Spenden für die Ostmarken - Ogerfresser und Reichsgau-ner

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Pfalzgrafschaft Reichsgau, 5. Hesinde 1040 BF

Sein halber Mantel flatterte im kalten Wind, Ucurian und die anderen ritten hinter ihm. Vor Reichsgau hatten sie Aldenried bzw. Puleth verlassen, wo der Kronvogt sie nicht hatte empfangen können, da er derzeit in Natzungen weilte auf einem Familienrat, da der Mendena-Feldzug und die Schlacht bei Zwingstein die Familie hart getroffen hatte. Voltan hatte dann entschieden, weiter zu reisen, in der Hoffnung, den Schwingenfelser am Ende seiner Reise noch in Natzungen anzutreffen.

Auf dem Weg waren ihnen allerhand Dinge geschehen, sein Unternehmen sprach sich langsam rum, im Guten wie im Schlechten. Nun aber erreichten sie endlich Pfalz Zwingzahn, den Herrschaftssitz des Bernhelm von Wetterfels, auch genannt „Ogerfresser“. Voltan hatte schon vom ihm gehört, ein unangenehmer Mann, allerdings auch ein Mann der Krone und so sah Voltan auch eine Gelegenheit für Spenden und Bericht an die Königin, von dem er stets auch eine Kopie nach Ochsenblut schickte.

An den Toren der immer noch nicht gänzlich wiederhergestellten Burg ließ man sie zuerst lange in der zugigen Kälte stehen und führte sie dann in einen recht ungastlichen Teil der Feste, in dem die Bauarbeiten gerade im vollen Gang waren. Einigen Fronarbeiter reichten Balken und Bretter über ein mehrstockiges Gerüst nach oben, während die Zimmerleute in schwindelerregender Höhe damit beschäftigt waren, den Dachstuhl eines Turmes zusammenzufügen. Plötzlich erscholl ein erschrockener Schrei. Gleich darauf schlug eines der massiven Hölzer krachend im Hof auf und verfehlte dabei nur knapp ein paar in unmittelbarer Nähe stehenden Personen in Jagdkleidung. Für einen Moment danach schien die Welt stillzustehen, doch dann entwickelte sich ein wildes Durcheinander aus bestürzten Rufen und herbeieilenden Helfern. Über allem aber donnerte eine befehlsgewohnte Stimme gefolgt von einer derben Schimpftirade: „Bringt mir diesen Kerl her“, donnerte eine befehlsgewohnte Stimme und begann eine derbe Schimpftirade, „Du Sau, du blöder Hund, du Stück Orkendreck! Na warte, wenn ich dich in die Finger kriege! Aus dir mach ich Mus!“, der Sprecher war ein feister schnauzbärtiger Mann mit zornig funkelnden Augen der breitbeinig und mit in die Hüften gestemmten Fäusten mitten im Hof stand.

„Erbarmen, Herr Graf“, wimmerte der unglückselige Pechvogel, als er, flankiert von zwei Waffenknechten, mit zitternden Knien vom Gerüst herunter stieg und vor den bebenden Mann gebracht wurde. Doch der hob unbarmherzig die mächtige Pranke und holte aus: „Du nichtsnutziger...“

Im letzten Moment hielt der Burgherr inne und knurrte: „Dein Glück, dass du mich verfehlt hast“, dann lachte er dröhnend auf, dass sein massiger Bauch wackelte. Der arme Mann hatte sich vor Angst in die Hose gemacht und begriff erst langsam, dass die Maulschelle, vor dem er zusammen gezuckt war, überhaupt nicht kam. Nach und nach stimmten auch andere, wenn auch etwas nervös, in das Lachen ein und die mit Händen zu greifende Spannung auf der Baustelle löste sich.

„Aber du hast meine Frau beinahe zu Tode erschreckt!“, der Schlag kam unerwartet und traf den Arbeiter mit voller Wucht, dass er wie vom Blitz getroffen zusammensackte.

„Schafft ihn mir aus den Augen! Ich will den hier nicht wieder sehen!“, orderte der Pfalzgraf an und wischte sich die blutige Faust an seinem Rockschoß ab. Dann fiel sein Blick auf Voltan: „Ah, Ihr müsst der Bettelvogt sein, den man mir ankündigte.“

Der Gesichtsausdruck des feisten, schnauzbärtigen Mannes war nicht sonderlich freundlich, wenn auch vage um Etikette bemüht, was ihm nicht gelang. Desweiteren deutete nichts an seiner Statur auf einen armen, Hartsteener Adligen hin, eher erinnerte er an ein borstiges, wohlgefüttertes Schwein. Voltan aber, endlich eine seiner Pfeifen rauchend, ging freundlich lächelnd auf den Schweinsgrafen zu. „Mein bester Pfalzgraf, Euer Hochwohlgeboren, welch intensiver Empfang, möchte ich sagen. Rustikal hartsteenisch, was?“, Voltan grinste breit, nicht ohne zu merken, dass der wohlgemeinte Witz eindeutig sein Ziel verfehlte und statt etwas Lockerung deutlich mehr Strenge in das dicke Schnauzbartgesicht schießen ließ. Ein Fehlstart. So bemühte sich Voltan um Glättung der so schnell aufkommenden Wogen, schließlich war er hier, um etwas zu bewegen: „Nun gut, lassen wir solch Albernheiten, denn die Lage ist wahrlich eine ernste. Wollen wir uns deshalb nicht in etwas gemütlichere Gefilde zurückziehen, wo wir gemeinsam mein wunderbares Gastgeschenk entkorken können, Euer Hochwohlgeboren?“

„Nein, hier ist gut, angemessen für einen Bettelvogt“, knurrte der Ogerfresser, während er sich am borstigen Doppelkinn kratzte und sein Blick zusehends finsterer wurde, „Denn Gastung ist Euch hier nicht gewährt.“

Voltan und seine Garde rückten intuitiv etwas zusammen bei diesen harschen Worten und selbst des Heiterfelder Lächeln erstarrte, während seine Gefährten gar schon in ernste Mienen verfielen: „Nun, werter Pfalzgraf, Mann der Krone, ich komme nicht umhin Eure angemessene Etikette zu vermissen, sehr schade. So bin ich doch eigentlich gekommen um euch meine helfende Hand zu reichen, wie auch schon in Bärenau und Aldenried, wo ebenfalls keine guten Zeiten herrschen, man mir dennoch mit dem gebührlichen Respekt und der eigens gereichten Hand entgegen gekommen ist. So dass ich der Königin bis auf den Zustand ihrer dortigen Lande nur Gutes berichten kann. Denn nicht nur mir war man aufgeschlossen gegenüber, sondern auch meiner Aufgabe als ALMOSENMEISTER.“, das letzte Wort betonte Voltan ganz genau.

Auch wenn Voltan es nicht direkt als Drohung gemeint hatte, lief der Kopf des Pfalzgrafs hochrot an und man hatte Angst dass das fette Ding bald platzen könnte. Doch entgegen dessen sprach er beinahe ruhig, wenn auch gepresst: „Dann Euer Wohlgeboren, werter ALMOSENMEISTER, helfe ich Euch gerne noch einmal auf die Sprünge: Ich habe Euch nicht eingeladen, also verschont mich mit Eurem ahnungslosen Geschwätz! Ich gebe Euch den Rat, den Reichsgau schnellstens zu verlassen, bevor ich Euch eigenhändig hinaus werfe. Versucht es mit Eurem Gewäsch doch meinetwegen bei den Pfeffersäcken in Gareth! Und sollte ich Euch je wieder in diesen Landen antreffen, werden Euch meine Leute hier behandeln wie jeden anderen gemeinen Strauchdieb oder verdammten Raubritter auch.“
Die Worte waren kaum gefallen als die Waffenknechte im Gefolge des Wetterfelsers Armbrüste und Klingen anhoben um der Forderung des Pfalzgrafen Nachdruck zu verleihen.

Voltans Garde-Leute und vor allem sein Begleiter Ucurian von Sturmfels-Feuerfang hatten ebenfalls blitzschnell die Hand am Schwertgriff, doch der Almosenmeister gemahnte sie mit einer kleinen Geste zur Ruhe und faste dann, diesmal mit ungewohnt ernster Miene, den Pfalzgraf ins Auge: „Ich bedaure zutiefst Eure Entscheidung, Euer Hochwohlgeboren. Und auch, dass ich mich nicht recht ausgedrückt habe und Ihr meine Worte offensichtlich missverstanden habt. Meinen Bericht verstehe ich nicht als Schelte, ich verstehe ihn als Geste der Hilfsbereitschaft, ganz im Sinne der drei gütigen Schwestern und meiner Reise. Doch wollt Ihr mich mitunter wohl auch falsch verstehen. Doch bevor Ihr hier einen großen Fehler begeht, erinnere ich Euch noch einmal an Euer Amt als Vasall unser und Königin und Kaiserin, die meinen Bericht lesen und interpretieren wird, gleich wie er nun eigentlich intendiert ist. So werden ich und meine Begleiter nun, ebenfalls im Sinne der ebenso friedlichen wie gütigen Schwestern, gehen. Denn in ihrem Namen werden wir kein Blut vergießen, auch zu Ehren der zuletzt so vielen Gefallenen. Denn geblutet haben zuletzt wahrlich zu viele, ob auf dem Schlachtfeld oder als Betroffener harter Zeiten. Doch wer unsere Hilfe nicht will, der wird sie auch nicht bekommen. (Wie die Tobrier.) Doch greift hinterher nicht zur Klage, wenn anderen an Eurer statt geholfen wird.“

Mit festem und unheiterfeldschem Blick fokussierte er den Wetterfelser, der finster-feist zurück blickte: „Von einem Bettler muss ich mich nicht über meine Pflichten gegenüber meiner kaiserlichen Lehnsherrin belehren lassen. Jedenfalls wird sie erfahren, wie Ihr hier anmaßend und selbstgerecht durch die Lande zieht und selbst sogar bei der Krone bettelt. Brinhart!“, wandte sich der Wetterfelser an den Hausritter zu seiner Rechten, „Geleite die Herrschaften zum Tor!“

Ohne Abschiedsgruß, doch dafür mit der Hand am Schwertgriff, folgten Voltan und seine Waffenleute dem Mann zu den Stallungen, jede Regung des sie begleitenden Waffenvolks des Ogerfressers genau beobachtend. Erst als sie Zwingzahn verlassen hatten und sich außer Bolzenreichweite befanden, wagten alle, erleichtert aufzuatmen.

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Texte der Hauptreihe:
K35. Ogerfresser und Reichsgau-ner
K41. Geißel
K50. Im Loch
K64. 2 Selos
Autor: Jan, Steinfelde