Spenden für die Ostmarken – Mitten im Mittwald II

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Burg Falkenwind, Baronie Falkenwind, 4. Hesinde 1040 BF:

Yalinda und ihre Bedeckung ritten von Silz aus westwärts immer tiefer in den Reichsforst. Auf dem Weg nach Burg Falkenwind schlossen sich der kleinen Gruppe der Edle Perz von Plöch und der Ritter Ehrbrecht von Hettfeld an. In Falkenwind angekommen, geleitete Burgvogt Ulmfried Sauerbinder die willkommenen Gäste in den kleinen Palas der Burg. Dort wurde die waldsteiner Almosenmeisterin sehr freundlich von Baron Allerich von Falkenwind und seiner Gattin Baronin Selfina empfangen. Auch hatten sich hier bereits die beiden Ritter Horgert von Altensberge und Wolfhardt von Hellrutsberge versammelt. Voller Wohlwollen und Güte wären die Worte des Barons, dessen Geschlecht sich schon seit vielen Jahrhunderten mitten im Reichsforst halten konnte.

„Hochgeboren, ich bin tief gerührt über den warmen Empfang in Euren Landen. Mögen es Euch die drei gütigen Schwestern vergelten.“ Die Peraine-Geweihte war ehrlich bewegt.

„Eure Gnaden, Euer angekündigtes Erscheinen in unserem bescheidenen Heim ehrt uns sehr. Auch im ewigen Forst sind wir dem Reich und unsere Kaiserin tief verbunden. Das Reich gleicht einem Körper, wenn ein Körperteil schmerzt, so leidet der Rest mit ihm. Die Goldene Au ist das pulsierende Herz, wir im Mittwald die Lungen, gemeinsam halten wir den Körper am Leben. So ist es unsere heilige Pflicht unseren Geschwistern in Warunk, Beilunk und der Rabenmark zur Hilfe zu eilen. Doch haben wir hier im Forst nicht viel zu geben, denn das Leben hier ist hart und stellt uns immer wieder neu auf die Probe. Der Winter naht und auch unsere Untertanten, für deren Schutz wir geschworen haben zu sorgen, sollen die Zeit des Grimmigen ohne Hunger und Not überstehen.“

Yalinda nickte verständnisvoll, das Leben hier war entbehrungsreich.

„Dennoch“, erhob nun die Baronin ihre Stimme, „haben unsere treuen Versallen und auch mein lieber Gemahl alles mögliche in Bewegung gesetzt um zumindest einen bescheidenen Betrag für Eure göttergefällige Sache beizutragen. Darüber hinaus werde ich Euch ein Schreiben an meine ehrenwerten Verwandten in Falkenstein mitgeben, mit der Bitte reichlich zu geben.“

„Habt Dank.“ Die Peraine-Geweihte neigte dankbar ihren Kopf und deutete eine Verbeugung an. „Jeder noch so kleiner Beitrag hilft Leid und Sorgen zu lindern. Die drei gütigen Göttinnen mögen weiterhin mit Euch sein.“

Baron Allerichs Knappe Gorwin übergab Yalinda einen Beutel gefüllt mit etwa 50 klingender Silbermünzen. Der weitere Verlauf des Abends sollte ein Paradebeispiel von waldsteiner Gastlichkeit werden. Ulmfried packte seine Fiedel aus und gab mit dem in der Minne sehr begabten Wahnfried eine der schweren waldsteiner Balladen zu Besten. So saßen alle einträchtig beisammen, bewegten ihre Köpfe zum Takt der Musik oder schauten verträumt in die Ferne. Sogar die grobschlächtige Haldana wippte mit ihrem rechten Bein, während die Pagin Leudane fleißig hellrutsberger Dunkles Helles und warmen Beerenwein nach schenkte. Zu späteren Stunde trug die sonst eher wortkarge falkenwinder Hausritterin Rhena von Plöch ungewohnt wort- und gestenreich düstere Heldengeschichten von der Schlacht bei Zwingstein vor.

Yalinda war beseelt und fühlte eine innere Wärme. Selbst jene die nicht viel geben konnten, waren bereit zu helfen. Güte und Warmherzigkeit sprach aus ihren Herzen. Die Peraine-Geweihte überlegte, das Herrschergeschlecht von Falkenwind war bekannt für ihre Güte. Sie waren eng mit dem Land und ihren Bewohnern verbunden. Wahrscheinlich ein Grund warum der sonst überall wuchernde Reichsforst gerade hier sich nicht ausbreitete. Doch wurde auch über den sogenannten Falkenwinder Feenpakt gemunkelt, der der Familie die Herrschaft über die Ländereinen mitten im Forst sichern soll. Die Familie war mit dem Land und das Land war mit der Familie. So musste es sein. Dieser Tage schienen besonders die Familien an Macht zu gewinnen, die eng mit dem Land verbunden waren – wie eben die Falkenwinder. Sie stellten nicht nur den Baron von Falkenwind, sondern auch den Landvogt von Gräflich Silz. Vor wenigen Monden war Baron Allerichs Schwester Celissa gar zur Kronvögtin von Serrinmoor ernannt worden. Die eng mit den Mysterien der Grafschaft verbundene Familie Falkenwind, die überdies als Freund der Elfengräfin galt, war nun zu einem entscheidenden Machtfaktor in Waldstein geworden. Besonders, da die beiden anderen großen Familie Streitzig und Zweifelfels mit internen Angelegenheiten beschäftigt waren.

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Am nächsten Morgen hieß es Abschied nehmen von diesen gastlichen Ort mitten im Reichsforst. Haldana und Wahnfried sattelten bereits die Pferde. Yalinda wandelte einen der langen, spärlich beleuchteten Gänge der alte Burg entlang, ihre Gedanken kreisten noch um den vergangenen Abend, als zwei Frauen ihr entgegen kamen, die ihr noch nicht begegnet waren. Die eine, eine alterslos schöne Frau mit langen, dunkelbraunen Haaren und einem Gesicht so rein und weiß wie Schnee. Das musste Allerichs Mutter Rahjagunde sein, dachte sich Yalinda. Viele Gerüchten kursierten über die Baronsmutter, die scheinbar nicht zu altern schien und zurückgezogen in der obersten Turmkammer des Bergfriedes lebte. Die zweite war ihre Kammerdienerin, die entfernt mit Yalinda verwandt war. Doch waren sich die beiden erst einmal vor vielen Götterläufen begegnet.

Die tiefblauen Augen der Alt-Baronin fixierten Yalinda im Vorbeigehen und schienen sie zu durchbohren. Ihr war so, als ob Satinav die Zeit für einen Moment angehalten hätte.

„Der Wald ist mit Euch“, sprach die alterslos schöne Frau, während sie milde lächelnd an der Peraine-Geweihten vorbei schritt.

Yalinda hielt einen Moment inne, drehte sich dann zu den beiden Frauen um und wollte was sagen, doch brachte sie keinen Ton heraus.

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Texte der Hauptreihe:
K32. Mitten im Mittwald II
K41. Geißel
K50. Im Loch
K64. 2 Selos
4. Hes 1040 BF
Mitten im Mittwald II
Die Stimmen des Volkes

Kapitel 33

Mitten im Mittwald II
Autor: Bega