Sommer auf Rosskuppe - Von Küchendrachen

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Breitenau

Markgräflicher Marstall in der Baronie Hexenhain

Mitte Ingerimm 1033 BF

Dramatis Personae

Im Innenhof des Marstalls warteten bereits einige Pferdeknechte die ihnen beim Absatteln und Abreiben der Tiere zur Hand gingen. Dennoch legten alle Reiffenberger selbst Hand an und striegelten und bürsteten. Auch Ardo und Mechthild folgten dem Beispiel, wobei die Knappin wie immer fast fanatisch bei der Arbeit war. Die Reitknechte führten die Pferde wieder in ihre Ställe und die kleine Gesellschaft begab sich in das Herrenhaus, wo es bereits in der Eingangshalle nach gebratenem Speck und Kohl roch. Gerbald und Rondrian waren kaum eingetreten, als sie schon ihre Nasen in die Luft reckten und ohne viele Worte Richtung Küche verschwanden. Wenig später hörte man einen empörten Ruf und das Scheppern eines Topfdeckels und einen unterdrückten Schmerzenslaut.

„Ha!“ meinte Renzi, „Jetzt hat sie die beiden doch mal erwischt! Ich wette die kriegen jetzt ein paar mit dem Kochlöffel und da hilft ihnen auch keine kriegerische Ausbildung!“

Die Kinder kicherten, als die beiden Übeltäter mit roten Fingern wieder in die Halle traten. Gerbald funkelte Merans Zwillinge an: „Puh, da drinnen wohnt wahrlich ein Drache, den es noch zu bezwingen gilt. Aber jetzt rasch auf die Zimmer und frisch gemacht, denn ich verspreche nicht zu viel, wenn ich sage, dass es sich gelohnt hat den Drachen zu wecken.“

Der Keilholtzer ließ sich von der guten Stimmung anstecken und fiel augenzwinkernd sofort mit ein. „Einen Drachenhort zu plündern ist keine geringe Sache Gerbald. Das will wohl geplant und überlegt sein. Das nächste Mal nehmt besser noch eine Schwadron Grenzreiter mit.“

Renzi wandte sich den beiden Gästen zu: „Nehmt es ihm nicht übel, so ist er immer, wenn es bald wieder nach Hexenhain geht und oder er hungrig von einem Ausritt zurück kommt. Wenn ihr ein Bad wünscht, sagt einfach dem Knecht oder den Mägden Bescheid. Ich würde sagen, so in etwa einer Stunde gibt es dann was Deftiges für den hungrigen Reitersmann.“

„Vielen Dank Renzi. Ein Bad tut nach dem Ausritt ganz gut und wohl auch Not. Immerhin soll es bei Tisch nicht nach Pferd riechen. Los junge Dame,“ wandte er sich an Mechthild, „du gehörst auch in einen Zuber. Du hast dir beim Striegeln wieder das halbe Pferdefell in die Nähte gekämmt.“

Nachdem sich alle erfrischt hatten, traf man sich wieder in der großen Halle, wo die Mägde bereits wieder die Tische für die Abendmahlzeit vorbereitet hatten. Ardo erkannte, dass sich wieder alle Bewohner des Marstalls eingefunden hatten. Nur die Soldaten der Grenzreiterschwadron fehlten heute. Der Zwergenschmied verteilte eifrig große Brotfladen an den Tischen und alle warteten hungrig auf das Essen. Rondrian sprach ein kurzes traviagefälliges Dankgebet und wünschte allen einen gesegneten Appetit. Zwei Knechte trugen dann große dampfende Suppenschüsseln auf, denen ein herzhafter und würziger Duft entstieg. Gerbald seufzte hörbar, als ihm aufgetan wurde und hielt seinen Holzlöffel und ein Stück Brot bereits in der Hand.

„Werter Ardo, als ich mein Amt in Hexenhain antrat, hat mir der Küchendrache mal erklärt, was alles drin ist im Eintopf. Soweit ich es erinnern kann gehören da sowohl Schweinespeck als auch eine kleine Portion Rindfleisch dazu. Ferner kommen noch gelbe Rüben, Kohl, Steckrüben, Lauch und Sellerie dazu. Aber entscheidend sei, so der Drache, das Würzen und Abschmecken. Allerdings hat sie mir die Rezeptur und Zusammensetzung der Kräuter nie verraten. Seit Langem habe ich aber den Verdacht, dass zumindest Greifenfurter Goldsirup, das Kraut Liebstöckl und ein kleiner Schnitt Wirsel drin sind. Aber langt nur ordentlich zu, auch du Mechthild, ich werde dafür sorgen, dass der Drache den Hort seiner Geheimnisse irgendwann einmal preisgeben wird und Euch das Rezept zukommen lassen.“

Die Knappin ließ sich wie immer nicht lange bitten und ehrte das gute Essen auf ihre Weise und auch Ardo hatte die Wartezeit hungrig gemacht. „Wenn ihr einmal bei mir zu Gast seid lasse ich euch eine zwergische Biersuppe machen. Überall in der Baronie wird sie nachgekocht, aber das Originalrezept kennen nur die Kressenburger Zwerge. Ein Gaumenschmaus, das garantiere ich.“ Dann waren die Gäste binnen weniger Augenblicke ebenso ins Essen vertieft wie der Hexenhainer Baron.