Spenden für die Ostmarken - Gut gewürzt

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Festung Feidewald, Unterburg, 24. Firun 1040 BF

»Bitte folgt mir, Wohlgeboren. Im warmen Kaminzimmer lassen sich Eure Angelegenheiten besser besprechen.«

Die Burgvögtin Elvena von Hartsteen, eine ältere und freundlich lächelnde Dame, führte Voltan von Heiterfeld in eine warm geheizte Kammer, fast schon ein wenig zu hitzig für den Geschmack des Ochsenbluter Seneschalls, dem bald kleine Schweißperlen auf die Stirn traten. Ein Diener brachte heiß dampfenden stark gewürzten Wein in einfachen Tonkrügen, eine Freundlichkeit, die der Gast nicht ablehnen wollte. Nach den ersten kleinen Schlucken fühlte er Wasserfälle seinen Rücken unter seinem verschwitzten Hemd herablaufen.

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Nachdem ihn seine Retter in der Nähe des kleinen Weilers Strasslaufs vor wenigen Tagen verlassen hatten, war Voltan auf dem geliehenen Ross noch unter einigen Schmerzen entlang der matschigen Reichsstraße bis nach Goldenkron gelangt, noch immer unter dem Eindruck der Erlebnisse der letzten Wochen. Die Verwalterin des wehrhaften Gutes, das in den letzten Jahren einige Male von Raubzügen aus dem Hartsteenschen betroffen worden war und daher auf Geheiß des Raulsmärker Burggrafen mit einer Palisade und einer Lanze Soldaten verstärkt worden war, hatte ihn erst skeptisch empfangen und als einen gemeinen Landstreicher und Pferdedieb festnehmen lassen wollen. Doch zu Voltans Glück war die bildhübsche Dame, deren Frisur auch bei dieser Firunskälte perfekt saß, als Gast auf dem Fest zum Traviabund zwischen seiner Tochter Palinai und Ucurian von Sturmfels-Feuerfang geladen gewesen. Sie erinnerte sich noch gut an seine festlichen Kleider und den stolzen Blick des Brautvaters, und mit einem hellen glockenhaften Lachen stellte sie fest, dass er von dieser Erscheinung gegenwärtig weit entfernt sei.

Gestärkt durch und mit frohem Mut, mit frischen Kleidern und einem neuen Pferd, hatte sich Voltan wenige Tage später auf die nächste Etappe seiner Reise gemacht, nicht bevor er jedoch einen Boten nach Heiterfeld und Ochsenblut entsandt hatte, um die Sorgen um sein Wohlergehen zu zerstreuen, über seine weiteren Pläne zu informieren und seine Begleiter zu sich zu beordern. Am Ufer des Danilossees entlang führte ihn sein Weg in die Baronie Feidewald, wo er die steilen Serpentinen hinauf zur düsteren Festung hinaufritt, die im Schatten des mächtigen Grafenhaupts lag.

Voltan hatte ein wenig von der Geschichte dieser trutzigen Burg gehört und ein leichter Schauer überkam ihn, als er die grob gehauenen Felsmauern aus der Nähe betrachtete. Man erzählte sich im Volk, dieser Ort sei in der grauen Vorzeit ein heiliger Ort der Trolle gewesen, an dem die Herrschaft über die Natter, die er aus den Anhöhen herab als silbern schlängelndes Band gen Osten verschwinden sah. Kurz kam ihm in den Sinn, dass an diesem Ort ebenfalls die langjährige Fehde um die Hartsteener Grafenkrone entschieden worden war, nachdem der heutige Baron und sein Bruder, beides enge Verwandte und Vertraute des unterlegenen Grafen Geismar, ihre Familie verraten und den die Burg belagernden Rittern des Hauses Hartsteen die Tore geöffnet hatten. Irgendwie erschien es Voltan stimmig, dass dergleichen in diesen Landen passiert war.

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»Leider kann der Baron von Feidewald Euch nicht empfangen, da er um diese Jahreszeit in seinem Stadthaus in der Reichsstadt Hartsteen weilt. Die kalten und feuchten Gemäuer bekommen seinem Gemüt nicht gut und von Hartsteen aus kann er die Geschäfte als Kämmerer der Grafschaft besser vornehmen als in dieser abgelegenen Klause«, die Burgvögtin reichte dem lächelnden Voltan einen einfachen irdenen Napf, in dem ein stark duftender Eintopf dampfte. Schon beim ersten Bissen stiegen ihm Tränen in die Augen, lange nicht mehr hatte er ein derart scharf gewürztes Gericht gekostet. Es lag ihm auf der Zunge zu fragen, ob in Hartsteen alles etwas schärfer zu sich genommen würde, aber er wusste nicht, wie seine Gesprächspartnerin diesen Seitenhieb aufnehmen würde. Er beließ es daher mit einem heftigen Nicken mit fest geschlossenen Lippen.

Es klopfte an der Tür und ein Mann mit Stirnglatze und kostbaren Gewändern betrat den Raum. Voltan konnte anhand der Insignien schnell erkennen, dass es ein Geweihter des listigen Herrn war, der sich ihm als Yaldur Plenkner vorstellte.

»Werte Elvena«, sagte der Phexensdiener mit tadelndem Unterton an die Burgvögtin gewandt, »Es ist nicht recht, dass Ihr alle Gäste, die sich einmal nach Feidewald verirren, bei Euch in der Unterburg im Namen des Grafen bewirtet, während wir in der Oberburg vergeblich nach Neuigkeiten und Zerstreuung lechzen.«

»Vergeblich?«, die Hartsteen zog eine Augenbraue nach oben und für einen Moment meinte Voltan einen Hauch Ärger über das ansonsten beherrschte Gesicht der Dame huschen zu sehen, »Dann wären Euer Gnaden ein schlechter Diener Eures Herrn.«

»In der Tat!«, der Mann grinste und wandte sich dann an Voltan: »Der Auftrag, in dem Ihr unterwegs seid, eilt Euch, wie ihr vermuten könnt, bereits voraus. Ich habe bereits vor Tagen die Anweisung aus Hartsteen erhalten, Eurer Bitte um eine großzügige Spende für die Ostmarken zu genügen und werde darüber hinaus noch den gewünschten Betrag um fünf Heller pro Untertan erhöhen.«

Der Geweihte fügte hinzu: »Dem Baron und seiner Familie liegt das Wohlergehen der befreiten Länder sehr am Herzen. Wie Ihr vielleicht wisst, erhebt sein Bruder Anselm den Erbanspruch auf die Warunker Baronie Radromsbusch, die seine Mutter Udina aus den Händen Reichsbehüter Brins empfangen hatte. Es gestaltet sich nun ein wenig schwierig, diese Ansprüche vor Ort auch durchzusetzen. Daher legt der Baron sehr viel Wert darauf, dass Ihr bei der Abgabe der Spenden seine Mühen dem Warunker Markgrafen besonders empfehlt. Es soll Euer Schaden nicht sein.«

Freudig bedankte sich Voltan für die großzügie Spende, die er in dieser Form nicht erwartet hatte. Kurz kam ihm in den Sinn, die beiden darauf anzusprechen, wie schwierig die bisherigen Bemühungen gewesen waren, die ihn fast sein Leben gekostet hätten. Aber er verwarf den Gedanken, zu sehr hatte er feststellen müssen, dass seine Äußerungen in Hartsteen zu oft falsch verstanden worden waren.

Als Voltan Feidewald am nächsten Tag verließ, grübelte er darüber, wie unterschiedlich diese Grafschaft doch war. Während der eine Teil seine Kinder nicht ernähren konnte oder ihn mit geladener Armbrust von seinem Land vertrieb, hatte er hier das Gefühl gehabt, vollkommene traviagefällige Gastfreundschaft erfahren zu haben. Gespannt war er, wie seine Reise weiter verlaufen würde, als er die Grenze zur Pfalzgrafschaft Bugenhog überquerte.

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Kapitel 54
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Briefspiel 
Zeit: 24. Fir 1040 BF, am späten Nachmittag
Autor: Jan, Hartsteen