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An der Marschroute nahe Strasslauf, Firun 1040 BF

Valveija, Orgosch und Ritter Brinwald hatten nach kurzer Beratung offenbar eine Entscheidung getroffen, Voltan aus dem Loch gezogen, ihn mit eilig zusammengesuchter warmer Kleidung aus den Beständen des Räuberverstecks, Essen und anderem Notwendigen versorgt. Dann hatte der Ritter dem Ochsenbluter sein eigenes Reittier überlassen und sie waren trotz Voltans geschwächtem Zustand gemeinsam aufgebrochen. Auf kaum erkennbaren Wegen abseits jedweder Siedlungen erreichten sie schließlich am Mittag des nächsten Tages den Rand des Feidewaldes. Klar und kalt war die Luft und die tief stehende Praiosscheibe ließ das firnbedeckte Land vor ihnen gleißen und glitzern wie die silberne igelgestaltige Schließe am Mantel des Ritters, dass man die Augen zusammenkneifen musste.

Der Elf, der auf dem Schnee scheinbar ohne einzusinken sicher und mühelos voran gelaufen war, blieb plötzlich stehen und wartete bis die anderen heran waren. Dann sprach er: „Nun trennen sich unsere Wege, Herr Voltan. Gen Ochsenblut nehmt jene Straße. Doch wenn ihr wirklich eure Reise der drei gütigen Schwestern fortführen wollt, dann müsst ihr diesen Weg nehmen. Möget ihr Euer Ziel wohlbehalten erreichen.“

„Dir war hold der Herr des Waldes. Gewogen ihn halte, solltest kommen du wieder einmal ins Herrenland“, mit diesen Worten drückte der Ork Voltan zum Abschied etwas in die Hand - eine kleine tönerne Figur in Form eines Igels. Voltan selbst war von der Erscheinung dieses Orks immer noch sichtlich irritiert.

„Habt Dank für alles, was ihr für mich getan habt“, antwortete der Ochsenbluter Seneschall seinen drei ungleichen Begleitern allen gegenüber, „Wenn ihr mich schon nicht begleiten wollt, sagt mir, wo ich euch finden kann, um mich erkenntlich zu zeigen.“

Der Ritter Brinwald winkte ab: „Zwei Dinge könnt ihr tun. Lasst mir mein Pferd zu Olgan Grambuschs Stall in der Reichsstadt Hartsteen bringen, wenn ihr es nicht mehr benötigt. Und behaltet, was ich euch jetzt sage: SIE sind mitten unter uns. Schärft Eure Sinne und erkennt, bevor es zu spät ist. Das steinerne Band ist am Zerbersten und die falsche Schlange flutet mit ihrer vielleibigen Brut das Land. Erreicht sie ihr Ziel, wird ihr nichts mehr verwehrt bleiben“, er sah Voltan eindringlich an, der die Worte auf sich wirken ließ. Dann nickte der Ritter seinen Kameraden zu, „Kommt.“ Ohne ein weiteres Wort zu verlieren, machten sie kehrt und ließen den Almosenmeister zurück.

Voltan von Heiterfeld sah dem Trio nach, bis es zwischen den Bäumen eines Wäldchens verschwand. Diese drei seltsamen Gestalten hatten ihm das Leben gerettet, als sie ihn aus dem Felsloch in der Räuberhöhle befreit hatten. Er hatte nicht viel über seine Retter herausgefunden, waren sie doch alles andere als gesprächig gewesen. So viel allerdings wusste er inzwischen: Sie waren auf der Jagd nach einem Untier gewesen und dabei ziemlich sicher gewesen, dass sie es mit ihm hätten aufnehmen können. Die Bestie war auf ihrem Weg der Zerstörung in das versteckte Räuberlager eingedrungen und hatte unter den überraschten Banditen gewütet wie der Fuchs im Hühnerstall. Voltan hatte die in rasender Wut zerfetzten Leichen einiger seiner Entführer gesehen, ein Anblick, der ihn in ihm die Erinnerung an die schreckliche Zeit vor fast 13 Jahren wachrief, als die Dämonenknechte im Schatten der Fliegenden Festung über das Herz des Reiches hereingebrochen waren. Das Blut der dahingemetzelten Räuber hatte den Schnee überall in der engen Felsenschlucht, die zur Räuberhöhle führte, getränkt. Im Nachhinein musste der Almosenmeister den Göttern beinahe danken, dass ihn die Schurken in dem Felsspalt eingekerkert hatten. Wahrscheinlich war er nur darum der Aufmerksamkeit des mordlüsternen Untieres entgangen. Eines allerdings hatte Voltan betrübt: Auch der Eichenblatt war nicht unter den Toten gewesen.

So stand er Voltan nun da, am Scheideweg, nach einem Mond voller Schmach und Entbehrungen. Sein ganzer Leib schmerzte und er fragte sich, wie die Burggräfin sich schlug, irgendwo dort im Feidewald. Erreichen konnte er sie nicht. Doch er konnte eines tun, er konnte seine Reise fortsetzen, aus Trotz wider diesem schrecklichen Eichenblatt und zur Ehr seiner tapferen Burggräfin, die – so betete er – tatsächlich in der Gunst des Grimmen stand.

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Texte der Hauptreihe:
K41. Geißel
K50. Im Loch
K51. Seltsame Gestalten
K64. 2 Selos
13. Fir 1040 BF
Seltsame Gestalten
Im Loch

Kapitel 51

Zum Gewürzwein beim Torfgrafen