Spenden für die Ostmarken - Hartsteener Empfangskomitee

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Unweit der Natter, Nachmittag des 8. Rahja 1040 BF

„Da kommen sie.“

Retodan von Nesselregen zeigte nach Süden über die träge dahinfließende Natter. Zuerst nur als Staubwolke wahrnehmbar, schoben sich die ersten hochbeladenen Wagen des großgaretischen Spendenzuges in Sichtweite, als sie von der Halden her kommend den schattigen Netterwald verließen und auf der von Kirschbäumen gesäumten Landstraße an Haldensbrüel vorbei auf die hölzerne Natterbrücke zusteuerten. Bei Vordermühlen hatte Egbert von Lepel, wie mit Praiodan von Steinfelde vereinbart, die Geleitführung übernommen und das Hartsteener Banner flatterte gut sichtbar der nicht enden wollenden Kolonne von Wagen und Reitern voran.

Retodans Bruder Fredesaum schielte zu seinem Lehnsherrn hinüber, der wie ein stolzes Abbild Kaiser Retos statuengleich kerzengerade auf seinem edlen Schimmel im Kreise der versammelten Hartsteener Adligen saß und das nahende Spektakel musterte. Die hier Anwesenden hatten einen besonderen Teil zu der großherzigen Unternehmung beigesteuert und wollten nun die Gelegenheit nutzen, den Spendenzug auf der kurzen Strecke durch die Grafschaft zu begleiten: neben den beiden Nesselregens und dem Großteil der übrigen Rabensbrücker Vasallen auch eine Abordnung des Barons von Feidewald. Werdomar von Quintian-Quandt selbst hatte sich entschuldigen lassen, da seine Frau zur Stunde mit dem lang ersehnten Erben niederkommen sollte, und stattdessen seinen Schwager Burian Baerfold von Ebershag mit der Feidewalder Hausritterin Alwine von Hirschenrode geschickt. Heran kam auch der Hartsteener Wegevogt, der schon den ganzen Vormittag überall nach dem Rechten entlang der Straße und an dem eilig vorbereiteten Lagerplatz sah und so manchen Boten empfangen und abgefertigt hatte.

„Heda, Steinfelde. Könnt Ihr mir verraten, warum dieser Hinn eigentlich so eine Geheimniskrämerei um die Route des Spendenzuges betreibt?“, wandte sich der Baron von Rabensbrück an Praiodan von Steinfelde, der daraufhin seinen Braunen parierte.

„Er will seinen Grafen nicht verärgern, Hochgeboren, wegen der Brücke“, antwortete der Angesprochene.

„Ach, und deswegen ist er jetzt wohl auch nicht hier?“, erkundigte sich von Gareth weiter, „jedenfalls kann ich sein Banner nicht erkennen.“

„Sein Bote berichtete gerade, er habe mit ein paar anderen hohen Herrschaften einen Abstecher zum Kloster Sankt Ogdolf machen wollen, um dort weitere Gaben für den Osten abzuholen. Irgendwie ist er überzeugt, dass er die Brücke benutzen könne, wenn nur erst die Reichsforster Gräfin diese überquert und damit quasi legitimiert hätte.“

Die adligen Herrschaften lächelten kopfschüttelnd, während die Miene des Rabensbrückers nur durch das leichte Heben seiner linken Augenbraue zu erkennen gab, was er von diesem Manöver hielt.

„Im Ernst, Steinfelde?“, mischte sich Retodan von Nesselregen ein, der als Kastellan auf der Baronsfeste wirkte, „Diese Charade ist doch lächerlich. Alle Welt weiß längst Bescheid und die Fuhrleute da drüben lachen sich wahrscheinlich schlapp darüber. Denn natürlich benutzen die Leute die Brücke seit einem dreiviertel Jahr; sie wären ja auch dämlich, wenn nicht. Unser Brückenzoll ist immer noch weit geringer als das, was die Krämer auf der Route über Wandleth zahlen müssen und natürlich in Gareth auf den Preis draufschlagen.“

„Das braucht Ihr mir nicht zu sagen, Nesselregen“, gab Praiodan zurück und konnte dabei den Stolz in seiner Stimme nicht verhehlen, als er ergänzte, „Und es kann uns nur recht sein, wie sich die Dinge entwickeln. Die bisherigen Einnahmen waren sehr vielversprechend. Wenn es so weitergeht, haben sich die Baukosten alsbald amortisiert.“

Fredesaum von Nesselregen nickte bestätigend. Der gemeinsam mit Steinfelde und Desmerkuppe initiierte und von etlichen Südhartsteener Adligen und sogar der Reichsstadt unterstützte Brückenbau würde einen weiteren Baustein dazu liefern, den Einfluss seiner Familie auf die Geschicke der Baronie Rabensbrück und den Baron selbst weiter auszubauen. Allerdings mussten sie vorsichtig vorgehen, denn es zeigte sich immer wieder, dass der blasierte Spross des garetischen Fuchses seinen eigenen Kopf hatte und sich nicht kommandieren ließ. „Als Geste der Hartsteener Gewogenheit für das Unternehmen wird der Spendenzug die Brücke selbstverständlich frei passieren dürfen.“

„Apropos“, fragte Burian von Ebershag etwas unbedarft in Richtung Alriks von Gareth, der noch keine Anstalten machte, den Befehl zum Aufbruch zu geben, „Wollen wir sie nicht würdig begrüßen?“

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Texte der Hauptreihe:
K41. Geißel
K50. Im Loch
K64. 2 Selos
K82. Hartsteener Empfangskomitee
Autor: Steinfelde