Sonnendämmerung - Verlautbarungen aus Beschelshall

Aus GaretienWiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Burg Beschelshall, Baronie Herdentor, Rahja 1041 BF:

Der prunkvolle Saal der palastartigen Festung Beschelshall - oder Besh hassal Ammay shar, wie die Nebachoten den Stammsitz der Familie Brendiltal nannten – war gut gefüllt. Die Vasallen von Baron Martok hatten sich hier versammelt, befohlen im Namen des Barons von seiner Mutter, Vögtin Mara von Sturmfels. Offiziell ließ Martok auch Grüße von Kloster Pra'os Necho entrichten, alle Eingeweihten wussten es aber besser.

Der Edle Yerodin von Alxertis war ebenso anwesend wie die drei stolzen nebachotischen Junker Baram von Pfiffenstock, Remus von Brendiltal und Turhan von Turatal - alle drei mitsamt kopfstarken Gefolge. Selbst Landjunkerin Sulamith Eorcaïdos von Aimar-Gor war mit ihren Hofdamen Mira von Waraqis und Yaela von Rabenstock, sowie der Kriegerin Ashina aus Reichsgard angereist, was am Hof mit großer Verwunderung zur Kenntnis genommen wurde, wusste man doch um das schwierige Verhältnis zwischen der Aimar-Gor und der Baronsmutter. Des weiteren hatten sich die Höflinge, verschiedene Gelehrte und Geweihte, sowie – ausgesuchtes – einfaches Volk im großen Saal der Barone von Herdentor versammelt. Die Stadt Brendiltal schickte freilich keine Abordnung, sah sich die Stadtvögtin Madalena Feqzaïl gegenüber Baron Martok als nicht weisungsgebunden.

Auf einem mit prunkvollen, mit aus der frühnebachotischen Ornamentalik angelehnten Verzierungen versehenen, säulenbewehrten Podest stand der goldverzierte Thron der ehemaligen Barone von Brendiltal, numehr Herdentor. Der Thron - dessen Lehne zwei aufsteigende Rösser formte - war verwaist, denn wie allen bekannt war, lebte Baron Martok nach seiner Verblendung - offiziell Entrückung - während einer Praios-Prozession zurückgezogen im Kloster Praiseneck. An seiner statt ruhte auf einem samtenen Kissen der Baronsreif von Herdentor. Über dem Thron prangerte eine riesige vergoldete Sonne an der Wand - als Zeichen der Glorifizierung von Baron Martok und für die Nähe der Herrscherfamilie zum Götterfürsten Praios. Links neben dem Thron saß, auf einem deutlich kleineren, aber nicht weniger reich verzierten Stuhl die Baronsmutter und Vögtin Mara von Sturmfels. An ihrer Seite stand ihre Tochter Nera. Rechts neben dem verwaisten Thron hatten auf ausladenden Kissen Martoks Kinder und Erben Yaron, Dafina und Amalion Platz genommen. Hinter den Kindern, wie zu deren Schutz, stand deren Mutter Baronin Roschane von Pfiffenstock, die beiden Hausritter Leuhelm und Ayana von Sturmfels, sowie der Hauptmann der Tiefschwarzen Sonnenrösser Hamir von Turatal. Neben Martoks Kinder stand großväterlich Abt Sulman von Greifenwacht zu Praiseneck, die wohl größte moralische Instanz in den östlichen Perrinlanden. Dieser war es auch, der zur Eröffnung der Zusammenkunft den Segen des Götterfürsten sprach.

"Der Segen des Götterfürsten ist mit Herdentor und seinen praiosfrommen Untertanen. Der Herr des Lichts ist mit denen, die nach Erleuchtung streben. Baron Martok, vor Praios gekrönter Herrscher dieser Lande, hat in Demut und Wahrhaftigkeit die schwere Bürde der Seelen Herdentors auf sich genommen, um mit dem König der Götter in stiller Zwiesprache nach endgültiger Erleuchtung zu suchen. Er sei uns allen ein Vorbild in diesen Tagen des Zweifelns und Verzagens. Praios mit dir, Martok, Sohn des Eslam! Praios mit euch, treues Volk von Herdentor!"

Während Herold Halmrich von Sennenberg-Ruchin dreimal mit seinem Zeremonienstab auf den steinernen Boden klopfte, trat Hofkaplan Mervan von Greifenwacht vor die Herrscherfamilie. Er begrüßte Baronsmutter Mara von Sturmfels, Martoks Kinder und dessen Gemahlin Roschane – in der Reihenfolge. Anschließend wendete er sich zu den Versammelten.

"Unter dem Auge des gerechten Praios sind wir hier versammelt, um in seinem Namen wahrhaftig frohe Botschaft zu verkünden."

Die Menge starrte den Geweihten des Götterfürsten erwartungsvoll an. Schließlich blickte der Hofkaplan zu Omar von Brendiltal.

"Omar, aus der Familie der Beshir a Danal, Sohn der Chaliba und Enkel des Remus von Perainsweil, erhebe dich!" Dieser tat wie ihm geheißen. "Feierlich verkünde ich im Namen des großen Martok die Verlobung mit Lomena aus der Familie Darben-Dürsten."

Der Herold schlug dreimal mit seinem Zeremonienstab auf den steinernen Boden, bis sich schließlich die große, zweiflügelige Tür öffnete. So dann erhob er seine kraftvolle Stimme, während die Anwesenden über das Gesagte tuschelten.

"Aus dem nachbarschaftlichen Dürsten-Darrenfurt beehrt uns Baroness Thiomara von Darben-Dürsten und ihre Schwester Lomena, in Begleitung des ehrenwerten Ritters Jandor von Meidersee, sowie der Knappin von Baron Thorondir, Baha von Darrenfurt."

Thiomara genoss die starrenden Blicke der Versammelten als sie mit beschwingtem Schritt mit ihrer Entourage den Festsaal betrat. Sie begrüßte in der gebotenen Form der Etikette die herrschaftliche Familie und erhob dann ihre Stimme.

"Ich überbringe die besten Grüße meines Bruders und möchte hiermit sein Bedauern ausdrücken nicht selber anwesend sein zu können. Doch muss ich in aller Bescheidenheit den ehrenwerten Herold verbessern! Mich begleitet mit nichten meine Schwester Lomena, sondern meine werte Base Leudora, damit sie vor Praios und den drei lieblichen Schwestern den Bund der Ehe mit Omar von Brendiltal eingehen kann. Doch wollen wir dem rechtschaffenen Herold diesen Fauxpas verzeihen."

Sofort fing die Meute im Saal erneut an zu tuscheln, während Omars Gesicht zornesrot anlief. Nur die beruhigende Hand seiner Mutter Chaliba auf seiner Schulter und der strafende Blick von Abt Sulman ließen ihn davon abhalten etwas unbedachtes zu sagen. Dem Herold blieb nur der etwas verdatterte und hilflose Blick zur Baronsmutter, die sich erhob."

"Hochgeboren Thiomara, Euer Erscheinen und das Eurer ... Base erfreut uns zutiefst. Es wäre mir eine Freude Euch beim Mahle an meiner Seite zu wissen, auf das wir die Einzelheiten des Bundes unserer Familien erörtern können."

Thiomara nickte mit einem kecken Lächeln im Gesicht. Der denkwürdigste Auftritt des Abends war ihr sicher – oder etwa nicht? Das Pochen des Zeremonienstabes sorgte derweil wieder für Ruhe im Saal.

"Doch, werte Freunde und Gäste, ist dies nicht die einzig frohe Botschaft." Mervan von Greifenwacht war bemüht ungerührt fortzufahren. "Baroness Dafina, ungestüm, feurig und edelmütig wie eine Brendiltaler Stute, erhebe dich, denn wir wollen feiern deinen Bund mit dem ehrenhaften Brin aus dem Hause Ochs, seines Zeichens Knappe des großen Martok!"

Wieder öffnete sich nach dreimaligen Pochen des Zeremonienstabes die schwere Tür und mit stolz geschwellter Brust trat Brin gemeinsam mit seiner Mutter Alinde von Ochs ein. Der kräftige Bursche hielt vor dem Thron inne und verbeugte sich tief. Dann ergriff er die Hand seiner zukünftigen Braut und reckte sie empor. Verhalten brach Jubel aus, wieder vermischt mit vieldeutigem Getuschel. Nun war es wieder die Baronsmutter Mara von Sturmfels die ihre Stimme erhob.

"Der heutige Tag ist ein Tag der Freude für Herdentor. In einer unruhigen Zeit, in der alte Bündnisse zerbrechen und neue geschmiedet werden, haben wir stehts das Beste für die Lande von Martok dem erleuchtet Großen im Sinn. Doch haben wir uns heute hier nicht nur versammelt um den Bund zwischen Dafina und Brin zu bezeugen. Es ist Martoks sehnlichster Wunsch, seinen Erstgeborenen in guten Händen zu wissen, so dass dieser, sein Sohn, ihm einmal folgen wird auf den Thron der streitbaren Pferde. Aus diesem Grunde begehen wir heute feierlich ebenfalls die Verlobung meines Enkels Yaron aus der Familie Brendiltal, Enkel des großen Eslam und Urenkel Wulfhelms."

Ungläubig sahen sich Gäste wie Höflinge an, was eben noch Getuschel war, glich nun einem Basar. Damit hatte niemand gerechnet und alle fragten sich nun wer die Braut sein könnte. Das dreimalige Pochen des Zeremonienstabes ließ alle neugierig zur Tür blicken, die sich sogleich öffnete. Herein trat ein großgewachsener, stattlich anzusehender Mann mit gepflegtem Schnauzbart und eine junge Frau mit vollem Haar und markanten Gesichtszügen.

"Ich bin so frei und stelle mich selber vor." Ein joviales Grinsen zog sich über das Gesicht des Mannes. "Mein Name, verehrte Herrschaften, ist Reto Eorcaïdos von Aimar-Gor, im Namen ihrer kaiserlichen Majestät Reichsvogt der kaiserlichen Lande Gerbaldsmark und ich präsentiere euch freudigst die zukünftige Baronin von Herdentor, meine Nichte Nedime Eorcaïdos von Aimar-Gor!"

Stille. Den meisten der Anwesenden blieb der Mund offen stehen. Einzig Sulamith lächelte erhaben in sich hinein. Das Haus Aimar-Gor hatte sich entschieden – für den Pakt der drei Frauen von Dreitempelhof und gegen den Usurpator Irian. Welch ein Paukenschlag!