Sommer auf Rosskuppe - Der erste Ork ist immer der Schwerste

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Breitenau

In der Baronie Donfanger

Mitte Ingerimm 1033 BF

Dramatis Personae

Mechthild und Praiolin hatten sich unterdessen wie befohlen fast bis zum Waldrand zurückgezogen. Die Rauchwolke vom brennenden Gehöft war auch von hier aus noch gut zu sehen, doch vom Kampfeslärm war kaum noch etwas zu hören. Trotzdem hatten sie zur Sicherheit ihre Kurzschwerter gezogen und bereit. Nachdem sich die Grenzreiter verteilt hatten saßen sie nun allein auf dem Rücken ihrer Pferde und spähten aufmerksam in jene Richtung aus der sie die Rückkehr der Soldaten am ehesten erwarteten.

Tatsächlich tauchte bald eine geduckte Gestalt zwischen den Sträuchern des nächsten Hügels auf. Mechthild wollte sie gerade schon anrufen, da erkannte sie, dass es sich um einen der Schwarzpelze handelte, der mit gezücktem Säbel durch die Büsche schlich. Er hatte die Kinder noch nicht entdeckt, da er immerzu über die Schulter spähte. Offensichtlich war es ihm gelungen den Grenzern zu entkommen und er dachte nicht im Geringsten daran seinen auf dem Hof eingekesselten Gefährten zu Hilfe zu kommen. Dennoch konnte es nicht mehr lange dauern, bsi er die Knappin und den Novizen, immerhin beide hoch zu Ross, bemerken würde.

„Komm, lass uns verschwinden. Wenn wir hinter den nächsten Hügel reiten bevor er uns sieht sind wir sicher.“ Mechthild flüsterte kaum laut genug, dass Praiolin sie gerade noch verstehen konnte.

„Aber Onkel Urion hat gesagt es soll keiner entkommen. Wenn wir ihn gehen lassen verschwindet er im Wald,“ erwiderte der junge Novize kaum lauter.

„Die Grenzreiter kennen den Wald mindestens genausogut wie diese Missgeburt dort. Wir werden ihnen nachher sagen was wir gesehen haben, sie werden ihn verfolgen und zur Strecke bringen.“

„Und wenn sie ihn nicht finden? Wenn er entkommt und wieder irgendwo einen Hof anzündet? Wenn wieder Schutzlose angegriffen werden? Werden wir dann wieder in der Nähe sein um zu helfen?“

Praiolin war anzumerken, dass er gedachte die Anweisungen seines Onkels umzusetzen. Dummerweise trafen in dieser Situation beide zu. Natürlich hatte Urion angewiesen keinen entkommen zu lassen, aber gleichzeitig sollten sie beide sich von Kämpfen fernhalten wo es ging.

„Wir sind zu zweit und der Ork ist ganz alleine. Wier müssen ihn ja nicht angreifen, aber wir können ihn zurückjagen, damit die anderen ihn erwischen können.“

Bevor Mechthild noch einwenden konnte, dass der Ork sich wahrscheinlich kaum von einem Kind und einer Halbwüchsigen erschrecken lassen würde, war Praiolin schon angeritten, schwang herausfordernd sein Kurzschwert und rief dem Ork laut entgegen.

„Heda, Orkschiss“, auf diesen Ausdruck war der Junge besonders stolz, denn den hatte er von seinem Großvater dem Baron gelernt, „du kommst hier nicht vorbei. Lauf wenn dir dein Leben lieb ist!“

Wie erwartet hielt der Schwarzpelz abrupt in seiner Bewegung inne und schaute verdattert woher der Ruf kam. Als er die Kinder entdeckte zögerte er einen Moment, als würde er seine Chancen abschätzen. Offensichtlich kam er zu dem Schluss, dass die beiden jungen Reiter vor ihm weniger gefährlich waren als das Dutzend Soldaten hinter ihm. Wahrscheinlich konnte er ihnen durch die Büsche sogar entkommen ohne kämpfen zu müssen. Hastig lief der Ork im Schutz der Büsche weiter.

Mechthild zuckte mit den Schultern. „Lass ihn gehen Praiolin! Ich bin mir sicher er wird nicht weit kommen.“

Der Novize hatte aber nicht vor den einmal gefassten Entschluss so schnell aufzugeben und nahm im Trab die Verfolgung auf. „Bleib stehen du Feigling. Traust du dich nicht zu kämpfen? Ich habe einen Hasen gekannt der mutiger war als du!“

Das laute Rufen beunruhigte den Ork. Wenn er auch kein Wort von dem verstand was die Menschenkinder riefen, so konnten sie doch die Krieger auf seine Spur führen bevor er den sicherern Wald erreicht hatte. Er entschied sich dieses Risiko nicht einzugehen und stürmte auf den Jungen zu der sich so weit vorgewagt hatte.

Während Praiolin noch aus Leibeskräften rief, erkannte Mechthild den plötzlichen Richtungswechsel des Schwarzpelzes. Entschlossen trieb sie ihr Pferd an und schnitt dem Ork den Weg ab. Sie sah die Kreatur immer größer werden als sie auf sie zu ritt, doch in ihr war in diesem Moment kein Platz für Angst. Sie ahnte, dass der junge Praiolin trotz seiner begonnen Ausbildung bei seinem Onkel Rondrian gegen dieses Untier keine Überlebenschance haben würde. Sie musste ihn schützen, das hätte ihr Schwertvater als wahrer Ritter auch getan.

Mechthild ließ das Pferd vor dem Schwarzpelz steigen und ausschlagen, musste jedoch erkennen, dass der Ork den gefährlichen Hufen mit Leichtigkeit auswich. Dadurch kam er jedoch in die Reichweite ihres Kurzschwertes. Kurzentschlossen holte sie aus und hieb dem Ork die Klinge über den Kopf. Jaulend und wild mit dem Säbel fuchtelnd wich dieser zurück während das Blut ihm ins Gesicht lief und die Sicht nahm. Zu seinem Pech taumelte er geradewegs auf das Hinterteil von Praiolins Schlachtross zu, was diese unerwünschte Annäherung mit einem machtvollen Auskeilen quittierte. Ein Huf traf den Brustkorb, der andere den Kiefer des unglücklichen Schwarzpelzes. Schwer getroffen ließ er seinen Säbel fallen und taumelte zwischen den beiden Tieren zu Boden. Auf dem Rücken blieb er liegen, die Glieder vor Schmerzen verzerrt, während sich sein eingedrückter Brustkorb mühsam hob und senkte und sich blutiger Schaum vor seiner zerstörten Schnauze sammelte.

Mechthild und Praiolin schauten sich betreten an. Die größte Gefahr war überstanden, soviel war ihnen klar. Aber nun lag dort dieser halbtote Ork und schien sich zu weigern endgültig zu seinen Blutgötzen in die Niederhöllen zu entschwinden. Mechthild hatte den Geschichten ihres Schwertvaters über Kämpfe und Schlachten immer andächtig gelauscht und bei jedem Turnier in Greifenfurt den stolzen Rittern zugejubelt, wenn mit aufgespießten Steckrüben der Wettbewerb des ‚Orkschädel spalten’ durchgeführt wurde. Doch nun stellte sie fest, dass sie bei weitem nicht so kaltblütig war, wie sie es sich in ihrem Träumen immer ausgemalt hatte. Aber sie war die Ältere und der erschreckte Ausdruck in Praiolins Gesicht trieb sie vorwärts. Behutsam ließ sie sich vom Rücken des Pferdes gleiten und trat neben den röchelnden Schwarzpelz, das Kurzschwert fest umklammert.

Mit vor Schmerzen aufgerissenen Augen sah die waidwunde Kreatur zu Mechthild auf. Es schien irgendetwas in ihrer kehligen Sprache sagen zu wollen, versuchte gar sich noch einmal aufzurichten. Wollte es sie vielleicht verfluchen? Die Knappin entschied sich, es nicht abzuwarten. Mit aller Kraft ließ sie ihr Schwert auf den sowieso schon verunstalteten Orkschädel niedersausen, dann ein zweites und drittes Mal, bis dieser mit einem hässlichen Knacken barst. Blut und eine zähflüssige gelblich weiße Flüssigkeit sammelten sich vor ihr im Gras. Eilig wich sie zurück, bevor die Körpersäfte des toten Schwarzpelzes sie berühren konnten und suchte sich ein paar Schritte abseits ein großes Grasbüschel an dem sie ihr Schwert reinigen konnte.

Mechthild war speiübel zumute doch riss sie sich zusammen um es Praiolin nicht merken zu lassen. Der Junge saß noch immer auf seinem Ross und blickte sie mit einer Mischung aus Bewunderung und Neid an. Der Knappin war jedoch in diesem Moment alles zuwider. Eilig schwang sie sich zurück in den Sattel und deutete unwirsch auf die Höhe des nächstgelegenen Hügels.

„Lass uns dort hinauf reiten und nach den Soldaten Ausschau halten. Ich bin mir sicher, dass sie langsam fertig sind.“ Ihre Stimme machte klar, dass sie weder Zustimmung noch Widerspruch hören wollte und so beschied sich Praiolin mit einem stummen Nicken.