Spenden für die Ostmarken – Im Auge des Pfauen

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Alcazaba Zolipantessa, Reichsstadt Perricum, 9. Tsa 1040 BF:

Es war überraschend kühl, nahezu frostig im kleinen Ratssaal des Alcazaba Zolipantessa. Ebenso frostig war auch der Empfang gewesen. Die markgräfliche Almosenmeisterin Rhuna vom Bogen und ihre beiden Begleiter Geriane von Sturmfels und Selo von Alxertis betrachteten mit einigen Unbehagen die Szenerie.

Auf einer Empore thronte Reichsvögtin Sarina von Zolipantessa. Ihr ausdrucksstarker Blick schien die drei Bittsteller nahezu zu durchbohren. An ihrer Seite weilten die Ratsherrin Alsinthe Barûn-Bari, deren emotionsloser Gesichtsausdruck ebenfalls nicht für Entspannung sorgte, sowie die Beirätin Pernilla von Zolipantessa, die seltsam abwesend schien. Unterhalb der Empore saß die erste Schreiberin Amalia von Palmyr-Donas, eine hagere alte Frau mit ausdruckslosen Gesicht. Etwas im Hintergrund stand die Schöffin Vilthina von Rauleu, eine burschikose Exil-Beilunkerin. Sonst war der Ratssaal leer.

`Das war also das neue Perricum?´, dachte sich Selo und musste schlucken.

Rhuna waren die Personen vor denen sie nun stand alle unbekannt. Selo und Geriane hatten sie vorher so gut es ging über die Mächtigen der Reichsstadt aufgeklärt. Nach dem Tag der Schande und vor allem nach der Haffax-Inversion hatte sich einiges in Perricum geändert. Der alte Reichsvogt war als Verräter gefallen, viele andere Ratsherren mit ihm. Die Umwälzungen hatten schließlich Saria von Zolipantessa in das Amt der Reichsvögtin gespült – ein geheimnisvolle Frau, um der sich viele Gerüchte rankten. So soll sie der Gesellschaft vom Pfauen angehören, einer obskuren Geheimloge von Patriziern und Geweihten, die vordergründig als Wohltätigkeitsgemeinschaft jedes Jahr öffentlichkeitswirksam Bedürftige unterstützt. Diese Wohltätigkeiten waren es wohl auch, die der Reichsvögtin die Unterstützung des Pöbels garantierte. Die politische Agenda der gönnerhaften Stadtadligen mit eisblauen Blick war jedoch noch unbekannt. Wie es hieß, wolle sie vor allem den Fernhandel stärken, jetzt wo die Blutige See nahezu Geschichte war. Aber auch der Bau der Stadtmauer am Darpatufer soll auf ihre Initiative zurückgehen.

Mit strengen Blick sah die Reichsvögtin auf Almosensammler herab.

„Ihr habt bereits große Anstrengungen auf Euch geladen, Rhuna vom Bogen, und alles nur um den fernen Landen jenseits der Trollzacken zu helfen. Doch seht Ihr nicht, das Elend herrscht auch hier in den Landen am Darpat. Wer hat mehr gelitten als das stolze Perricum, das Tor zum Herzen des Reiches? Dennoch tretet ihr vor den Rat, um Almosen zu erbitten und zwar nicht für die Unsrigen.“

Rhuna wurde kreidebleich, sie wollte etwas erwidern, bekam aber keinen Ton heraus. Mit schneidiger Stimme fuhr die Reichsvögtin fort.

„Der Rat hat Euer Begehr abgelehnt! Das stolze Perricum, Hüterin des Golfes und Herrin des Perlenmeeres wird aus seiner Asche wieder auferstehen und Glänzen wie nie zuvor! Das hat Priorität für die hohen Ratsherren.“

Enttäuschung machte sich in den Gesichtern von Rhuna, Geriane und Selo breit. Sie hatten gehofft hier etwas erreichen zu können. Wieder erhob die Reichsvögtin ihre Stimme, doch diesmal war ihre Tonlage anders, viel freundlicher.

„Dennoch gibt es unter uns mildtätige Seelen, die ihre Augen nicht vor dem Leid der anderen verschließen.“ Die Reichsvögtin sah du den Ratsherrinnen zu ihrer rechten und linken.

„Daher werden wir Euch vier mal vierhundert Golddukaten übergeben.“ Zwei Lakaien trugen eine Holzkiste in den Ratssaal und stellten sie vor Rhuna und ihren Begleitern ab.

„So gehet hin und tragt die Kunde in das Reich hinaus, die Gesellschaft vom Pfauen ist mit den Bedürftigen. Ein Herz, ein Reich!“

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Texte der Hauptreihe:
K41. Geißel
K50. Im Loch
K55. Im Auge des Pfauen
K64. 2 Selos
9. Tsa 1040 BF
Im Auge des Pfauen
Gut gewürzt

Kapitel 55

Gen Trollzacken
Autor: Bega