Sonnendämmerung - Verwirrspiel in Reichsgarten

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Schloss Reichsgarten, Baronie Herdentor, Rahja 1041 BF:

Es war einer dieser heißen Sommertage wie sie im Rahjamond in den Perrinlanden so typisch waren. Lag die Hitze im Landesinneren zuweilen schwer über Land und Leute, wehte am Golf von Perricum stets ein laues Lüftchen, was das Tagwerk der einfachen Bevölkerng wie auch des Adels sehr viel angenehmer gestaltete.

Auf einem Felsplateu über dem Markt Reichsgard thronte erhaben die palastartige Residenz von Sulamith Eorcaïdos von Aimar-Gor. Die Grand Dame des Haues Aimar-Gor in der Markgrafschaft Perricum hatte das prunkvolle Schloss als ihren Alterssitz erkoren – vielmehr erkoren müssen, als sie vom Markgrafenhof weggelobt wurde. Doch waren die Ambitionen der umtriebigen Adligen noch lange nicht befriedigt. Wie eine Spinne im Netz belauerte sie ihre Feinde um dann im richtigen Moment zuzuschlagen. Reto, der stets in großen Dimensionen dachte, hatte in seiner Base eine enge Verbündete und Vertraute gefunden.

So saßen beide in einer Pagode zum Schutz vor der sommerlichen Sonne und blickten auf die Weiten des Golf von Perricum.

"Wie ist die kleine Sanzerforst geraten?", unterbrach Sulamith die Stille. Ihr Blick war immer noch auf das türkisblaue Meer gerichtet.

"Ein vielversprechendes, junges Ding, noch etwas zu verbissen, aber mit großem Potenzial." Reto nahm einen Schluck Perricumer Weißen, gekeltert aus den Reben der nahen Brendiltaler Berge. "Ich sehe sie als mögliche Nachfolgerin auf den Thron – und ich meine nicht den von Tuzak, auf den sie auch legitime Ansprüche hat, nein - sollte sich einmal die Nachfolgefrage bezüglich den Markgrafenthron stellen, dann wird ihr Name fallen."

"Für das Haus Gareth wäre sie eine interessante Kandidatin. Einerseits aus ehrbaren Hause, andererseits aber ohne nennenswerte Hausmacht und durch ihren Vater Gerwulf eng mit dem Haus Gareth verbunden. Doch sicherlich werden auch einige auf die Paligan-Bastarde setzen."

"Das Paligan-Mädchen dient am Hof der Kaiserin und scheint nicht auf den Kopf gefallen zu sein. Es gilt ein Auge auf sie zu haben. Was den Jungen angeht", Reto schüttelte amüsiert seinen Kopf, "der ist dämlicher als ein Darpatrind."

"Somit wäre er für gewisse Kreise sicherlich die ideale Mirhamonette. Eine nicht zu unterschätzenden Gefahr." Nun nipte auch Sulamith genüsslich an ihrem Weinglas.

"Sehr richtig, meine Liebe, es ist die Frage wie sich die perricumer Familien positionieren werden."

"Dem Rabicum traue ich alles zu!" Kurz entglitten die sonst so lieblichen Gesichtszüge der alternden Schönheit.

"Die Schlange vom Darpat müsste erkennen, dass seine Familie durch die Belehnung mit Bergthann saturiert ist. Aber auch er denkt in Generationen ... möglicherweise hegt er Ambitionen für seine Urenkel."

"Sicherlich nicht für seinen Enkel." Wieder verzogen sich die ansonsten noch seht ebenen Züge der Adligen.

"Das ist wohl auszuschließen, ja. Ansonsten zeigt sich das Haus Ochs seit einigen Götterläufen sehr umtriebig hier in der Perricumer Mark."

"Hier in Herdentor sind sie es alle mal. Aber wie dem auch sei, ich nehme an die Zolipantessa wird ein Auge auf die Sanzerforst haben? Sie darf am Hof nicht an die Falschen geraten."

"Dafür, liebste Base, ist bereits gesorgt. Madane wird sie den richtigen Persönlichkeiten vorstellen. Besonders meiner Nichte kommt da eine tragende Rolle zu. Beide werden sich gut verstehen, teilen sie doch gemeinsame Interessen wie die Falknerei."

"Du weißt ich habe meine Pläne mit Nedime, sie ist die große Hoffnung unseres Hauses."

"Da gebe ich dir recht. Doch sag, auf welches der Brendiltaler Gäule gedenkst du zu setzten? Wie mir scheint, musst du entweder die Hure von diesem Eslam, oder aber diesen Wahnsinnigen im Sebariner Exil hintergehen. Denn Nedime wird wohl nicht den Sohn des Bastards UND auch den Sebariner ehelichen können. Wobei?" Reto lehnte sich bei dem Gedanken amüsiert zurück.

"Das, liebster Vetter, lege vertrauensvoll in meine Hände. Ich weiß was ich tue." Ein vielsagendes Funkeln lag in den Augen Sulamiths.

"Meine Liebe, ich würde wohl keiner Person hier mehr Vertrauen entgegen schenken als dir." Reto wandte sich um als er Schritte herannahen hörte. Es war Meister Menning mit seinem Schüler Toran, sowie Salix, Romelio, und Tolmario, die ein verhülltes Gemälde trugen. Die Pagen Irisa, Donyata und Dalia schleppten eine übergroße Staffellage hinterher.

"Oh Meister Menning, mir geht das Herz auf", frohlockte Reto, "ist es etwas schon vollendet?"

"Dom Reto, das Meisterwerk ist vollbracht." Ein leichtes Kichern umspielte die Worte des Gelehrten und Künstlers.

"Dann lasst uns an Eurer Brillanz teilhaben!"

"Wie Ihr wünscht!" Der dickliche Maestro verbeugte sich tief und gab dann seinem Schüler das Zeichen. "Ich präsentiere Euch 'Mutter Garetia und ihre vier Kinder', das erste Meisterwerk aus der von Euch in Auftrag gegebenen 'Tetralogie der gerechten Herrschaft'."

Mit diesen Worten fiel das Leinentuch von dem Gemälde ab. Zu sehen war Königin Garetia mit den Herrscherinsignien in ihren Händen, um sie herum vier Kinder. Eines hat eine Greifenfeder in der Hand; das zweite eine Rabenfeder; das dritte einen Bullenring; und das vierte einen Säbel und eine Axt, verbunden durch ein blaues Band.

"Ganz vortrefflich, ich bin begeistert." Reto war außer sich vor Freunde und war aufgesprungen. "Diese Liebe zum Detail ... graziös."

"Dom Reto, beachtet auch den Hintergrund."

"Als ob mir das entgangen wäre, Meister Mennig ich bitte Euch." Reto tauchte geradezu in das Gemälde ein. "Die gekrönte Blutulme ... die drei Schwestern vor dem heiligen Felsen ... einfach fabelhaft!"

"Es freut mich Euren Geschmack getroffen zu haben!" Menning kicherte in sich hinein.