Simionas Ansichten zum Siegestempel

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„Mann oh Mann, was für ein Tag. Vetter Helmar bringt mich noch um den Verstand. Er begreift die simpelsten Techniken des Tjostens einfach nicht. Ich hätte gute Lust alles hinzuschmeißen und ihn zu Onkel Ungolf zurückzuschicken. Simiona, hörst du mir überhaupt zu?“ Baron Nimmgalf von Hirschfurten saß auf dem Bett und war gerade dabei die Stiefel auszuziehen und Hemd und Beinkleider abzulegen um sich für die Nachtruhe bereit zu machen. Seine Frau Simiona saß im seidenen Nachthemd an der Kommode, während sie ein paar Briefe bearbeitete, die erst vor zwei Stunden auf der Burg eingetroffen waren. Dabei summte eine horasisch-patriotische Melodie vor sich hin.

„…Die Grenzen, die uns Murak … Wie? O` aber natürlisch, Scherrie. Du `attest sischer einen `arten Tag. Warte nur, isch versüße dir gleisch das Einschlafen ein wenig.“ Sie hatte wieder dieses unwiderstehliche Lächeln aufgesetzt das Nimmgalf immer ein wenig misstrauisch machte.

„A`a, schau `ier, ein Brief vom Kanzler. Gleisch wirst du den Grund dafür erfa`ren mein Guter.“ Mit einem kunstvoll verzierten Brieföffner trennte sie das Schreiben auf und las es rasch durch. Ihre Miene verfinsterte sich zusehends.

„Au diable!“ Sie knüllte den Brief zusammen und feuerte ihn in die Ecke.

„Merde! Merde! MERDE! Dieser sture, alte…“

„Was ist denn los? Jetzt sag doch endlich was in dem Brief stand. Was will denn der gute Praiodan von uns?“ Nimmgalf wurde immer ungeduldiger.

Simiona stand auf, ging ein paar energische Schritte auf ihn zu und verschränkte die Arme. „Isch `atte vor ein paar Tagen `öflisch darum gebeten, dass er Verständnis dafür zeigen solle, dass wir die jä’rlischen Za`lungen für den Siegestempel ein klein wenig reduzieren werden. Und dieser Sturkopf hat da über’aupt kein Einse’en und fordert weiterhin 1000 Goldstücke. C'est incroyable! Was denkt der sisch eigentlisch, dass wir uns die Dukaten selber prägen?“ Nimmgalf stand auf und schlang seine Arme um ihre Hüften.

„Aber Liebling, was ist denn nur los? Uns geht es doch wirklich nicht schlecht. Meine Ziegelei hat gerade Hochkonjunktur, die Kokereibetriebe lassen täglich die Öfen glühen, das Schnittholz unserer Sägewerke erzielt in Gareth Höchstpreise und Wildbret aus dem Reichsforst gilt in vielen noblen Garteher Gasthäusern als Delikatesse. Dazu noch die ganzen Siegesprämien durch meine Turniersiege… ich denke außer Freund und Nachbar Wulf geht es kaum jemandem in Garetien so gut wie uns, zumal Waldstein weitestgehend von den Dürreperioden der letzten Sommer verschont bleib, so dass unsere Kornkammern immer noch gut gefüllt sind. Was bedeuten da schon 1000 Dukaten im Jahr?“

„Ach so? Und was ist mit dem zerstörten Travia-Tempel? Kostet uns das etwas gar nischts?“ Der sarkastische Unterton in ihrer Stimme war nicht zu überhören. „Witzig das gerade Du das sagst, Du warst doch nicht ein einziges mal in dem Tempel als er noch stand. Aber du weißt doch, die Traviakirche hat sich bereiterklärt, 80% der Kosten zu tragen. Der Rest soll durch Spenden und Fronarbeit geregelt werden, die paar hundert Dukaten die da noch auf uns zukommen sind doch wirklich nicht der Rede wert.“

„Und das reschtfertigt also, dass wir diesem Spinner aus Gareth jä`rlisch den Allerwertesten vergolden, nur für diesen völlig idiotischen Siegestempel, den kein vernünftiger Mensch braucht.“ „Simiona, ich dulde nicht, dass Du so redest. Praiodan von Luring sieht den Tempel als ein großes Prestigeobjekt für die ganze Region und damit hat er sicher recht. Nicht nur zum Ruhme der Zwölfe und der tapferen Verteidiger ihrer Ordnung wird er uns gereichen, nein er wird auch Gläubige aus allen Teilen der Welt anlocken, was wiederum unserer Wirtschaft zugute kommen wird. Es gibt demnach überhaupt keinen Grund sich so zu ereifern.“

Er wollte sie ein wenig liebkosen, doch sie stieß in verärgert weg. „Wenn du so überzeugt davon bist, Nimmgalf, dann kannst du ja zur Staatskanzlei reiten, und deinem Freund Praiodan persönlisch ausrischten, dass wir auch weiter`in brav seine Goldesel spielen werden.

Und weißt du was? Isch werde disch sogar begleiten, aber nischt um an dem Praiosgottesdienst teilzune`men, wie er es in seinem unverschämten Brief vorgeschlagen `atte, sondern weil isch in Garet` noch eine Kleinischkeit zu erledigen `abe.“ „So, was denn?“ „Verrate isch dir später. Jetzt lass uns schlafen ge`en, aber we`e du schnarschst schon wieder, dann schläfst Du im Kaminzimmer, klar?“

„Na, Du hast ja mal wieder eine tolle Laune, Simiona. Trotzdem, schlaf gut.“ Sie legten sich ins Bett und Nimmgalf löschte die Kerzen und gab ihr noch einen Kuss.

„Schaden für Reputation und E’re, pfff! Da geb isch ja nun gar nischts drauf, aber Nimmgalf `ätte er damit direkt ins `erz getroffen. Peste! Der Kerl wird mir langsam lästig. Aber künftig sollte isch vorsischtiger sein. Vielleischt könnte man… aber das muss gut geplant und vorbereitet werden. Isch warte lieber erst einmal ab, und kümmere misch um die andere Angelegen`eit. Und wer zuletzt lacht…“

Mit diesen düsteren Gedanken fiel Simiona in einen unruhigen Schlaf.