Spenden für die Ostmarken – Winterjagd zu Gareth

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Schloss Ginsterhold, Kaiserlich Raulsmark, 1. Firun 1040 BF:

Friedlich, ins Weiß der winterlichen Landschaft gebettet, lag das malerische Wasserschloss Ginsterhold, das seit fast 50 Götterläufen dem aus Aranien stammenden reichstreuen Haus Aimar-Gor als Stammsitz diente. Der Reichsrat und zeitweise kommissarische Reichserzkanzler des Raulschen Reiches Pelion Eorcaïdos von Aimar-Gor machte das einst verschlafene Schloss durch seine pompösen Bälle und Empfänge zu einem gesellschaftlichen Brennpunkt der Reichen und Mächtigen der Goldenen Au. Dabei gingen hier sowohl der der Adel, wie auch die Patrizier der Kaiserstadt Gareth ein und aus. So sehr man sich auch gegenseitig verachtete, so brauchte es doch auch Orte der Zusammenkunft um Geschäfte zu machen und Absprachen zu tätigen. Mittelpunkt ein jeder Festlichkeit war schon zu Lebzeiten des Reichsrates seine Gemahlin Rymiona von Aimar-Gor, eine vollendete Salondame und erfahrene Diplomatin. Die Edeldame mit aranischer Grandezza war schon in jungen Jahren eine imposante Erscheinung. Nun, zu einer älteren Dame gereift, hatte sie nichts von ihre Würde und Anmut verloren. Noch immer gehörte sie zu den großen Damen der garether Gesellschaft mit besten Beziehungen.

Der Firunmond war traditionell die Zeit, in der der Landadel der Goldenen Au seine Winterjagden abhielt und auch die Bürger und Patrizier Gareths taten es dem Adel gleich und jagten im garether Stadtforst Wirselried dem Schwarzkittel hinterher. Die Eröffnung der Jagdsaison war seit vielen Götterläufen der Winterempfang auf Schloss Ginsterhold. Eine Einladung galt als gesellschaftliches Privileg und war heiß begehrt.

Am Haupttor des Schlosses ging es zu wie in einen Bienenstock. Von scheinbar überall her strömten Kutschen und einzelne Reiter Ginsterhold entgegen. Hatten die Gäste das Haupttor passiert, führte ihr Weg sie linker Hand an den Ställen und Wirtschaftsgebäuden vorbei, welche von einer uralten Eiche flankiert wurden. Das Schloss war nämlich keineswegs nur pure Repräsentation, sondern zu den Besitzungen der Aimar-Gor zählten auch einige Morgen Äcker und Wiesen im Umland des Marktes Ginsterfeld.

Schließlich erreichten die Gäste das eigentliche Wasserschloss, welches über eine steinerne Brücke zu erreichen war. In dem kleinen See, der den Wassergraben des Schlosses bildete, schwammen unzählige kleine Lichter, die das Schloss in eine einladende Atmosphäre tauchten. Über dem Tor hingen die Banner des Hauses Aimar-Gor, des Königreichs Garetien, sowie das Reichsbanner.

Eine der vielen Kutschen kam vor der steinernen Brücke zum stehen. Ihr entstiegen der Junker von Untergardeln und kaisermärker Landrichter Alrik Leuwin von Trenck und seine beiden Begleiter Thyrian von Zweifelfels und Roban Leuenstolz vom Berg. Die hohen Herrschaften eilten über die Brücke in den Innenhof um schnell wieder ins Warme zu gelangen. Im repräsentativen - und über und über mit Jagdtrophäen geschmückten Empfangssaal des Hauptgebäudes wurden die neu Ankommenden von der Gastgeberin Rymiona von Aimar-Gor standesgemäß begrüßt.

Der große Rittersaal war bereits gut gefüllt und hier und da versammelten sich kleine Grüppchen um sich über die neuste Mode, den Beginn der Jagdsaison, oder aber über den neusten Klatsch auszutauschen. Romelio von Agur und Salix von Zolipantessa standen etwas abseits und beobachteten das Treiben, so wie es Romelios Vater ihnen aufgetragen hatte. So sahen die Jünglinge die beiden Geweihten Yurika Eorcaïdos von Aimar-Gor und Rahjalieb Bugenhog im vertrauten Gespräch miteinander. Wie auch Prinzessin Lorindya Amene von Firdayon-Bethana sich angeregt mit Raulwine von Luring-Rabenmund und Selinde Eorcaïdos von Aimar-Gor austauschte. Es ging wohl um die bevorstehende Vermählung des jungen Horas, wie die beiden Jungen aus den Wortfetzen, die sie aufschnappen konnten, heraushörten.

Als der großgaretische Almosenmeister Udalbert von Cletzau den Saal betrat, nickten viele der Anwesenden dem frisch ernannten Edlen von Hohenfelden wohlwollend zu. Einigen versteinerten die Gesichtszüge jedoch, wie dem königlichen Wägevogt Germuth Praiosdank von Königslinden, oder aber dem garether Stadtadligen Eberhelm von Garnelsand, denn sie konnten der ganzen Spendensammlerei für den Osten nichts abgewinnen.

Nicht nur die für ihre schrillen Auftritte bekannte Edle Calinda von Nesselregen-Nesselweil war sichtlich erstaunt über die Begleitung des Edlen und auch der alternde Edle Lares Sigman von Feenwasser und der junge Händlersohn Cyberian Okenheld staunten nicht schlecht: An Udalberts Seite schritt die Edle Darline von Mirbusch-Karfenck, die einflussreiche graue Eminenz des Handelshauses Karfenck, wie hinter vorgehaltener Hand geraunt wurde. Die stämmige, aber quirlig wirkende Dame musterte mit wachen Augen ihre Umgebung. Sofort eilte Marbert vom Berg herbei, der eben noch mit Alderan von Isppernberg geplaudert hatte, um den Almosenmeister und seine Begleiterin in seiner bekannt überschwänglichen Art zu begrüßen.

Romelios Blick blieb unterdessen an dem Wägevogt haften, dieser schien dem Garnelsand irgendwas zu erzählen, was diesem scheinbar nicht gefiel. Grimmig schaute sich der Stadtadlige um. Hielt er etwa nach Amilia Groterian Ausschau? Es war ein offenes Geheimnis, dass sich die beiden bis aufs Blut hassten. Sie, die wohl einflussreichste Patrizierin Gareths, strebte nach einer rein bürgerlichen Herrschaft über Gareth. Solche Konstrukte wie der Rat der Helden waren ihr zuwider. Ihr politisch gegenüber stand er, der konservative und standesbewusste Stadtritter, der Gareth lieber heute als morgen wieder unter die Adelsherrschaft zwingen wollte. Es war die Besonderheit dieser Gesellschaften, dachte sich Romelio, dass hier Menschen aufeinander trafen, sie sich sonst nie begegnen würden. Das machte den Reiz aus, eröffnete Möglichkeiten.

Schließlich war der Moment gekommen, die zweiflügelige Tür des Rittersaals öffnete sich und die Gastgeberin Rymiona von Aimar-Gor trat herein. Die trug ein ausladendes Kleid in Weiß und Hellblau, den Farben des eisigen Herrn Firun. Die droler Spitze war gar in Form von Eiskristallen gefertigt. Wahrlich eine Erscheinung. Der Mann, an dessen Arm sich die galante alte Dame eingehakt hatte, war kein geringerer als der Markvogt der Kaisermark Barnhelm von Rabenmund. Galant führte der Markvogt die aranische Edle in den Saal, verbeugte sich vor ihr und gab ihr einen Handkuss.

Rymiona schritt zu einen Podest und erhob ihre Stimme:

„Der Mond des grimmigen Jägers ist angebrochen und ich könnte nun – dem Anlass entsprechend – über die Kreaturen des winterlichen Forstes sprechen. Über den jungen Wolf, der auszog um die Lämmer der gleißenden Sonne und der gütigen Schwestern zu reißen und sich dann doch wie ein geprügelter Hund zurück in den Schoß der Bärin trollte. Ich könnte davon erzählen, wie ihm Bär und Eber beisprangen, um die streunenden Wölfe des Waldes zurück ins alte Revier zu führen. Doch finden sich im Wald von Fuchs und Greif keine Wölfe – zumindest jetzt nicht mehr.“ Rymionas Blick fiel auf die unzähligen Felle erlegter Wölfe, die wie Trophäen im Saal ausgelegt waren und bei den Anwesenden für Gelächter sorgten. „Ich könnte davon erzählen, wie Fuchs, Greif und Rabe die Wächter der Ordnung des Waldes sind. Doch es ist nicht in der Natur des Herrn Firun, im Gram zurückzublicken. Von dem Weißen Jäger haben wir gelernt, uns auf unsere Stärke zu besinnen. Denn nur gemeinsam kann ein Rudel den Winter überstehen. Daher sandte uns der eisige Herr seine schwanengleiche Tochter, auf das nach jedem auch noch so kalten Winter wieder Frühling werde. Wir gedenken des ewigen Kreislaufes von Werden und Vergehen, auf das wir mit Demut und Dankbarkeit auf das blicken, was uns das Land schenkt. Wir sind das Herz des Reiches und ohne Herz, kein Leben! Möge das Land stets mit uns sein!“

Tirion Bugenhog, der gemeinsam mit seinem Sohn Mirfan ein gern gesehener Gast auf Schloss Ginsterhold war, schritt nach der Ansprache von Rymiona auf die Edle zu und hakte sich bei ihr unter.

„Rymiona, edle Freundin, der ginsterholder Winterempfang zu Ehren des grimmen Jägers ist wie gewohnt famos. Eure Gastlichkeit übertrifft fast schon die meine, na ja, aber nur fast.“ Der Direktor der garether Kaiserthermen und Gastgeber zahlreicher illustrer Tischgesellschaften zwinkerte der älteren Dame zu.

„Tirion, mein Bester, was für ein seltener Anblick: ein Mann der seinem Ruf gerecht wird.“ Ein verschmitztes Lächeln huschte über Rymionas Gesicht. „Aber wer die Wasserversorgung der Kaiserstadt kontrolliert und somit Herr des Tafelwassers ist, darf auch als Meister der Gastlichkeit gelten.“

„Ich habe die Wahrhaftigkeit Eurer Worte, die aus Euren Munde sprudeln wie reinstes Quellwasser, schon immer sehr geschätzt. Um so mehr freut es mich Euch eine sehr erquickende Nachricht zu überbringen. Der Stadtrat hat in seiner letzten Sitzung über die Spendensache für die Ostmarken entschieden.“

„Ach ja, hat er das.“

„Ja ja, Euer Sohn und seine illustren Freunde dürfen sich freuen, denn der Stadtrat hat beschlossen ihren kleinen Wohltätigkeitsaufruf nachzukommen und zwar auf den Silberling genau.“

„Welch gütige und politisch weise Entscheidung. Aber von Euch, lieber Freund, habe ich auch nichts anderes erwartet. Ach, würdet Ihr mir einen Gefallen tun? Bitte teilt meinem Sohn die frohe Botschaft doch selber mit. Er ist gleich dort hinten mit seinem Vetter Gerwulf von Gareth und dessen reizender Tochter Xanjida.“

„Wie könnte ich Euch einen Wunsch abschlagen.“

„Eure Güte wird nur noch von Eurem Charme übertroffen, lieber Tirion. Aber bitte erleuchtet mich, wie viele Einwohner nennt die Kaiserstadt ihr eigen?“

„Liebste Rymiona, auch wenn ich sicher bin, dass Ihr meiner Erleuchtung nicht bedürft. Alt-Gareth und seine Besitzung das Südquartier zählen summa summarum um die 100.000 Seelen.“

„Habt Dank, ich hoffe der Stadtrat zahlt den Silberling auch für die Seelenlosen. Wir reden schließlich von Gareth.“ Der Ratsherr lächelte amüsiert, verbeugte und entfernte sich.

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Texte der Hauptreihe:
K41. Geißel
K48. Winterjagd zu Gareth
K50. Im Loch
K64. 2 Selos
1. Fir 1040 BF
Winterjagd zu Gareth
Vellberger Wein

Kapitel 48

Auf der Jagd
Autor: Bega