ein Papier mit almadischem Siegel zu Tage. Die Mine des Barons verfinsterte sich, während er das Papier studierte. "Es muss hier ein Kampf stattgefunden haben", meldete einer der Pioniere. Gorbon untersuchte die bezeichnete Stelle. "Angroschim", stellte der Baron fest, "die Einschläge im Boden stammen von einer Zwergenaxt." Im Schein der Fackel konnte er Blutspuren erkennen, als plötzlich etwas aufblitzte. "Was haben wir den da?" Gorbon betrachtete den Stein im Fackelschein. "Ein roter Korund, recht rein, geradezu ein typischer Vertreter des Zagrosch." Gorbons Stirn legte sich in Falten. "Scheint so, dass die Fremmelsfelder hier mit den Almadanern einen lukrativen Edelstein-Handel betreiben."

"Dies haben wir in der Satteltasche gefunden, die die Reiterin in der Höhle versteckt hatte." Tabuk präsentierte eine verschlossene Schatulle. Gorbon wog die kleine, eiserne Truhe prüfend in der Hand. "Schön, schön." Prüfend betrachtete der Baron das Schloss, nickte und verstaute das Kästchen wieder im Sattel. "Zäumt das Pferd auf", wies er Tabuk an, "wir können hier wohl nichts mehr ausrichten." Zu den anderen gewandt: "Überführt die Gefangene nach Tokoschim, trefft dort auf den Rest der Truppe und bringt mir das Weibsstück im Ganzen nach Zagbar." "Ja, Herr" klang es aus mehreren Mündern gleichzeitig. Gorbon verließ die Höhle. "Helft mir auf!" Tabuk tat sein Möglichstes, um den Baron in den Sattel zu befördern, was sich jedoch als schwierige Aufgabe entpuppte. "Ich erwarte euch in drei Tagen zurück in der Schwarzen Feste." Gorbon setzte den Hengst in Bewegung. Er war kein besonders guter Reiter und keinen festen Boden unter den Füßen zu haben, gefiel ihm nicht sehr, aber noch eine weitere Nacht bei dieser Kälte auf offenem Feld würde er nicht ertragen. Die Aussicht in einem Tag wieder im Feuersaal sitzen zu können, beflügelte seinen Ritt.

Texte der Hauptreihe:
K1. Teil 1
K2. Teil 2
K3. Teil 3
K4. Teil 4
K5. Teil 5
K6. Teil 6
K7. Teil 7
K8. Teil 8
K9. Teil 9
K10. Teil 10
K11. Teil 11
1029 BF
Teil 6
Teil 5

Kapitel 6

Teil 7
Autor: Goswin,Gorbon