Spenden für die Ostmarken – Auf nach Goldenstein

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Der 3.Tag der Freude im Rahja 1040 BF

Irian wartete an der Wegkreuzung auf die anderen. Während Ludilla den Weg weiter nach Osten ritt, hatten er und Geldor die Drodontsmulden ausgekundschaftet. Sie sollten in Erfahrung bringen, ob sich dort Räuber, Banditen oder andere zwielichtige Gesellen oder gar desertierte oder verstreute Soldaten aufhielten, die für den Wagenzug eine Gefahr darstellen konnten. Er wartete schon sicher ein halbes Stundenglas lang und von den anderen war noch nichts zu sehen.

Ihn erinnerte das alles an den Heerzug gen Mendena. Auch da waren sie dem Heer voran geritten, haben ausgekundschaftet und feindliche Truppen gesucht. Nur waren es damals Haffax' Soldaten, auf die sie trafen, hier liefen sie höchstens Raubrittern oder Banditen über dem Weg – auch wenn manche von ihnen ehemalige Soldaten des Schattenmarschalls sein mochten. Irian fragte sich nicht zum ersten Mal, warum sich Haffax' Heer ohne einen ersichtlichen Grund in alle Winde verstreut hatte.

Jetzt paßten sie auf kein kaiserliches Heer auf, sondern auf einen Wagenzug, der eine wertvolle Fracht nach Rommilys bringen sollte. Und diese Wägen wurden nicht weniger bewacht als ein kaiserliches Heer: Ein Schatz wurde transportiert. Die hiesigen Räuberbanden wären schön bescheuert, wenn sie diesen Zug angreifen würden, dachte Irian. Bewacht von mehreren Dutzend Rittern mit ihrem bewaffneten Gefolge, wäre das ein selbstmörderisches Unterfangen. Die einzige Möglichkeit für sie bestünde lediglich darin, daß sich mehrere Gruppen zusammen schließen und einen massierten Angriff führten. Und nach solchen Gruppen hielten sie Ausschau.

Endlich konnte er einen Reiter erkennen, der sich ihm von den Drodontsmulden näherte. Es war Geldor.

"Ich konnte zwar Spuren finden, die auf Räuber schließen lassen könnten", berichtete er, "aber es sind höchstens eine Hand voll. Womöglich sind das aber auch nur Jäger oder Wilderer. Jedenfalls stellen sie kaum eine Gefahr für den Wagenzug dar. Hast du was von Ludilla gehört?"

Irian verneinte. "Aber sie sollte schon längst da sein", sagte er.

"Wir warten noch ein Weilchen", meinte Geldor. "Dann brechen wir auf."

Tatsächlich mußten sie nicht lange warten, bis Ludilla auf ihren braunen Warunker angeritten kam.

"In der Nähe von Schellenpfort haben sich einige Banditen in einer alten Schloßruine versteckt", berichtete sie nach ihrer kurzen Begrüßung. "Ich habe mich an ihr Lager geschlichen und vermute, daß sie Schmuggler sind. Habe das zumindest aus ihren Gesprächsfetzen entnehmen können. Sind etwa zehn Mann. Es gibt zwar kein Hinweis, daß sie mehr als diese zehn sind, aber sie sind recht nah an der geplanten Strecke und könnten durchaus eine Gefahr darstellen. Habt ihr etwas entdeckt?" Irian verneinte, Geldor berichtete von den Spuren, die er gefunden hatte. "Gut", meinte Ludilla. "Ihr reitet weiter den Weg bis nach Ginsterhag. Ich reite zurück zum Wagenzug und berichte." So wurde es auch getan. Als Ludilla ihre Meldung machte, beschloß man eine kleine Truppe los zu schicken um das Schmugglernest in dieser Ruine auszuräuchern. Zwei Ritter ritten mit zwei Dutzend Bewaffneten los um diese Gefahr zu beseitigen. Ludilla ritt mit ihnen und zeigte ihnen den Weg, beteiligte sich am Kampf selbst aber nicht. Die Schmuggler hatten keine Chance. Sie waren überrascht und rechneten mit keinem Angriff, und erst recht nicht mit solch einem massierten. Kaum daß der Kampf begonnen hatte, hatte er auch schon geendet, da sich die meisten ergaben. Die gefangenen Schmuggler wurden nach Vierok gebracht, damit sie dort ihr Urteil vom Baron empfangen konnten, während der Schatzzug weiter Richtung Goldenstein zog.

Für den Fall, daß sich doch noch Banden in den Drodontsmulen gesammelt hatten und einen Angriff planten und man diese nur übersehen hatte, hatte man einige Bewaffnete etwas Abseits des Wagenzuges postiert, damit diese einen eventuellen Angriff abfangen konnten. Doch letztlich erwieß sich diese Befürchtung als falsch. Die Ritter und Waffentreuen beobachten mit aufmerksamen Augen jeden Busch und jeden Baum und ließen ihre Blicke über den Horizont schweifen, doch zur Erleichterung der Meisten konnten sie nichts erkennen – außer vielleicht der etwas jüngeren Ritter, die auch bei dem Heerzug gen Mendena nicht dabei gewesen waren und sich nicht beweisen konnten, die sich durchaus einen Überfall wünschten, damit sie diesen abwehren und sich einen Namen machen konnten.

Der weitere Weg über Ginsterhag bis zur kaiserlichen Pfalz Goldenstein verlief ruhig. Es gab keine Zwischenfälle, außer vielleicht – aber das war eher eine Randbemerkung – daß sich ein junger Waffenknecht bei einem Sturz von seinem Pferd ein Bein gebrochen hatte, weil das Pferd beim Anblick einer Schlange durchgegangen war.

In den späten Nachmittagsstunden schließlich erreichte der Wagenzug die sicheren Mauern der Pfalz Goldenstein und ein weiterer Tag war überstanden.

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Texte der Hauptreihe:
K41. Geißel
K50. Im Loch
K64. 2 Selos
K79. Auf nach Goldenstein
Autor: Balrik