Spenden für die Ostmarken - Zeichen Korgonds

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Burgeschell in der Kaisermark im Rondra 1040 BF

Wenn der Wind Wellen in die goldenen Felder zeichnete, konnte sie sich vorstellen, nicht auf dem Rücken eines Pferdes zu sitzen. Dann stand sie am Bug eines Seglers, unter ihr das Perlenmeer und die kleinen Wäldchen und Weiler waren die Inseln. Die große Stadt am Horizont war dann auch nicht Gareth, sondern Perricum, wo ihr Liebster auf sie wartete. Wie lange war diese Zeit schon vorbei?

"Mutter?" riss sie Eylrun aus den Gedanken. Ihre "kleinste" hatte nun auch schon die ersten grauen Haare, aber es war Aurona als wäre es gestern gewesen, als ebenjene kleinste hier vor ihr auf dem Pferd saß und ihr in ihrer quitschigen neunmalklugen Stimme die Weltsicht einer Fünfjährigen erklärt hatte. Der Hügel nicht weit hinter Burgeschell war schon immer Auronas liebster Ort gewesen, denn nur hier konnte sie von der Leben träumen, das sie nie haben konnte. Was wohl aus dem hübschen Kaufmannssohn geworden war?

Wahrscheinlich war er entweder alt oder schon lange tot - so wie sie. Es gab kein Herumreden mehr: Auronas Körper würde seine Seele nicht mehr lange zu tragen vermögen. Die Luft wurde ihr von Tag zu Tag knapper, das Stechen im Herzen schmerzvoller, die notwendige Mittagsruhe immer länger. Andere mochten vielleicht Achtzig, Neunzig oder gar Hundert werden, Aurona fürchtete, sie würde ihren siebzigsten Geburtstag im nächsten Jahr nicht mehr erleben.

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Eylrun schüttelte den Kopf. Mutter wurde immer seltsamer, sie hörte gut, meist nickte sie oder antwortete kurz, wenn man sie ansprach, aber in ihrem Kopf war sie schon lange woanders. Sie redete meist flüsternd vor sich hin und starrte über die Felder hinweg zur Kaiserstadt.

Die Magierin hatte vorher gewusst, dass es nicht leicht werden würde, mit Mutter über den Spendenaufruf zu reden. Die Frau, die ihre Mutter einmal war, hätte Eylrun wahrscheinlich mit blitzschleuderndem Blick durch Burgeschell gejagdt, wenn sie mit so einer unverschämten Forderung gekommen wäre, aber dieser Charakterzug schien bereits entschlafen zu sein.

"Mutter?" fragte Eylrun nocheinmal und die Alte drehte sich zu ihr, und es dauerte ein wenig, bis deren Verwirrung Erkenntnis wich.

"Eylrun! Du bekommst graue Haare", merkte sie an, und zwar so als hätte sie dies zum ersten Mal bemerkt und nicht schon bei den vielen Treffen zuvor. Wahrscheinlich würde sie gleich auch wieder fragen, wie ihr Studium lief.

"Mutter, wir müssen über den Spendenaufruf reden. Der Markvogt..."

Die Alte zeigt auf die Felder: "Schau, die große Seeschlange, wir segeln da hinüber."

Schon ritt sie, im gemächlichen Tempo auf das Feld hinaus. Eylrun schnaubte genervt und folgte der Mutter ins Feld, "Mutter!"

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Aurona lächelte und riss das Ruder herum. Diesem Ungeheuer würde sie es zeigen. Sie wollte nicht die feine Hofdame sein, ihr Vater würde schon erkennen, dass sie zur Ritterin geboren war, wenn sie ihm den Kopf der Schlange brachte.

Und ihr Liebster würde eins von seinen schönen Gedichten über ihre Taten ersinnen, während sie in seinen Armen am Strand des Perlenmeers lag.

Das Monstrum tauchte aus dem Wasser auf und schnappte nach Aurona und dem kleinen Segler. Sie riss nocheinmal das Ruder herum, aber...

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Die zweite Hofmagierin des Markvogtes riss ihr Alriksmärker Ross in die Höhe: Direkt vor ihr und ihrer Mutter riss die Erde auf und ein windendes Band von Felsbrocken brach hervor.

Eine Schlange - ja, einer Schlange gleich, wandt es sich nach Norden und grub dabei das Feld um. Eylrun wollte zu einem Oculus ansetzen, als sie das Pferd der Mutter straucheln sah. Diese stieß einen leisen Schmerzenschrei aus, dann blieb sie auf dem Boden liegen. Das Pferd dagegen ging durch und verschwand in den Feldern.

Eylrun sprang neben der Mutter vom Pferd und schaute nocheinmal sehnsüchtig dem Phänomen nach, dass sie wohl nicht mehr rechtzeitig untersuchen können würde, dann hielt sie den blutigen Kopf ihrer Mutter im Schoß und begann mit einem Balsam.

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Sie schaute hoch in das Gesicht der jungen Frau mit den grauwerdenen Haaren. Die Schmerzen waren verschwunden, und mit ihnen auch jegliche Erinnerung. Sie wusste nichts, aber sie spürte, dass es gut war.

Ein Rauschen von Schwingen, das fühlte sie, kündigte ihren eigenen Tod an. Aber da war noch ein leises Geräusch: Es schwankte zwischen kreischendem Missklang aneinander reibender Steine und deren wohlklingenden Grollen. Und aus den Tiefen ihres sonst so leeren Geistes erhob sich ihr letztes Wort auf den blutigen Lippen: "Korgond".

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Texte der Hauptreihe:
K1. Zeichen Korgonds
K41. Geißel
K50. Im Loch
K64. 2 Selos
19. Ron 1040 BF zur mittäglichen Rondrastunde
Zeichen Korgonds

Kapitel 1

Drei Markgrafen, ein Anliegen
Zeichen Korgonds

Kapitel 3

Zeichen Korgonds
Autor: VolkoV
Wappen Kaiserlich Alriksmark.svg
Ereignis:
Das Zeichen des Erzes bricht in der Alriksmark auf und kündet von Korgond
Datum:
19. Ron 1040 BF
Betrifft: